Angesichts eines insgesamt schwachen Weltwirtschaftswachstums beobachten die Maschinen- und Anlagenbauer die Entwicklungen in drei Schlüsselländern mit besonderer Aufmerksamkeit. Zwar konnten die Exporte der Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres preisbereinigt noch um 0,8 Prozent auf 116 Milliarden Euro gesteigert werden. Für China erwartet der VDMA in diesem Jahr jedoch einen Rückgang der Ausfuhren um fünf Prozent auf 16 Milliarden Euro. Das Land bietet gleichwohl weiterhin große Chancen für den hiesigen Maschinenbau, der die steigenden chinesischen Anforderungen an Produktivität, Qualität und Ressourceneffizienz mit seinen Produkten und Lösungen bedienen kann. Rund 750 Tochterunternehmen oder Kooperationen von VDMA-Mitgliedsfirmen sind derzeit in China aktiv.

Im Iran wollen die Maschinenbauer aus Deutschland ihre traditionell guten Geschäftsbeziehungen wieder aufleben lassen, sobald die Sanktionen nach dem „Implementation Day“ gelockert werden. Für eine solche Belebung der Geschäfte muss die Bundesregierung nach Ansicht des VDMA allerdings die Personalstärke in der für Ausfuhren zuständigen Behörde Bafa erhöhen. „Die Behörde ist nach unseren Eindrücken schon heute überlastet“, mahnte Festge. Von den Banken erwartet der Verband, dass sie ihre restriktive Geschäftspolitik bei Zahlungen mit Iran-Bezug nun rasch ändern. Der VDMA wird seine Mitglieder vor Ort mit der Gründung eines VDMA-Büros in Teheran in der ersten Jahreshälfte 2016 unterstützen.

Das Geschäft mit Russland ist im abgelaufenen Jahr kräftig um 27 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro gesunken, allerdings konnten die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer ihren Marktanteil halten und bleiben wichtigster Technologielieferant. Die Konkurrenz aus China dagegen hat  Marktanteile verloren. „Wir akzeptieren selbstverständlich das Primat der Politik. Aber wir wünschen uns mehr Bemühungen seitens der Politik, die Sanktionen schrittweise wieder aufzuheben“, sagte der VDMA-Präsident.

Umsatz deutscher Maschinenbau, Bild: VDMA
Trotz Wachstumsstagnation prognostiziert der VDMA ein Umsatzwachstum im deutschenMaschinenbau auf 218 Milliarden Euro. Bild: VDMA

Industrie 4.0 und „Zukunft der Arbeit“

„Industrie 4.0 entscheidet sich im Maschinen- und Anlagenbau“, betonte Festge auf der Pressekonferenz. „Wir sind Anbieter und Anwender zugleich. Die Digitalisierung der Produktion - sowohl der Kunden als auch die eigene -  bietet dem Maschinenbau eine Perspektive, auch in zehn oder zwanzig Jahren noch führend auf dem Weltmarkt zu sein.“

Richtig sei, dass dabei teilweise einfachere Arbeitsplätze verloren gehen können. Aber eine zunehmende Automatisierung bringe nicht nur höherwertige Arbeitsplätze mit sich, sondern hat in der Vergangenheit stets auch für einen Stellenaufbau gesorgt. „Wir sind überzeugt, dass diese Erkenntnis auch für Industrie 4.0 zutrifft, wenn man am Ende einer Dekade Bilanz ziehen wird“, betonte der VDMA-Präsident. Wichtig dabei sei allerdings, dass Werk- und Dienstverträge weiterhin hinreichend flexibel genutzt werden können.

Der VDMA hat jüngst ein Competence Center Arbeitsmarkt mit dem Schwerpunkt „Zukunft der Arbeit“ gegründet, „weil wir der Überzeugung sind, dass sich auch auf diesem Feld der künftige Erfolg des Maschinenbaus entscheiden wird“, sagte Festge.

Bessere Integration von Flüchtlingen

Die Integration der Flüchtlinge gerade in den Arbeitsmarkt ist nach Ansicht der Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland eine Aufgabe, die einen langen Atem benötigt. Qualifikationen müssen in vielerlei Hinsicht erst erworben werden. Insbesondere die Frage der Sprachförderung könne nicht von der Wirtschaft gelöst werden, betonte der VDMA-Präsident. „Zudem brauchen wir einen Rechtsrahmen, der uns die aktive Integration in die Betriebe erleichtert.“ Dazu gehörten unter anderem:

  • deutlich beschleunigte Asylverfahren
  • Praktika für sechs Monate vom Mindestlohn befreien
  • Flüchtlingen mit Ausbildung in Deutschland die Möglichkeit für eine Anschlussbeschäftigung ohne zeitliches Limit geben
  • das Beschäftigungsverbot von Flüchtlingen in der Zeitarbeit vollständig abschaffen

Der jüngst zu Ende gegangene Klimagipfel in Paris hat einmal mehr die Notwendigkeit einer ambitionierten globalen Klimapolitik gezeigt. Der VDMA ist davon überzeugt, dass dies technologisch machbar und der Maschinen- und Anlagenbau Teil dieser Lösung ist.  Die Maschinenbauer setzen darauf, dass ihre Produkte und Lösungen weltweit verstärkt zum Einsatz kommen und investieren daher weiterhin signifikant in die Entwicklung von Klimaschutztechnologien.