Professor Dr. Michael Waidner am Rednerpult, Bild: Hochschule Mittweida

Professor Dr. Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT, bei der Lernlabor-Eröffnung. Bild: Hochschule Mittweida

Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT und die Hochschule Mittweida haben heute ein neues Lernlabor Cybersicherheit eröffnet. Am Standort in Mittweida entwickeln die Partner Weiterbildungsangebote zu den Themen IT-Forensik und Automotive Security. Hier können Fachleute aus Wirtschaft, Industrie und Behörden ihr Wissen praxisnah verbessern und ausbauen.

Bei der Eröffnung waren neben Prof. Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer SIT und Sprecher des Center for Research in Security and Privacy (CRISP) in Darmstadt, und dem Hochschul-Rektor Prof. Ludwig Hilmer auch Gäste aus der Politik anwesend: der Sächsische Staatsminister des Inneren, Markus Ulbig, und Uwe Gaul, Staatssekretär im Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Innenminister Markus Ulbig: "Ich freue mich, dass nach der im August besiegelten Kooperation der sächsischen Polizei mit der Hochschule Mittweida das neue Labor gute Rahmenbedingungen für eine realitätsnahe Ausbildung von IT-Forensikern schaffen wird. Damit bringen wir die Computerexperten bei der Polizei technisch und taktisch auf Augenhöhe mit den Straftätern im wachsenden Feld der Internetkriminalität."

Spurensuche nach der Cyberattacke

Schwerpunktthema ist die IT-Forensik. Im Kern geht es um die digitale Spurensuche und Datenanalyse nach einem Vorfall, also beispielsweise nach der Attacke auf das Firmennetzwerk. Entscheidend ist eine Grundregel, die jeder Kriminalbeamte aus der beruflichen Praxis kennt: Bei der Untersuchung dürfen die Spuren nicht verändert oder beschädigt werden. "IT-Forensik ist wichtig für Wirtschaft und Gesellschaft, denn die entsprechende Fachkompetenz ist Grundlage für eine angemessene Reaktion auf Cybersicherheitsvorfälle sowie für die Aufklärung und Strafverfolgung von Cyberverbrechen", sagte SIT-Institutsleiter Waidner. "Die Hochschule Mittweida und das Fraunhofer SIT ergänzen sich im Bereich der IT-Forensik hervorragend".

"Mit dem Lernlabor wird eine interdisziplinäre Symbiose der Kompetenzen über Einrichtungsgrenzen hinweg geschaffen – ein Transfernetzwerk, das die Partner aus angewandter Forschung und Hochschule mit IT-Unternehmen, Behörden und weiteren Anwendern verknüpft. Die Fraunhofer-Gesellschaft bringt ihre Forschungskompetenz ein. Die Hochschule Mittweida hat in der angewandten Informatik mit den Teilgebieten IT-Forensik und IT-Sicherheit als Schwerpunkt in Forschung und Wissenstransfer besondere Stärken. Beide werden ihre Stärken in der Ausbildung hervorragend ausgebildeter Sicherheits- und Ermittlungsspezialisten weitergeben", erklärte Sachsens Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange.

Erfahrung im Bereich der Cybersicherheit

Das Fraunhofer SIT und die Hochschule Mittweida verfügen über Erfahrung und Expertise im Bereich der Cybersicherheit. Die Hochschule ist auch in der berufsbegleitenden Weiterbildung aktiv, beispielsweise im Rahmen von Fernstudiengängen oder mit Forensik-Weiterbildungen für Mitarbeitende der Ermittlungsbehörden, etwa aus den Staatsanwaltschaften, dem BKA oder den Landeskriminalämtern Sachsen und Thüringen. Das Fraunhofer SIT besitzt große Kompetenzen in der IT-Sicherheit und entwickelt seit Jahren Lösungen für Wirtschaft und Behörden.

Prof. Ludwig Hilmer am Rednerpult, Bild: Hochschule Mittweida
Prof. Ludwig Hilmer, Rektor der Hochschule Mittweida, bei der Lernlabor-Eröffnung. Bild: Hochschule Mittweida

Rektor Ludwig Hilmer zur neuen Zusammenarbeit: "Wir sind in der IT-Ausbildung und in der Kooperation mit staatlichen Stellen in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gewesen. Die Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft ist eine Bestätigung für die hervorragende Forschung unserer IT-Forensiker und wird sie noch weiter voranbringen."

Die Brisanz des Themas unterstreicht auch eine aktuelle Studie des Branchenverbands Bitkom. Demnach wurden in den vergangenen zwei Jahren mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland Opfer von Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl. Der Schaden wird auf rund 55 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, ein Anstieg um rund acht Prozent gegenüber der Studie vor zwei Jahren.

Nachholbedarf bei Security-Themen

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat frühzeitig auf die Bedrohungen aus dem Web reagiert und mit den Lernlaboren Cybersicherheit ein Konzept geschaffen, das Forschung und Vermittlung von IT-Know-how in praxisnaher Weiterbildung miteinander verbindet. Mit der Einrichtung in Mittweida sind inzwischen sechs Lernlabore mit Standorten in ganz Deutschland am Start. Jedes Labor setzt seinen eigenen Schwerpunkt. In ihrer Gesamtheit bilden sie die ganze Vielfalt der Themen ab, die zur IT-Sicherheit gehören.

Für alle behandelten Themen gilt: Es gibt einen hohen Nachholbedarf bei der Weiterbildung. Denn die Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen oder Behörden wurde zu einer Zeit ausgebildet, als Aspekte wie IT-Sicherheit oder IT-Forensik noch gar nicht auf dem Lehrplan standen.

Die Lernlabore der Fraunhofer-Gesellschaft und ihrer Kooperationspartner helfen, die Fachleute mit hochspezialisiertem und gleichzeitig praxisnahen Kenntnissen und Fähigkeiten auszustatten. Dies stärkt die Innovationskraft und digitale Souveränität am Wirtschaftsstandort Deutschland. hei