Europa und Großbritannien, Bild: Pixabay.com

Der Brexit ist da - obwohl in einer aktuellen Umfrage die Hälfte der befragten Unternehmen damit gerechnet haben, haben sich nur 20 Prozent einen Notfallplan zurechtgelegt. Bild: Pixabay.com

Ob es zu einem Brexit kommt oder nicht, darüber waren sich die befragten Unternehmen uneins. 90 Prozent schätzten, dass britische Unternehmen von den Folgen stark oder sehr stark betroffen wären, während dies nur für ein Viertel der Firmen in Deutschland zuträfe. „Das Risiko für das eigene Unternehmen wurde unterschätzt“, erklärt Christof Sonderhauser, Projektleiter und Risikomanager bei h&z, und fasst damit die Ergebnisse der online-Umfrage zusammen.

Selbst wenn Lieferanten der ersten oder der zweiten Ebene direkt vom Brexit betroffen wären, beurteilten die Befragten die Auswirkungen auf ihr Unternehmen als mittel bis gering. Dabei sei die Vernetzung in vielen Bereichen zu groß, um sich in einer derartigen Sicherheit zu wiegen, gibt Sonderhauser zu Bedenken. Zumal Großbritannien beim Export für Deutschland der drittwichtigste Handelspartner ist; beim Import liegt das Land auf Platz sechs. Am stärksten würden die Brexit-Folgen die Bereiche Einkauf, Logistik und Vertrieb spüren, und das vor allem in Branchen mit starken Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland, also im Maschinen- und Anlagenbau, der Automobilindustrie, im Handel sowie in der Finanz- und Versicherungswirtschaft.

Dass unbewusst vermutlich mehr Unternehmen das Lieferantenrisiko vorher erkannt haben, zeigt die am häufigsten als wichtig erachtete Notfallmaßnahme: die Sicherung der Supply Chain. Dazu gehören explizit Re-Lokalisierung und Lieferantenwechsel. Das heißt, die Suche nach alternativen Lieferanten und das Hochfahren von Lagerbeständen sind für die Unternehmen wichtige Risikopuffer. „Eine Re-Lokalisierung unter klaren Risikogesichtspunkten reduziert die Auswirkungen, die Unsicherheiten und die Wirtschaftseinbrüche et cetera in einem Land auf das gesamte Unternehmen haben“, sagt Thomas Tapp, Senior-Projektleiter und Risikomanager bei h&z.

Risiken bestehen

Schon vor dem Entscheid zum Brexit, zeigten sich viele britische Unternehmen beim Kauf von Invesitionsgütern zurückhaltend. „Obwohl beim Brexits laut Lissabon-Vertrag eine zweijährige Übergangszeit für den Austritt vorgesehen ist, werden die Folgen deutlich früher spürbar sein“, folgert Tapp. Gut vorbereitet seien nun diejenigen Unternehmen, die nicht blind in die Situation reinliefen, sondern sich rechtzeitig entsprechende Maßnahmen zurechgelegt hätten.

Dazu gehört für h&z neben dem bereits angesprochenen Supply-Chain-Risikomanagement auch das Vertrags-Management und die Absicherung von Preis- und Währungsrisiken. Durch neue Zölle und Steuern erhöht sich beispielsweise der Preis von Waren mit entsprechenden Auswirkungen auf die erzielbare Marge. Gut gewappnet ist jetzt derjenige, der seine Verträge mit britischen Partnern unter anderem hinsichtlich einer einseitigen Vertragsauflösung prüft. Dabei helfen Härtefallklauseln die Mehrkosten bei einem Abbruch der Geschäftsbeziehungen zu vermeiden, indem sie unter gewissen Umständen eine Neuverhandlung der Vertragsbedingungen ermöglichen.

Ferner ist es sinnvoll, Währungsfragen über Zusatzklauseln in neuen Verträgen zu regeln. Gegen einen Absturz des britischen Pfunds, der für EU-Unternehmen zu Absatzeinbrüchen führen kann, sollten sich Firmen jetzt durch Maßnahmen wie zum Beispiel Kurssicherungsgeschäfte absichern.