Markus Jotzo, Bild: Jotzo

Markus Jotzo – Autor, Speaker und Trainer aus Hamburg – ist überzeugt: Jeder ist hundertprozentig selbst für die Qualität seiner Privat- und Berufswelt verantwortlich. Bild: Jotzo

Ihr drittes Buch heißt „Die Unendlich-Stolz-Formel“. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das zu schreiben?

Die Idee hatte ich schon vor vielen Jahren, sogar vor meinen anderen Büchern. Da sollte der Titel noch lauten: Der Feind des Großartigen ist das Gute. Denn wenn es uns gut geht, wenn wir einen guten Job haben, gutes Einkommen, eine schicke Wohnung, dann haben wir keinen Grund, etwas zu verändern. Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, die ihr Durchschnittsglück gefunden haben. Denen es gut oder sogar sehr gut geht, finanziell und in vielen Aspekten, aber die noch irgendein Brennen, irgendeine Leidenschaft in sich fühlen. Genau das hat mich damals auch selbst betroffen. Deswegen hatte ich mich vor elf Jahren selbstständig gemacht, obwohl ich meinen Job vorher geliebt habe.

Aber bloß, weil man nicht zu 110 Prozent zufrieden ist, muss man ja nicht gleich seinen Job hinschmeißen...

Nun, so ein Denkprozess muss ja nicht gleich einen Berufswechsel zur Folge haben. Es kann auch sein, dass man sein altes Mountainbike wieder hervorholt, sich engagiert als Ehrenamtlicher oder seine Leidenschaft zur Gärtnerei wiederentdeckt. Oft lassen wir uns von äußeren Einflüssen irgendwohin treiben. Eltern oder Freunde beeinflussen einen, oder man folgt dem Lockruf eines Berufs, von dem man weiß, dass man gut Geld verdienen kann. Aber vielleicht stellt man nach ein paar Jahren fest, dass es doch nicht die perfekte Leidenschaft ist.

Veränderung ist schön und gut, aber wo kommt nun der unendliche Stolz ins Spiel?

So richtig stolz sind wir, wenn wir etwas gemacht haben, wo widrige Umstände in der Gesellschaft, im Privatleben oder in unserer persönlichen Begabung zu überwinden waren. Dann laufen wir mit richtig breitem Grinsen durch die Gegend. Wenn wir etwas tun im Leben, was wir noch nie gemacht haben, es deswegen auch noch nicht können können, diese Überwindung des Widerstandes, des eigenen Schweinehundes, des gesellschaftlichen Umfeldes, des privaten Umfeldes, die macht uns stolz. Umso mehr, wenn wir dabei diese große Anziehungskraft des Durchschnittsglücks überwunden haben, es also aus eigenem Antrieb geschafft haben, und nicht weil wir mussten. Dann kann man unendlich stolz auf sich selbst sein, weil es schwierig war, nicht leicht.

Aber es ist doch so, dass, wenn etwas sehr schwierig ist, natürlich auch das Risiko besteht, dass es nicht klappt, dass man auf die Nase fällt. Warum sollte man so etwas tun?

Eine ganz wichtige Aussage des Buches ist: Wenn wir wirklich für etwas brennen, können wir nicht scheitern. Der Weg dorthin mag holprig sein, aber wenn wir wirklich voller Leidenschaft bereit sind, auch einen Preis zu zahlen – finanziell, zeitlich, emotional – dann wird es klappen. Ob das nachher genauso aussieht, wie man sich das vorgestellt hat, das ist am Anfang nicht immer abzusehen. Wenn jemand von seinem eigenen Café träumt, dann kann er es schaffen, aber vielleicht sieht es nachher anders aus, ist vielleicht in einer anderen Stadt, als er sich das ursprünglich mal gedacht hat. Wir fürchten uns vor dem Scheitern mit Recht. Aber ein Scheitern zwischendrin ist bei der richtigen Leidenschaft kein Scheitern, sondern ein Lernen, um mit diesen Erfahrungen dann die nächsten Schritte noch schlauer zu planen.

Ich bin ein phantasievoller Mensch und kann mir viel vorstellen. Wenn mich jemand fragt, könntest du dir vorstellen, diesen oder jenen Job zu machen, dann kann ich das. Woher weiß ich, dass mein neues Ziel wirklich etwas für mich ist?

Das Entscheidende ist an der Stelle, wirklich zu sagen, bin ich bereit, dafür auch einen Preis zu zahlen. Wenn es sogar um einen ganz neuen Beruf geht, erfordert das natürlich ganz viel Einsatz und Engagement. Ich muss ein Thema finden, wo ich nicht nur sage, das könnte ich mir ganz gut vorstellen, sondern wo ich wirklich bereit bin, auch einen Preis zu zahlen, oft einen finanziellen Preis, fast immer einen hohen zeitlichen Preis. Andere Sachen muss ich aufgeben. Joseph Schumpeter, der österreichische Nationalökonom, nannte das schöpferische Zerstörung.

Kann man vorher herausfinden, ob es sich wirklich lohnt?

Das ist eine gute Frage. Wenn man wirklich seiner Leidenschaft folgt, dann lohnt sich eigentlich schon der Weg. Wenn jemand jetzt entdeckt, dass er einen anderen Beruf wählen will, dafür aber nicht qualifiziert ist, dann entspricht ja alleine diese Entscheidung, das Literaturstudium, die Ausbildung, die man dann wahrscheinlich macht, der Austausch mit Leuten, die das heute schon tun, all das entspricht ja zu 100 Prozent der Leidenschaft dieses Menschen. Zugleich ist man in seiner Überforderungszone, was die beste Möglichkeit ist, über sich hinauszuwachsen. Insofern kommt der unendliche Stolz nicht erst am Ziel, sondern auch schon auf dem Weg dorthin.

Das Buch zum Autor

Wiley-VCH, Weinheim, 210 Seiten, Hardcover ISBN: 978-3-527-50886-0

Die Unendlich-Stolz-Formel

Unendlich stolz ist man, wenn man etwas getan hat, was man nie zuvor erträumt hat, nie zuvor gemacht hat. Es gehört Mut dazu.

Markus Jotzo fordert den Leser auf, seine Komfortzone zu verlassen und die normale Forderungszone zu überspringen – und sich direkt in die Überforderungszone zu katapultieren. Was einen da erwartet, ist schon eine Nummer aufregender: Der Leser soll dort seine eigenen Lebensträume, kleine oder große, die schon lange in ihm schlummern, ohne Umwege direkt in Angriff nehmen.

Anders gesagt: Er soll das tun, was er noch nicht kann. Und sich damit bewusst dem Scheitern aussetzen. Der Effekt: das schnellste Lerntempo, das möglich ist. Und am Ende: unbändiger Stolz.

Der Ratgeber von Markus Jotzo ist ganz und gar ungewöhnlich. Er geht über die gängigen Mut-Bücher hinaus. Radikal, erfrischend, gespickt mit Anekdoten und Geschichten. Die Unendlich-Stolz-Formel kann jeder erreichen, mit dem, was er nie zuvor gemacht hat.