iPhone mit Apps, Bild: Pixabay

Gefahrenquelle Smartpone: Besonders anfällig für Angriffe sind Hybrid-Apps, die auf unterschiedlichen mobilen Betriebssystemen laufen. Bild: Pixabay

Viele, auch seriöse, mobile Apps haben schwerwiegende Sicherheitslücken in der Programmierung, die Angreifer ausnutzen und somit große Schäden für Unternehmen anrichten können. Besonders anfällig für Angriffe sind Hybrid-Apps, die auf unterschiedlichen mobilen Betriebssystemen laufen. Das ist das Ergebnis des neuen Appicaptor Security Index des Fraunhofer SIT, der sich dieses Jahr besonders auf die Sicherheitsanalyse der Hybrid-Apps konzentriert.

Plattformübergreifende, also Hybrid-Apps, nutzen Webtechnologien wie HTML und JavaScript. Damit importieren sie auch die Sicherheitsnachteile dieser Technologien vom Browser in die Apps – wo sie ungleich gravierendere Schäden für Unternehmen anrichten können, da durch die App-Schnittstellen zum Betriebssystem auch weitere Unternehmensdaten und Sensoren aus dem Smartphone angreifbar werden. „Hybrid-Apps sind aufgrund des fehlenden Integritätsschutzes der Anwendungslogik für den Unternehmenseinsatz besonders kritisch zu sehen“, sagt Dr. Jens Heider, Leiter des Testlabors für mobile Sicherheit am Fraunhofer SIT.

Allerdings sind diese Apps bei Entwicklern sehr beliebt, da eine Anwendung nur einmal programmiert werden muss und dann plattformübergreifend läuft, was Zeit und Kosten sparen soll. „Wir haben eine Zunahme an verwundbaren Hybrid-Apps in den unterschiedlichen App-Stores festgestellt“, sagt Jens Heider.

Schwächen von JavaScript sind gefährlich

Blacklist Hybrid-Apps, Bild: Fraunhofer SIT
Geblacklistete Android-Top 2000-Apps nach Kategorien. Bild: Fraunhofer SIT

Darüber hinaus wird eine Untersuchung dieser Apps erschwert, da ein Mix aus JavaScript und nativem Code genutzt wird. „Gerade Schwächen von JavaScript-Code werden bei vielen App-Analysen häufig nicht ausreichend berücksichtigt.“, erklärt Jens Heider. Hier haben die Fraunhofer-Forscher ihre Analysemethoden erweitert und so angepasst, dass auch Hybrid-Apps automatisiert untersucht werden können.

Laut dem Appicaptor Security Index ist es zudem auffällig, dass Hybrid-App-Entwickler überwiegend auf die Nutzung bestehender Schutzmaßnahmen in ihren Apps verzichten und Bibliotheken mit bekannten Sicherheitslücken einsetzen – sei es aus Zeitdruck oder Unkenntnis.

Die Fraunhofer-Sicherheitsforscher haben jeweils die 2000 Top-Apps für die mobilen Betriebssysteme Android und iOS automatisiert untersucht. „Smartphone-Nutzer, die Apps mit einer schlechten Sicherheitsqualität nutzen, können über Schwachstellen dieser Apps Opfer von Angriffen Dritter werden, ohne explizite App-Malware installiert zu haben.“, erklärt Jens Heider. Dabei können Angreifer gravierende Schäden anrichten, je nachdem, über welche Berechtigungen die anfällige App verfügt: „Hat eine App etwa Zugriff auf Mikrofon und Dateisystem, kann eine seriöse Nachrichten-App zu einer Wanze umfunktioniert werden“.

70 Prozent der Apps nicht sicher genug

Geblacklistete iOS-Top 2000-Apps, Bild: Fraunhofer SIT
Geblacklistete iOS-Top 2000-Apps nach Kategorien. Bild: Fraunhofer SIT

Unter Android kann ein Angreifer in diesem Fall auch unbemerkt Inhalte wie interne Fotos oder vertrauliche PDF-Dokumente aus dem (externen) Dateisystem auslesen und in einen Cloud-Speicher des Angreifers kopieren. Laut Appicaptor Security Index sind zudem mehr als 70 Prozent der Apps zur Verwaltung von Dokumenten und Dateien nicht sicher genug, um in Unternehmen eingesetzt zu werden. So sind beispielsweise übermittelte oder gespeicherte Daten nicht hinreichend gegen den unbefugten Zugriff durch Dritte geschützt.

Auf der Messe it-sa vom 10. bis 12. Oktober 2017 in Nürnberg zeigen die Fraunhofer-Wissenschaftler in Halle 9, Stand 410 die App-Testlösung Appicaptor, mit der sie die Apps untersucht haben. Appicaptor scannt automatisch große Mengen von beliebigen iOS- und Android-Apps, untersucht sie auf IT-Sicherheit und Einhaltung von Datenschutzvorgaben und bewertet, ob sie für den Unternehmens- oder Behördeneinsatz geeignet sind oder nicht. Dabei arbeitet Appicaptor wahlweise mit Standardregeln oder gibt Empfehlungen entsprechend den individuellen Sicherheitsvorgaben und -anforderungen. Die Tests können automatisch wöchentlich wiederholt werden, sodass auch Änderungen bei sehr häufig aktualisierten Apps stets berücksichtigt werden können.

Das Fraunhofer SIT zeigt auf der it-sa außerdem Lösungen für mehr IT-Sicherheit in der digitalisierten Industrie sowie die „Volksverschlüsselung“, eine einfache Verschlüsselungshilfe für jedermann. hei