Hanschlag mit Vertrag, Bild: Collage © sasinparaks/ © Blende11.photo - Fotolia.com/ke NEXT

Auch als in der Konstruktion und Konzeption von technischen Anlagen tätiger Ingenieur sollte man sich in kaufmännischen und vertraglichen Sachverhalten auskennen. Bild: Collage © sasinparaks/ © Blende11.photo - Fotolia.com/ke NEXT

Es ist oftmals die tägliche Praxis für Konstruktionsingenieure, in der Projektanbahnung und Projektabwicklung die kaufmännischen Dokumente beiseite zu legen und nur diejenigen Dokumente zu prüfen, welche „nach Technik riechen“. Dieses Vorgehen ist verständlich. Klar, für die kaufmännischen Belange gibt es ja den kaufmännischen Vertrieb oder den kaufmännischen Projektleiter. Oder stimmt das doch nur auf den ersten Blick?

Nehmen wir die Vertriebsphase. Der potenzielle Auftraggeber hat eine Anlage ausgeschrieben und diese technisch spezifiziert: Funktionen, Teilfunktionen, Anforderungen und einzuhaltende Normen. Es ließe sich annehmen, dass in diesem Dokument alle Informationen enthalten sind, die benötigt werden, um ein technisches Konzept für eine Anlage zu erstellen. Daraus wird ein Mengengerüst abgeleitet, hinter welches die „Kaufmänner“ dann nur noch die Zahlen schreiben müssen. Dieser Ansatz ist jedoch nicht richtig. Als erste und wichtigste Aufgabe zur Ermittlung der anzubietenden technischen Konzepte und Systeme ist es notwendig zu prüfen, wie die dem Konstruktionsingenieur vorliegenden technischen Spezifikationen des potenziellen Auftraggebers in den Gesamtzusammenhang des Vertrages einzuordnen sind.

Verträge im industriellen Projektgeschäft

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Innerhalb dieses Dokumentes wird festgelegt, wer mit wem einen Vertrag über die Beschaffung, Konstruktion, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme einer spezifischen Anlage schließt. Bild: © StockPhotoPro - Fotolia.com

Vertragswerke im industriellen Projektgeschäft bestehen zumeist aus vielen unterschiedlichen Vertragsdokumenten und sind hierarchisch aufgebaut. Diese Rangfolge der Vertragsdokumente wird überwiegend in einem Dokument festgelegt. Typische Bezeichnungen für dieses Dokument sind etwa Agreement, Contract, Contract Agreement oder Hauptvertrag.

Innerhalb dieses Dokumentes wird festgelegt, wer mit wem einen Vertrag über die Beschaffung, Konstruktion, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme einer spezifischen Anlage schließt. Weitere Angaben in diesem Dokument können die Instrumentarien zur Inkraftsetzung dieses Vertrags oder eventuelle Fertigstellungsfristen sein. Eine der wichtigsten Informationen für einen Konstruktionsingenieur in diesem Vertragsdokument ist jedoch jene, die verbindlich festlegt, in welcher Reihenfolge die einzelnen Vertragsdokumente gelten. Während der Vertriebsphase ist der Vertrag zwar noch nicht geschlossen, aber es besteht bereits ein Vertragsentwurf. In diesem Entwurf ist bereits die Rangfolge der Vertragsdokumente festgelegt. Hier sollte geprüft werden, ob in jedem Vertragsdokument Verweise auf technische Sachverhalte gemacht werden. Dabei muss auf den Rang geachtet werden. Denn ein Vertragsdokument mit einem höher festgelegten Rang hat Vorrang vor den Festlegungen in einem Vertragsdokument mit einem niedrigeren Rang.

Rechte und internationale Standards

Es ist gängige Praxis im Projektgeschäft, dass zum Beispiel im Vertragsdokument mit dem höchsten Rang festgelegt wird, welche Rechtsordnung für das Projekt gilt und welche internationalen Standards an die anzubietende Anlage anzulegen sind. Für die Erstellung des technischen Teils des Angebotes ist es für den Konstruktionsingenieur also unerlässlich zu prüfen, welche technischen Anforderungen in allen Vertragsdokumenten an die Anlage seitens des potenziellen Auftraggebers gestellt werden.

Idealerweise erfasst man diese in einer ebenfalls hierarchischen Tabelle und kennzeichnet darin eventuelle Widersprüche, die dann das Vertriebsteam mit dem Kunden klären muss. Auf Basis dieser Klärung ist vom Konstruktionsteam das „Statement of Compliance“ zu erstellen. Dies ist eine tabellarische Darstellung, mit welcher das eigene Unternehmen die Übereinstimmung der dem Auftraggeber angebotenen technischen Anlage mit den ausgeschriebenen Spezifikationen mitteilt.