Bild: Zerbor - Fotolia.com

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Mit der Kür zum innovativsten Land des Jahres im Januar 2014 wies die Nachrichtenagentur Bloomberg auf die herausragende Stellung von Südkorea als eine der wichtigsten Industrienationen weltweit hin. In einem hochtechnologisierten Land spielt auch die Arbeitssicherheit eine wichtige Rolle.

Für den Marktzugang müssen in Korea alle Produkte geprüft und zertifiziert werden, von denen eine potenzielle Gefahr für Sicherheit, Gesundheit und Umwelt ausgehen könnte. 2009 führte die koreanische Regierung das KC-Mark ein, um die Vorgaben für die Zertifizierung zu vereinheitlichen. Dennoch herrscht bei vielen Unternehmen noch Unsicherheit darüber, welche konkreten Anforderungen ihre Produkte für den koreanischen Markt erfüllen müssen.

Sicherheit am Arbeitsplatz

Die koreanische Behörde für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (Korea Occupational Safety and Health Agency,
KOSHA) wurde 1987 gegründet, um eine sichere und gesundheitlich unbedenkliche Arbeit zu ermöglichen. Über die Unfallverhütung durch geeignete Richtlinien hinaus bekämpft die Behörde auch die Ursachen von Arbeitserkrankungen und bewirbt das Grundverständnis für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz.

Bereits im Juni 2009 hat die KOSHA das veraltete Zertifizierungssystem grundsätzlich reformiert und an Stelle der ehemals 13 offiziellen Zertifizierungssysteme für unterschiedliche Produktgruppen ein einheitliches Vorgehen definiert und ein einheitliches Zertifikat geschaffen, mit dem tendenziell gefährliche Produkte gekennzeichnet werden müssen. Galt noch bis Ende Juni 2011 eine Übergangsfrist, dürfen seitdem nur noch Produkte auf den Markt gebracht werden, die das KC-Mark tragen. Durch die Einführung des KC-Mark haben sich die Bedingungen für produzierende Unternehmen deutlich verbessert, da sie nicht mehr aus über 140 Prüfzeichen das passende Zeichen herausfinden und einen hohen Aufwand für das Compliance Management betreiben müssen. Stattdessen können Hersteller sich direkt an ein akkreditiertes Prüfinstitut wenden, um die KC-Zertifizierung durchführen zu lassen.

Für viele Produkte verbindlich

Das KC-Mark ist für folgende Produktgruppen verbindlich:

  • elektronische Kabel und Stecker,

  • Schalter für elektronische Geräte,

  • Kondensatoren und Netzfilter, Komponenten- und Verbindungsteile für elektronische Einrichtungen,

  • Teile zum Schutz elektronischer Geräte,

  • abgeschirmte Transformatoren,

  • Haushaltswaren,

  • elektrisch angetriebene Werkzeuge,

  • Audio- & Videogeräte,

  • Ausrüstung im Bereich Informationstechnologien,

  • Beleuchtungseinrichtungen.

Alle Produkte, die unter das KC-Mark fallen, müssen von einem international anerkannten Prüfinstitut auf Sicherheit getestet werden. Zu den Prüfungen nach einschlägigen nationalen und internationalen Normen gehört auch eine Fertigungsstättenbesichtigung nach koreanischen Vorgaben sowie in den meisten Fällen eine Überprüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit.

Darüber hinaus gibt es für weitere Produktgruppen unterschiedliche Prüfzeichen: Für Maschinen ist das KCs-Mark (s für Safety) anzuwenden. Dieses Prüfzeichen stellt sicher, dass nur sichere Maschinen hergestellt und benutzt werden. Dabei wird nicht nur die korrekte Einhaltung internationaler Sicherheitsnormen geprüft, sondern auch die grundsätzliche Fähigkeit des Herstellers, eine gleichbleibende Qualität des Fertigungsprozesses zu gewährleisten. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Maschinen, Sicherheitskomponenten und persönliche Schutzausrüstungen in zwei Gruppen eingeteilt, die auch unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Zertifizierung bedingen: die Certification of Compliance (CoC) und die Declaration of Conformity (DoC).

Gyeongbokgung Palace, Seoul, South Korea

Südkorea ist ein attraktiver und wichtiger Markt für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer. Mit Firmen wie Samsung, LG und Hyundai ist das Land weltweit bekannt. Bild: robert cicchetti – Fotolia

Unter der CoC fallen Produkte, bei denen die Gefahr schon unmittelbar vom Prozess der Maschine ausgeht. Dazu gehören Pressen, Dampfkessel, Hebeeinrichtungen oder Handkettensägen. Zudem werden Komponenten zertifiziert, die für einen risikoarmen Betrieb unerlässlich sind, wie Überlastschutzeinrichtungen für Krane, Sicherheitsventile und Schutzeinrichtungen für Pressen. Ebenfalls fallen darunter persönliche Schutzausrüstungen, ohne deren korrektes Funktionieren die Arbeiter hohen Risiken ausgesetzt sind – wie Sicherheitsschuhe, Atemschutzmasken, Schutzhelme und -handschuhe. Zudem müssen sämtliche explosionsgeschützte Maschinen die Anforderungen der CoC erfüllen.

Diese sind höher als die Anforderungen für die DoC: Eine Fertigungsstättenbesichtigung ist unumgänglich und muss durch ein akkreditiertes Prüflabor durchgeführt werden. Diese Besichtigung ist wie das Zertifikat jährlich zu wiederholen beziehungsweise zu erneuern, wobei nicht der komplette Prozess erneut durchlaufen werden muss. Außerdem läuft das Zertifikat bei gleichbleibenden Produkten nicht ab. Unter der DoC sind industrielle Maschinen zusammengefasst, von denen dann Gefahr ausgeht, wenn Sicherheitstechnik in der Konstruktionsphase nur unzureichend eingeplant wurde oder sicherheitstechnische Komponenten ausfallen. Das gilt für Werkzeugmaschinen, Industrieroboter oder Fördereinrichtungen.

Zudem müssen Komponenten mit einer DoC zertifiziert werden, die primär im Fehlerfall eine risikomindernde Funktion haben und stärker auf Langlebigkeit und eine hohe Überlebenswahrscheinlichkeit ausgelegt sein müssen – etwa bei Schutzhauben oder Not-Halt-Einrichtungen. Auch alle Arten von persönlicher Schutzausrüstung, die nicht unter die CoC fallen, werden zertifiziert.

Zertifizierungspflicht individuell klären

Auf ihrer Internetseite hat die KOSHA mehrere Listen mit Produkten veröffentlicht, die allerdings nur als „Richtwerte“ und nicht als abschließende Aufzählung zu betrachten sind. Welche Ausführung des KCs-Marks auf welches Produkt angewendet werden kann, beziehungsweise ob ein Produkt überhaupt zertifizierungspflichtig ist, muss individuell geklärt werden. Zudem stellt die KOSHA auch Übersichten zur Verfügung, wie der Prüfablauf im Detail funktioniert und welche Anforderungen an die Prüfungen gestellt werden. Eine pauschale Aussage zum Prüfaufwand ist nicht möglich, weil der Prüfumfang je nach Produkt und Produktkategorie stark variiert. Für die Zertifizierung fordert KOSHA auch technische Unterlagen ein, wie Konstruktionspläne, Festigkeitsberechnungen, elektrische oder akustische Messprotokolle oder auch um komplette Einbau- und Explosionsdiagramme.

Vorrangig für Produkte, die nicht unter das KCs-Mark fallen, gibt es noch ein freiwilliges Prüfzeichen, das S-Mark. Damit können Hersteller nachweisen, dass ihre Produkte aufgrund ihrer konstruktiven Eigenschaften das Risiko von Arbeitsunfällen minimieren und in der Lage sind, gleichbleibend hohe Qualität im Fertigungsprozess zu gewährleisten.

Autor: Jan Christopher Rode, TÜV Süd Product Service