Sprache kann das Denken und somit Innovationsprozesse blockieren – oder vorantreiben. Bild: Pixabay

Was wollen die von mir? Sprache kann das Denken und somit Innovationsprozesse blockieren – oder vorantreiben. Bild: Pixabay

 
Formulierungen stimulieren das Gehirn, oder eben nicht. Das heißt, ein Ingenieur oder Konstrukteur mit Führungsverantwortung kann alleine durch die Wortwahl bei seinen Mitarbeitern zündende Ideen herbeiführen – oder Denkblockaden verursachen. Dies spricht dafür, die Bedeutung der Sprache in Innovationsprozessen genauer zu betrachten: Ein wesentliches Problem bei Innovationsvorhaben ist die Verknappung der Ausdrucksweise und damit die Verarmung der Sprache. Gerade bei Projektvorhaben und in Innovationsprozessen ist es üblich, den Status in Form von Präsentationen vorzustellen. Üblicherweise bedient man sich der Bulletpoint-Sprache: maximal sieben Worte pro Satz und sieben Aspekte als Aufzählungspunkte aufbereitet, gern auch knapper. Natürlich ist eine knackige Visualisierung von Kerngedanken förderlich für die Zuhörenden, die ja erreicht und überzeugt werden sollen, doch löst diese Effizienz- und Effektorientierung durch Stakkato-Präsentation in menschlichen Gehirnen eher den Wunsch nach einer umfassenderen Information aus.

Im Rahmen von Innovationsprozessen gibt es auf dem Weg von einer Idee hin zu realisierten Vorhaben viele Einfallstore, an denen sich entscheidet, ob Sprache wirkungsvoll eingesetzt wird, um Entscheidungsprozesse voranzubringen und Menschen auf dem Weg ins Neue mitzunehmen. Hier geht es nicht um Sprache im Sinne von Manipulation, sondern es ist leichter, Menschen auf dem Weg ins Neue mitzunehmen, wenn dabei einigen Gesetzmäßigkeiten gefolgt wird. Die folgenden fünf Schritte helfen dabei.

Erster Schritt: den Optimierungsbedarf entdecken

Dies beginnt mit der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit beim Entdecken von Optimierungsbedarf. Durch ein fokussiertes Sprechdenken können einem die verschiedenen Ansätze, was verändert werden könnte und sollte, bewusst werden. Beispielweise hätten die ausgesprochenen Gedanken „Also, das ist jetzt aber wieder nervig … schon wieder kein Kleingeld dabei, das ist ja unglaublich, dass ich jetzt hier nach Münzen rumkrame, warum kann man denn nicht …“ durchaus zur Entwicklung von aufladbaren Magnetkarten als Zahlungsmittel führen können. Diesen Effekt hat der renommierte Wissenschafter Isaac Asimov so formuliert: „Der aufregendste Ausspruch in der Wissenschaft, der neue Entdeckungen ankündigt, ist nicht ‚Eureka‘, sondern ‚Das ist aber komisch‘.“ Diese über Sprache deutlich gemachte Verwunderung ermöglicht ein konstruktives Infragestellen und damit das gedankliche Sprungbrett im Innovationsprozess.

Zweiter Schritt: Ziele definieren

Ein wichtiger Schritt im Innovationsprozess ist die Zieldefinition. Um den an der Lösungsfindung beteiligten Personen einen sicheren Einstieg zu bieten, kommt es darauf an, die Aufgaben so zu formulieren, dass sie einladend und nicht verwirrend wirken. Klare Formulierungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ohne Füllworte, ohne Konjunktive und ohne Superlative auskommen. Es soll der wünschenswerte Zustand formuliert werden, also lösungsorientiert, und keinesfalls der nicht-wünschenswerte, also problemorientierte Zustand. Weiter kommt es darauf an, dass das Wesentliche erfasst und in Worte gefasst wird. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Ein Unternehmen sucht neue Ideen für ein Kundenmailing, das per Post verschickt werden soll. Anstatt zu fragen: „Wie bekommen wir ein Mailing hin mit einer guten Rücklauf-Quote?“, sollte die Führungskraft ihren Mitarbeitern die Aufgabe so stellen: „Wie können wir erreichen, dass das Mailing informiert und gleichzeitig überrascht?“