Sigmar Garbriel, Abd al-Fattah as-Sisi, Joe Kaeser. - Bild: Dr. Thomas Isenburg

Symbolcharakter für die interkulturelle Zusammenarbeit: Im Bundeswirtschaftministerium unterzeichneten im Juni 2015 Bundeswirtschaftsminister Sigmar Garbriel, Ägyptens Präsiden Abd al-Fattah as-Sisi und Siemensvorstand Joe Kaeser (v.l.n.r.) einen acht Milliarden schweren Vertrag. - Bild: Dr. Thomas Isenburg

Deutsche Unternehmen gehören mit zu den Antreibern eines grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehrs, denn ihre außenwirtschaftlichen Aktivitäten sind von elementarer Bedeutung für den Wohlstand der Volkswirtschaft. Dabei erreicht Deutschland einen Anteil von fast zehn Prozent am weltweiten Exportvolumen.

Bei internationalen Projekten prallen häufig unterschiedliche Kulturen aufeinander, denn je nach Kulturraum und Religion haben sich abweichende Werte entwickelt. Bislang wurden die Beobachtungen des Kulturraums beim Projektmanagement jedoch häufig vernachlässigt. Meistens wird die eigene Kultur auf das interkulturelle Projekt übertragen. Dann kommt es zu einem kostspieligen Learning-by-doing-Prozess, verbunden mit einem hohen Risiko des Scheiterns. Dass interkulturelle Projekte jedoch auch gut funktionieren können, zeigt das spanische Unternehmen Gamesa. Schon seit einigen Jahren beschäftigen sich die Mitarbeiter mit der Errichtung von Windparks in Ägypten. Dabei gilt die Westküste des Roten Meeres als einer der weltweit besten Orte für die Windenergie. Hiervon kann man sich in Gabal Elzayt überzeugen, einem Ort, der 120 Kilometer nördlich der Touristenstadt Hugarda am Golf von Suez liegt.

Bild: Dr. Thomas Isenburg
Bild: Dr. Thomas Isenburg

Inzwischen drehen sich hier in einem von der deutschen Bundesregierung und der Europäischen Union finanzierten Windpark 100 Windkraftanlagen des spanischen Unternehmens Gamesa und viele weitere sollen folgen. Mithilfe der konstanten Winde aus nordwestlicher Richtung kann eine Leistung von 200 Megawatt produziert werden. Hier liegt auch der Arbeitsplatz von José Maria Jimeno Pascual, Manager für den Betrieb von Windparks. In seinem Team arbeiten etwa 70 Menschen, von denen etwa zehn aus Spanien stammen. Die Frage nach den Aufgaben beantwortet der Manager mit: „Das Wichtigste hier ist die interkulturelle Kommunikation“. Die Ägypter sind stark von ihrer Religion geprägt und ihre spirituellen Werte sind in den Arbeitsprozess zu integrieren. Dies gelingt glänzend, denn die Männer um die Spanier sind gut trainiert, hoch motiviert und versehen ihre Arbeiten mit freundlich-interessiertem Blick.

Verständnis für die arabische Kultur

Nach der Ursache des Erfolgs des spanischen Unternehmens befragt, antwortet der Elektroingenieur aus der Nähe von Madrid: „Die Spanier haben ein besonderes Verständnis für die arabische Kultur. Das geht noch auf die Mauren in unserem Land zurück.“ Jedoch hat sich die Bauzeit der Windparks wegen der Unruhen von einem geplanten Jahr auf zweieinhalb Jahre verlängert. Hier scheint der Abstand zwischen den Kulturen nicht besonders groß zu sein. Dann ist die Kommunikation eher unkompliziert, was den Austausch und den reibungslosen Projektablauf erleichtert. Bislang mussten die Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen immer wieder abgezogen werden.

Gamesa ist bereits seit 2004 in Ägypten. In diesem Zusammenhang verschweigt der Spanier nach über zehn Jahren im Land nicht die Herausforderungen, denn im Umfeld mit den Wahlen sowie der Syrienkrise kam es wieder zu Anschlägen im Land am Nil. Im Gesicht des international sehr erfahren Projektleiters kann  man die Sorge sehen. Dabei herrscht in seinem Team eine schöne Atmosphäre. Fremde werden mit dem arabischen Friedensgruß „Salem Aleikum – Friede sei mit euch“ begrüßt. Hierzu wird eine Tasse Tee angeboten. In seinem Team bleibt nichts verborgen, die Sorgen und Nöte seiner Mitarbeiter kommen auf den Tisch. Jimeno Pascual bemüht sich sehr um ein Verständnis der anderen Kultur und lässt dieses in den Arbeitsprozess einfließen. „Für mich gehören alle dazu, gerade auch die Beduinen, die auf dem Land des Windparks wohnen“, meint der Manager.

Eines ist klar, der Spanier will sein interkulturelles Team zu Spitzenleistungen führen. Dass sich dies durchaus auch wirtschaftlich lohnen kann, zeigt die Marktführerschaft der Spanier bei Windkraftanlagen in Ägypten: Die ersten beiden Windparks standen in Zafarana, weiter nördlich am Golf von Suez. Etwa 80 Prozent der in Ägypten installierten Windkraftanlagen kommen aus Spanien. Den Markt schätzen die Spanier wegen der Rahmenbedingungen durch die Regierung positiv ein.

Hintergrundwissen

Arbeiten in Nordafrika

  • Interessierte erhalten weitere Infos über das Arbeiten in Nordafrika bei: Afrikaverein der deutschen Wirtschaft: www.afrikaverein.de, oder bei: Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry, www.ghorfa.de
  • Wertvolle Hinweise zum internationalen Projektmanagement bietet das Buch „Internationales Projektmanagement“ von Manfred Kiesel, der in den Bereichen internationaler Vertrieb und Marketingplanung bei Daimler Chrysler Erfahrung gesammelt hat und aktuell an der Fakultät der Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Würzburg Schweinfurt lehrt. Das Buch ist im Bildungsverlag Eins erschienen und kostet 24,95 Euro.