CNC-Fräsen, Bild: © dasglasauge - Fotolia.com

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erfindet sich gerade neu. Bild: © dasglasauge - Fotolia.com

„Aus einer Position der Stärke heraus gilt es für die deutschen Werkzeugmaschinenhersteller, die Veränderungen in den Märkten, bei den Kunden, der Technik und den Produkten zu nutzen, um neue Chancen für mehr Wettbewerbsfähigkeit zu generieren“, sagt Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des VDW, anlässlich der Jubiläumspressekonferenz in Frankfurt am Main.

400 geladene Gäste aus Industrie, Wissenschaft, Medien und Verbänden feierten mit einem Festakt und einem sommerlichen Festabend „125 Jahre VDW“ unter dem Motto verlässlich – dynamisch – wertvoll“.

„Die drei Attribute stehen für das Leistungsspektrum des Verbands und für die Themen, die er seit seiner Gründung im Dezember 1891 behandelt“, erklärt Prokop. Sie beschreiben das Aktionsfeld der Hersteller: Märkte – Maschinen – Menschen. Die intensive Auseinandersetzung mit diesen Themen habe die Erfolgsgeschichte der Branche begründet, so Prokop. Gleichzeitig leiten sich daraus die aktuellen Herausforderungen für die Firmen ab.

Wachstumsmarkt Asean systematisch bearbeiten

Eine der großen Aufgaben für die nahe Zukunft besteht demnach in der Erschließung neuer Wachstumsmärkte. Derzeit sei die Branche mit starken Verschiebungen in der Exportstruktur konfrontiert, analysiert der VDW-Vorsitzende. China, seit 2003 mit Abstand größter Exportmarkt für die deutschen Hersteller mit einem Anteil von zeitweise bis zu einem Drittel, verliert an Gewicht.

Die Hoffnung auf die Reindustrialisierung der USA mit hohen Investitionen in die Produktionstechnik blieb bisher in der Breite unerfüllt. Auch Russland, über viele Jahre drittstärkster Markt, wird diese Rolle in absehbarer Zeit nicht mehr einnehmen. Europa rückt daher wieder verstärkt in den Blickwinkel der deutschen Firmen, weil die europäischen Kunden mit hohen Qualitätsanforderungen im Weltmarkt konfrontiert sind und investieren.

Vielversprechend seien jedoch vor allem die Asean-Region und Indien. Sie bieten großes Potenzial für die Werkzeugmaschinenindustrie. Hier gelte es, die Kunden mit besseren Angeboten zu überzeugen und dem dort führenden Wettbewerber Japan konsequent Marktanteile abzuringen. „Das heißt mehr Engagement, mehr Präsenz, mehr Investitionen und gegebenenfalls auch mehr Kooperationen, im Fall, dass ein Mittelständler nicht alles Erforderliche allein stemmen kann“, sagt VDW-Vorsitzender Prokop.

Durch Vernetzung neuen Kundennutzen generieren

Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Bild: VDW
Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des VDW. Bild: VDW

Über 125 Jahre haben die deutschen Hersteller ihre Technik immer weiter entwickelt und optimiert. Deshalb stehen sie heute weltweit mit an der Spitze. Angesichts des hohen technischen Reifgrades der Maschinen besteht jedoch eine weitere Herausforderung in der Ausweitung des Dienstleistungsangebots mit verbessertem Kundennutzen. „Erfolgreich werden wir im Weltmarkt nur bleiben, wenn die Produkte weiterhin technisch führend sind und durch weiterentwickelte und zusätzliche Dienstleistungen ergänzt werden“, ist Prokop überzeugt.

Industrie 4.0 eröffnet dazu auf einmal gigantische Chancen. „Es geht darum, neuen Kundennutzen durch Vernetzung zu generieren. Wie im privaten Leben auch, können sehr viele Tätigkeiten vereinfacht oder sogar automatisiert werden“, weiß Prokop. Das Denken in Vernetzungslösungen sei für viele Unternehmen jedoch noch neu und benötige einen veränderten Blickwinkel.

Von der vertikalen zur horizontalen Sichtweise, heißt die Devise. Die Maschine darf nicht mehr allein im Fokus stehen. Vielmehr muss sie optimal in die Intralogistik eines Unternehmens eingebettet werden. Daraus entstehen Fragen: Wie kommen zum Beispiel die Werkstücke optimal in die Maschine? Wie geben die Maschinen den Werkstücken eine Identität, und wie reichern sie diese weiter an? Wie werden Werkstücke Aufträgen zugeordnet, verfolgt und jederzeit auffindbar?

Neue Maschinenkonzepte

Antworten darauf führen zu Angeboten und Dienstleistungen, die neuen Kundenutzen schaffen. Auch könnten völlig neue Maschinenkonzepte entstehen, neue Assistenzsysteme oder Lösungen für den Materialfluss und die Teileverfol-gung. Und wer könnte dies besser realisieren als die Werkzeugmaschinenher-steller, die mitten im Produktionsprozess zu Hause sind? „Ein großes Feld, das in Teilbereichen noch weitgehend brach liegt und die Kreativität der Hersteller massiv anspornt“, sagt Prokop.

Wie die Branche im Jahr 2041 aussehen könnte, dazu startet der VDW ab sofort einen Zukunftsdialog. Im Internet stehen Thesen über die künftige Entwicklung zu den Themen Märkte – Maschinen – Menschen zur Diskussion. Dazu können Interessenten und solche, die etwas zu sagen haben, ihre Meinung äußern, die Thesen kommentieren oder auch eigene Prognosen aufstellen.