Mann mit AR-Brille, Bild: AnyMotion

Das AR-Maintenance-System mit Datenbrille zur Unterstützung des technischen Servicepersonals in Windenergieanlage kam im Test bestens an. Die Bewertung der Techniker: „Praktisch und hilfreich!“ Bild: AnyMotion

Das Verbundvorhaben von BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik an der Universität Bremen, der Spezialist für virtuelle 3D-Dienstleistungen AnyMotion und der IT-Security-Spezialist COMback wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des "Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand" (ZIM) gefördert und von wpd begleitet. AnyMotion entwickelt und betreibt weltweit Windparks. wpd-Servicetechniker haben das AR-Maintenance-System im Einsatz getestet und als „praktisch“ sowie „hilfreich“ bewertet.

Über eine mit einem Assistenzsystem verbundene halbtransparente 3D-Datenbrille sehen die Träger neben der vor ihnen liegenden realen Umgebung in der Blickfeldanzeige der Brille auch virtuelle Einblendungen wie Wegbeschreibungen oder Technikdaten.

AR für die Instandhaltung nutzen

In der Logistik wird die Augmented Reality bereits vielfältig angewendet. Seit Langem forscht das BIBA auf diesem Gebiet. Nun kann AR auch Technikerinnen und Technikern der Instandhaltung die Arbeit erleichtern.

Das System hilft zum Beispiel bei der Navigation. So leitet es in den komplexen Windenergieanlagen (WEA) auf sicheren Wegen zu den Einsatzorten. Dort liefert es dann Informationen, die zur Erledigung der Wartungs- oder Reparaturaufträge erforderlich sind, und es hält dafür zum Beispiel technische Datenblätter parat. Über ein mit dem System verbundenen Tablet und per Handgesten lassen sich nach Bedarf auch weitere Informationen abrufen und in die Brille einblenden. Zudem ist es möglich, über sichere Online-Datenverbindungen externe Hilfe in Anspruch zu nehmen und zum Beispiel live Experten in aller Welt zuzuschalten. Sie können nach entsprechender Autorisierung Zugriff auf das System erhalten.

Darüber hinaus übernimmt das System zeitaufwendige und vielfach als lästig empfundene Dokumentationspflichten, denn über die Brille werden die Arbeiten erfasst und in das System eingespeist. Das Blättern in dicken Büchern mit eng beschriebenen Seiten entfällt, ebenso das mühsame Ausfüllen von Formularen.

Herausforderung Datenmanagement und IT-Sicherheit

Test AR-Maintenance-System, Bild: Sabine Nollmann
BIBA-Leiter Prof. Michael Freitag (rechts) testet mithilfe von BIBA-Wissenschaftler Abderrahim Ait Alla das AR-Maintenance-System. Bild: Sabine Nollmann

Eine große Herausforderung in dem Projekt lag im Management der sehr großen Datenmengen. Die Bewältigung dieser Aufgabe lag beim Projektpartner AnyMotion. „Zum Beispiel die Sicherstellung einer zuverlässigen und möglichst übersichtlichen Indoor-Navigation in den WEA und die Verwaltung sowie die Verfügbarkeit und der schnelle Transfer der sehr umfangreichen, vor Ort gebrauchten technischen Daten sind elementar für die Funktionsfähigkeit des Systems“, sagt AnyMotion-Geschäftsführer Frank Bischoff.

Ein hochsensibles Thema ist auch die IT- und Datensicherheit. Hier lag ein besonderer Fokus, und eine wichtige Aufgabe dabei bestand unter anderem in der Gestaltung der Schnittstellen. In dem Vorhaben dafür zuständig war Projektpartner COMback. „Wir mussten sicherstellen, dass alle Daten nur den Kunden oder ausschließlich von ihnen autorisierten Stellen zugänglich sind“, sagt COMback-Geschäftsführer Achim Issmer. „Die Daten müssen unabhängig von den Übertragungswegen sicher sein und gespeichert werden können.“

System einfach zu handhaben

Als „prima“ und „sehr einfach zu handhaben“ bewerteten WEA-Servicetechniker bei den Tests das System. Auch BIBA-Leiter Prof. Michael Freitag ist begeistert. Nach nur kurzer Einführung bewegt er sich bei der Abschlusspräsentation mit Helm und Datenbrille sicher durch den Raum. Am Helm befestigt – auch diese Konstruktion wurde in dem Projekt entwickelt – bereite die leichte 3D-Brille auch ihm als Brillenträger keine Probleme.

„Das ist erneut ein guter Beleg dafür, dass sich Arbeit mithilfe neuer Informations- und Kommunikations-Technologien leichter und effizienter gestalten lässt“, sagt Freitag und betont: „Es geht uns darum, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen und Arbeitsplätze zu sichern. Entwicklungen wie diese leisten einen Beitrag zur Stärkung deutscher Unternehmen im internationalen Wettbewerb.“

Oliver Klausch, Leiter des technischen Managements von wpd, bestätigt Freitags Aussage: „In der Windenergiebranche fehlt es permanent an hochqualifiziertem Servicepersonal. Das ist nicht nur ein deutsches Problem. Für die besonders zeit- und kostenintensiven WEA-Instandhaltungsservices bedarf es sehr vielfältig ausgebildeter Spezialisten mit zahlreichen Zertifikaten. Sie müssen sich in und mit den verschiedenen Anlagen jeweils bestens auskennen und vor Ort unter teils extremen Bedingungen oft alleine wichtige und kostenträchtige Entscheidungen treffen.Uns liegt daran, unsere stark beanspruchten Fachleute so gut wie möglich zu entlasten und mehr Mitarbeiter in die Lage versetzen zu können, Servicearbeiten in WEA durchzuführen.“

Großes Interesse in der Wirtschaft

„Das Interesse der Wirtschaft an dem System ist groß“, weiß BIBA-Projektleiter Moritz Quandt. „Unsere Forschungen waren darauf ausgelegt, das System auch in anderen Branchen nutzen zu können“, sagt er. Es gebe zahlreiche Anwendungsfelder und darüber hinaus etliche Optionen für die Ergänzung zusätzlicher Anwendungen. Nach der erfolgreichen Entwicklung des Demonstrators müsse das AR Maintenance System nun zunächst einmal zur Marktreife weiterentwickelt werden. Noch suchen die Projektbeteiligten hier nach einem geeigneten Partner. hei