Montage Schaltschrank, Bild: Schubs

Montage mit Stückliste: Welches Bauteil wohin gehört, steht zurzeit noch auf Papier. Bald projiziert ein Beamer jedes Teil direkt auf den Schaltschrank. Bild: Schubs

Komplizierte Aufbaupläne und gedruckte Stücklisten gehören bei Schubs bald der Vergangenheit an. Ein Beamer projiziert den Bauplan künftig direkt auf die Montageplatte des Schaltschranks. Der Werker nimmt sich ein Bauteil, hält es unter einen Scanner – und schon wird direkt im Schrank die Stelle angezeigt, an der er es befestigen muss. Für diese Arbeit sind weder technische Vorkenntnisse nötig noch eine lange Einarbeitung, ja nicht einmal Deutschkenntnisse. Die Mitarbeiter müssen keine Stücklisten mehr vergleichen und abhaken – das übernimmt der digitale Assistent. Der Computer erkennt auch, wenn ein Bauteil fehlt oder der Werker ein falsches Teil nimmt, das nicht in den Schaltschrank gehört. Fehler werden dadurch fast ausgeschlossen. So können auch ungelernte Arbeiter Schaltschränke montieren.

Inklusion im Schaltschrankbau

Beschriftung Sicherungskasten, Bild: Schubs
Ein Elektriker beschriftet einen Sicherungskasten. Bild: Schubs

Bei Schubs sind es 14 Menschen mit Behinderungen, die dauerhaft einen Arbeitsplatz in der Schaltschrank-Montage erhalten sollen. „Wir arbeiten seit über 20 Jahren mit Werkstätten für Menschen mit Behinderungen zusammen“, sagt Schubs-Geschäftsführer Axel Schulz. „Die Mitarbeiter sind sehr motiviert und loyal.“ Künftig sollen sie Aufgaben übernehmen, die bisher von Fachkräften erledigt werden. Denn ausgebildete Elektriker sind rar – Schubs hat längst mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Das digitale Assistenzsystem soll die Elektrofachkräfte entlasten, deren Arbeitskraft an anderer Stelle dringend benötigt wird. Bei Schubs schafft die Digitalisierung also zum einen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung und federt zum anderen den Fachkräftemangel ab, damit das Unternehmen auch in Zukunft wachsen kann.

Die Vision, Montageprozesse digital zu unterstützen, hatte Schulz schon vor Jahren. Für die Umsetzung bewarb er sich jetzt bei „Mit uns digital!“, dem Industrie-4.0-Zentrum für Niedersachsen und Bremen. „Allein hätten wir das kaum geschafft“, sagt Schulz. „Uns fehlte vor allem die nötige Zeit und Erfahrung im Umgang mit Programmiersystemen.“ Dank „Mit uns digital!“ bekam er Unterstützung: Ingenieure des Instituts für Integrierte Produktion Hannover (IPH)  entwickelten für Schubs einen Softwaredemonstrator, der sich intuitiv bedienen lässt, und stellten die Hardware zusammen. Sie besteht aus einem Computer mit Touch-Bildschirm, einem Scanner und einem Beamer samt Haltevorrichtung – mehr braucht es nicht für den digitalen Assistenten. Mit diesem simplen System kann Schubs nun schnell und relativ kostengünstig alle Arbeitsplätze ausrüsten.

Praxistaugliche Lösungen für Mittelstand entwickeln

„Wir versuchen, praxistaugliche Lösungen für den Mittelstand zu entwickeln, die sich leicht umsetzen lassen – ohne riesige Investitionen oder IT-Fachwissen in den Firmen“, sagt Sarah Uttendorf, Projektingenieurin am IPH. Den digitalen Assistenten könnten auch andere Unternehmen nutzen: „Nicht nur in der Montage, sondern zum Beispiel auch in der Kommissionierung.“

Kleine und mittlere Unternehmen erhalten von „Mit uns digital!“ kostenlose Unterstützung bei der Digitalisierung. Das Zentrum wird vom Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) und vom Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH) geleitet sowie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanziert. Das Team von „Mit uns digital!“ bietet regelmäßig Schulungen und Informationsgespräche an. Darüber hinaus begleiten die Experten ausgewählte Unternehmen bei der Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben. Kleine und mittlere Unternehmen aus Niedersachsen und Bremen können sich jederzeit mit ihrer Idee bewerben. Welche Projekte umgesetzt werden, entscheidet eine Jury. Weitere Informationen sowie die Bewerbungsunterlagen finden Sie hier. hei