Wissenschaftler am Zentrum für additive Fertigung, Bild: Ostfalia HS

Die Gründungsmitglieder des ZaF. Bild: Ostfalia HS

Unter additiver Fertigung versteht man die Herstellung von Objekten durch den schichtweisen Auftrag von Material, zum Beispiel Kunststoffe, Metalle oder auch Keramik. Im Vergleich zu verbreiteten konventionellen Fertigungsverfahren wie Drehen, Fräsen, Druck-/Spritz-Gießen benötigt man keine klassischen Werkzeuge oder Formen für die Herstellung, sondern kann direkt aus Computer-Modellen (3D-CAD) Produkte erzeugen. Insbesondere bei Einzelstücken oder Kleinstserien ist das sehr viel kostengünstiger und schneller. Zudem sind durch den schichtweisen Aufbau der Produkte Geometrien möglich, die mit konventionellen Verfahren nicht oder nur sehr aufwendig realisierbar sind. Neben dem intensiv diskutierten Einfluss auf die industrielle Produktion ergeben sich eine Reihe von Einflüssen und Anwendungsmöglichkeiten in den Lebenswelten der Gesellschaft.

Ob es darum geht, Ersatzteile für die eigenen vier Wände auf Bestellung zu drucken, personalisierte Süßigkeiten für einen Geburtstag in der heimischen Küche zu produzieren oder Alltagsgegenstände wie Handyschalen oder Modeschmuckartikel aus der „Cloud“ auf den Drucker zu schicken - all diese Dinge sind oder werden in naher Zukunft möglich und üblich sein und ebenso Einzug in die Haushalte finden, wie einst in den 80er Jahren der „Heimcomputer“.

Es sind noch viele Fragen zu klären

In der Medizintechnik werden „gedruckte“ Gipsschienen die Heilungsprozesse an Armen und Beinen unterstützen, spezielle, additiv gefertigte Prothesen der plastischen Chirurgie ganz neue Möglichkeiten eröffnen und den Zahnärzten die Fertigung von Inlays oder Kronen binnen weniger Minuten in der Praxis ermöglichen.

Schulen und auch andere Bildungseinrichtungen werden die additive Fertigung unmittelbar in der Lehre einsetzen können, um im Kunstunterricht neuartige Skulpturen oder Objekte zu fertigen oder um kurz vor der nächsten Unterrichtsstunde in Chemie noch schnell das Demonstrationsobjekt eines Moleküls zu drucken. Und selbst auf der internationalen Raumstation ISS hat der 3D-Druck schon Einzug gefunden und umkreist die Erde.

„Klingt in der Theorie zunächst sehr gut, ist aber praktisch vielfach noch nicht ausgereift. Es sind noch sehr viele Fragen zu klären“, sagt Prof. Dr. Andreas Ligocki, Gründungsmitglied ZaF.

Wie wird die additive Fertigung unser Leben verändern?

Was wird die additive Fertigung also mit uns anstellen? Kommt die Herstellung von Produkten wieder zurück in die Region, oder gar zurück ins eigene Haus? Wie wird insbesondere unsere ältere Gesellschaft auf diese neue Technologie reagieren können, wohingegen die jungen Menschen fast selbstverständlich mit der 3D-Druck-Technologie agieren? Wie verhält es sich mit Urheberrechten und Garantiefällen, wenn ein Ersatzteil oder ein Produkt unbekannter Herkunft aus dem Internet zum Einsatz kommt, oder noch viel schlimmer, gar versagt? Wie müssen die Lehre und der Technologietransfer auf diese neue Technologie abgestimmt werden? Müssen gar die bisherigen Konstruktionsregeln und -richtlinien neu überdacht werden, da die Produktion nun von der Konstruktion bestimmt wird und nicht mehr die Konstruktion von der Fertigungstechnik abhängig ist?

All diese Fragen sollen am neuen Zentrum für additive Fertigung der Ostfalia untersucht werden. 13 Professoren aus den Fakultäten Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Recht und Maschinenbau haben sich auf die Fahne geschrieben, mit dem fünften transdisziplinären Zentrum der Ostfalia die Bündelung von Forschungsaktivitäten aller, am ZaF beteiligter Fakultäten, innerhalb der Ostfalia voranzutreiben.

„Wir wollen im wahrsten Sinne des Wortes Druck machen“, sagt der frisch gewählte Vorstand des ZaF, bestehend aus Professor Dr.-Ing. Christoph Haats, Prof. Dr.-Ing. Andreas Ligocki und Professor Dr.-Ing. Achim Schmiemann „ Und als eines der ersten Zentren seiner Art die genannten Veränderungen in Gesellschaft und Industrie aktiv und maßgeblich mit begleiten.“ hei