Kooperation, Bild: © FotolEdhar - Fotolia.com

Kooperationen zwischen Start-ups und Unternehmen sind für beide Parteien eine wichtige Chance für die Zukunft. Bild: © FotolEdhar - Fotolia.com

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass Großkonzerne und Start-ups Kooperationen wollen und diese auch aktiv forcieren. Nur drei Prozent der befragten Unternehmen und vier Prozent der Start-ups haben bislang noch nicht kollaboriert und wollen dies auch in Zukunft nicht.

Hauptantrieb für eine Zusammenarbeit sind eindeutig die erhofften Chancen von Kooperationen und weniger vermutete Risiken durch die neuen Marktteilnehmer. So sehen lediglich 20 Prozent der Unternehmen Start-ups als ernste Gefährdung für die eigene Unternehmung. Als Innovationsmotor und Ideengeber sind sie jedoch sehr gefragt. In der Praxis funktionieren bestehende Partnerschaften allerdings häufig nicht wie erhofft: Nur 30 Prozent der Unternehmen erreichen die gesetzten Ziele binnen zwölf Monaten, nahezu 40 Prozent erreichen diese nie. Hauptursachen für das Scheitern: Kulturelle Unterschiede und interne Widerstände im Unternehmen.

Kooperationen wollen gelernt sein

Dabei ist die Zusammenarbeit mit jungen Start-ups auch für große Unternehmen von höchster Wichtigkeit für den langfristigen Unternehmenserfolg (83 Prozent sehen diese als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ an). Die meisten Unternehmen sind jedoch noch nicht gewappnet für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Start-ups (nur 28 Prozent der Befragten sehen sich „sehr“ oder „extrem“ erfahren im Umgang mit Start-ups).

Start-ups haben ebenfalls große Erwartungen an Kooperationen. Dies ist insofern erstaunlich, da die Assoziationen der jungen Unternehmen zu den etablierten recht negativ sind. So fallen Start-ups in Bezug auf Großunternehmen als erstes Begriffe wie „langsam“, „bürokratisch“ und „groß“ (>60 Prozent) ein. Doch Start-ups haben längst die Möglichkeiten erkannt, die Kollaborationen mit Großunternehmen bringen (für 69 Prozent „sehr“ oder „extrem“ wichtig). Insbesondere europäischen Start-ups bieten Konzerne die Möglichkeit einer schnellen Skalierung im noch immer stark fragmentierten europäischen Markt.

Für die Zusammenarbeit bieten sich unterschiedliche Formen: Unternehmen bevorzugen Corp-Ups, also auf das Kerngeschäft fokussierte Zusammenarbeit wie gemeinsame Produktentwicklungen, Joint Ventures oder auch „normale“ Lieferantenbeziehungen (55 Prozent), Akzeleratoren/Inkubatoren (45 Prozent) und Venture Capital (41 Prozent). Start-ups bevorzugen Corp-Ups (63 Prozent) und Events (37 Prozent). Generell ist ein Trend von den Equitymodellen hin zu solchen, die sich unmittelbar auf der Umsatz- oder Profitseite erkennen lassen, zu beobachten.

Zusammenfassend hält Dr. Nicolai Schättgen, Managing Partner bei MMV, fest: „Start-ups haben zweifelsohne die Welt verändert, aber heute brauchen sie die Hilfe von Großkonzernen. Um erfolgreich zu sein, bedarf es Arbeit auf beiden Seiten. Konzerne brauchen klare Regelungen im Umgang mit Startups und sollten das Thema nahe am Kerngeschäft ansiedeln, wenn sie wirklich Impact genieren und nicht eine weitere Marketingmaßnahme starten wollen. Startups müssen sich deutlich besser auf eine Kollaboration mit einem Konzern vorbereiten und sollten sich bewusst sein, dass Konzerne langsamer sind und sein werden. Konzerne werden nie zu Startups werden, doch sie haben viele andere Stärken, die es besser zu nutzen gilt.

Innovationen brauchen neue Unternehmenskultur

Kooperationen und ihre Auswirkungen, Bild: MatchMaker Ventures
Sowohl Start-ups als auch Unternehmen gingen bisher zu 78 Prozent Kooperationen ein. Beide Parteien würden es auch wieder tun. Bild: MatchMaker Ventures

Damit zukünftig die Kollaboration die gewünschten Ergebnisse bringt, bedarf es auf Unternehmensseite der klaren Top-Managements Unterstützung, geregelter Verantwortlichkeiten und ausreichender Ressourcen. Notwendig ist zudem ein klares Verständnis, warum man mit Start-ups zusammenarbeiten will. Karim Taga, Partner und Leiter des globalen Geschäftsbereich Telecoms, Information, Media & Electronics (TIME) bei Arthur D. Little stellt heraus: „Die Förderung von Kollaborationen sollte auch in Großunternehmen zur Chefsache gemacht werden. Netzwerke und Kollaborationen werden insbesondere vor dem Hintergrund der Digitalisierung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Es gilt, Kompetenzen zu bündeln. Europas Unternehmer können in puncto Unternehmenskultur viel von den USA lernen. Neue Ideen müssen als Chance, nicht als Risiko erkannt werden. “

Start-ups sollten ebenfalls mehr Zeit darauf verwenden, die Rationale einer Kollaboration zu verstehen, sich besser vorbereiten und eine hohe Schmerzresistenz aufweisen.