Dikussionsrunde, Bild: IT meets Press

Die Teilnehmer an der IT-meets-Press-Runde auf der Cebit vor Fachjournalisten waren (sitzend von rechts) Michael Gerhards (Geschäftsführer Airbus Cybersecurity Deutschland), Süleyman Karaman (Geschäftsführer Colt Technology Services), Eckhard Schwarzer (stellvertretender Vorstandsvorsitzender, Datev), Dr. Rolf Werner (Vorsitzender der Geschäftsführung, Fujitsu), Lars Milde (Senior Marketing Manager Tableau Software), Andreas Zilch (Senior Vice President PAC) und Dr. Thomas Endres (Präsidium VOICE – Bundesverband der IT-Anwender). Bild: IT meets Press

Nachdem die Branche lange genug für die Digitalisierung getrommelt hat, bot die Cebit-Diskussionsrunde mit hochrangigen IT-Industrie-Vertretern die Chance, dem Megathema einmal auf den Zahn zu fühlen: Kann der Hype die Erwartungen erfüllen, oder macht die Branche nur viel Wind, während ihr die Ideen ausgegangen sind? Schon im Eröffnungsvortrag ließ PAC-Analyst Andreas Zilch keine Zweifel daran, dass richtig verstandene Digitalisierung ein neues Kapitel in der IT-Geschichte eröffnet. Als Paradebeispiel nannte er den Allianz-Konzern, der inzwischen mit einem jährlichen Digitalisierungsbudget von 600 Millionen Euro glänzt, zusätzlich zum IT-Budget von drei Milliarden Euro.

Was die Unternehmen aus solchen ambitionierten Initiativen machen, schilderte er am Beispiel des mittelständischen Armaturenherstellers Grohe und dessen Programm „Smart Grohe“. Dem Sanitärspezialisten gelang es mittels QR-getaggter Verpackungen, einen neuen, direkten Kanal zu den Handwerksbetrieben aufzubauen und so erstmals Daten über Ort und Art der verbauten Produkte beim Endkunden einzusammeln. Damit eröffnen sich auch ganz neue Vertriebswege am Großhandel vorbei, mit Margenzuwächsen für den Hersteller von 20 Prozent.

Andreas Zilch, Bild: PAC
Andreas Zilch, Senior Vice President PAC. Bild: PAC

Als weiteres Beispiel nannte er das Insurtech-Startup Catastrophe Solutions, das die Schadenerfassung für KFZ-Versicherer automatisieren möchte. Ein Fahrzeugscanner zur Massenerfassung lichtet vor Ort binnen drei Minuten ein Auto rundum ab und erzeugt automatisierte Gutachten bei Großschäden wie etwa Hagel.

Neben den Erfolgsbeispielen gebe es aber nach wie vor viele gescheiterte Digitalisierungsprojekte, so Zilch: „Viele Unternehmen schmeißen hier noch Geld aus dem Fenster. Wer braucht beispielsweise einen Durchlauferhitzer mit Internetradio? Ebenfalls verzichten können wir auf so manche digitalisierte Versicherungsangebote im Web, deren einziger USP zu sein scheint, dass wir alle geduzt werden.“

Digitalisierung = Kombination aus Produkten und Services

Eckhard Schwarzer, Bild: Datev
Eckhard Schwarzer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Datev. Bild: Datev

Einig war sich die Runde, dass Digitalisierung sich nicht an einzelnen Merkmalen oder „Features“ festmachen lässt, sondern in der Regel eine Kombination aus Produkten und Services darstellt. Oder wie es Eckhard Schwarzer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Datev, auf den Punkt brachte: „Früher haben wir Softwareprodukte für einzelne kaufmännische Prozesse angeboten, heute verkaufen wir Lösungen, in denen der Rohstoff IT ein zentraler Bestandteil ist.“ Er wies zudem darauf hin, dass die Anbieter bei allen Möglichkeiten, die die Digitalisierung eröffne, die große Mehrzahl der Unternehmen – die KMU – nicht vergessen dürfe. „Die können mit den IT-Branche üblichen Schlagworten oft nicht viel anfangen und müssen in ihrer Erlebniswirklichkeit abgeholt werden“, so Schwarzer.

Lars Milde, Bild: Tableau Software
Lars Milde, Marketing Manager von Tableau Software, Bild: Tableau Software

Zu den charakteristischen Entwicklungen der Digitalisierung gehört zum einen die wachsende Bedeutung der Datenbestände und deren Analyse. Die Analytics-Branche leistet hier einen erheblichen Beitrag, indem sie den Zugang zu Datenquellen aller Art vereinfacht und das Hantieren mit Daten erleichtert. In diesem Zusammenhang sprach Lars Milde, Marketing Manager von Tableau Software, vom anbrechenden Zeitalter der Datendemokratie: „Unternehmen sind schon gut im Datensammeln, aber es wird noch in abteilungsspezifischen Silos gehortet. Zukünftig muss die Weiterverteilung der Daten an die Anwender im Vordergrund stehen, um Mehrwerte aus den Datenschätzen zu erzielen und hier neue Geschäftschancen zu eröffnen.“

Süleyman Karaman, Bild: Colt Technology Services
Süleyman Karaman, Geschäftsführer bei Colt Technology Services. Bild: Colt Technology Services

In einem Atemzug mit der Digitalisierung wird meist auch die Cloud als zentrale Basistechnologie genannt. Süleyman Karaman, Geschäftsführer bei Colt Technology Services, lenkte dabei den Blick auf Fortschritte im Bereich Netzwerke, über die die Daten vom Kunden in die Rechenzentren und zurück transportiert werden. Gewünscht wird hierbei immer mehr Flexibilität, und dem kommen die neuesten Entwicklung bei den Software Defined Networks entgegen. „Die Anwender wünschen bei Cloud-Diensten heute mehr Freiheit in Sachen Datentransfer und Speichermengen. Die Netze müssen am Bedarf orientiert skalierbar sein, im Vordergrund steht das Prinzip Pay-per-Use.“