Schiffsschraube, Bild: © Angelika Bentin - Fotolia.com

Die heutige Schifffahrt würde mit Methan als Treibstoff viel sauberer werden. Das synthetische Gas ist klimafreundlicher und nahezu feinstaubfrei. Bild: © Angelika Bentin - Fotolia.com

Wenn Kreuzfahrtschiffe, Frachter oder Fähren in See stechen, emittieren sie tonnenweise Schadstoffe. Schwefel- und Stickoxide, Partikel sowie Kohlendioxid belasten die Luft, gefährden das Klima und be-drohen die Gesundheit von Menschen weit über die großen Hafenstädte hinaus. Davor warnen Umweltschützer und Gesundheitsexperten immer wieder.

Selbst während der Liegezeiten im Hafen stoßen Schiffe massiv Abgase aus, wenn ihre Diesel-Generatoren den Strom an Bord erzeugen. Weil es billiger als Schiffsdiesel ist, treibt das noch wesentlich schadstoffreichere Schweröl die Motoren auf hoher See an – in Küstennähe ist es gemäß EU-Verordnung mittlerweile verboten. Unter den Giftstoffen, die sich in den schwarzen Schwaden verbergen, gelten vor allem die Rußpartikel als gesundheitsgefährdend. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Helmholtz Zentrums München, der Universität Rostock und weiterer Institute kommt zu dem Schluss, dass diese Partikel schwere Lungenkrankheiten auslösen können.

Luftverschmutzung durch die Schifffahrt

„Die Luftverschmutzung durch die Schifffahrt und die Folgen für Mensch und Klima wurden lange Zeit unterschätzt“, sagt Dr. Michael Specht, Wissenschaftler am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Rußpartikelfilter könnten das Problem kurzfristig eindämmen, wirkungsvoller sei jedoch, die schädlichen Kraftstoffe Schweröl und Schiffsdiesel durch sauber verbrennen-des,CO₂-neutrales Methan aus dem P2G-Verfahren zu ersetzen, erklärt der Leiter des ZSW-Fachgebiets „Regenerative Energieträger und Verfahren“.

Das P2G-Konzept sieht die Herstellung von Wasserstoff aus über-schüssigem Ökostrom mittels Elektrolyse vor. Dieser nachhaltige Wasserstoff lässt sich zusammen mit – vorzugsweise biogenem – Kohlendioxid zu Methan umwandeln, das sich im Erdgasnetz speichern oder aber direkt in Haushalten, der Industrie und als CO₂-neutraler Kraftstoff für Erdgasautos verwenden lässt.

Diese Option für eine klimafreundliche Mobilität hat das ZSW bereits im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte erfolgreich nachgewiesen und die Technologie gemeinsam mit Unternehmen zur Marktreife geführt. So haben die ZSW-Wissenschaftler mit ihrer langjährigen Forschung, Entwicklung und Demonstration von P2G maßgeblich zum Bau und Betrieb einer industriellen 6-Megawatt-Anlage im niedersächsischen Werlte beigetragen.

Liquefied Natural Gas

„Methan kann zu sogenanntem LNG, Liquefied Natural Gas, verflüssigt werden. Die Technik, um damit Schiffsmotoren und Bordstrom-Generatoren anzutreiben, ist vorhanden und wird in der Binnenschifffahrt bereits eingesetzt. Dabei werden so gut wie keine Feinstaubpartikel mehr ausgestoßen“, erklärt Specht.

Fossiles LNG bietet jedoch nicht die vom ZSW angestrebte Lösung. Denn einerseits kann beim Transport Methan in die Atmosphäre entweichen; zum anderen würde sich Europa, wie beim Erdöl, in eine starke Importabhängigkeit begeben. Mit Power-to-Gas indes lässt sich der Kraftstoff in Deutschland oder anderen europäischen Staaten herstellen – und dies auf ökologisch sinnvolle Weise.

„Wenn LNG auf erneuerbarem Strom basiert, werden Schiffe damit künftig kohlendioxidneutral und schwefeldioxidfrei fahren“, erklärt Specht. Andere Schadstoffe würden ebenfalls immens gesenkt. Ein Vergleich der IAV Gruppe (Oktober 2015) zeigt, dass ein Erdgasauto nicht nur 99 Prozent weniger Partikel, sondern auch 90 Prozent weniger Stickoxid als ein Diesel-Fahrzeug (Euro 6) ausstößt. Diese Werte sind laut Specht auch auf die Schifffahrt übertragbar.

Der Wirkungsgrad von Strom zu LNG beträgt heute etwa 50 Prozent. „Wir können dies in Kauf nehmen, sofern wir die Erzeugungskapazitäten für regenerativen Strom ausbauen und damit konsequent den Weg in ein postfossiles Zeitalter gehen“, sagt Specht. Die Kommission der Europäischen Union teilt offenbar Spechts Sichtweise: In ihrer am 20. Juli 2016 vorgelegten „Europäischen Strategie für Mobilität mit niedrigen Emissionen“ befürwortet sie den Einsatz von LNG und Power-to-Gas in der Schifffahrt sowie im LKW-Verkehr ausdrücklich.

Ein Tag bei der Meyer-Werft: Zu Besuch bei Ozeanriesen

  • Im April 2016 lieferte die Meyer Werft das 168.660 Bruttoregistertonnen (BRZ) große Kreuzfahrtschiff Ovation of the Seas in Bremerhaven an die amerikanische Reederei Royal Caribbean Cruises Ltd. mit Sitz in Miami ab. Bild: Meyer Werft

    Im April 2016 lieferte die Meyer Werft das 168.660 Bruttoregistertonnen (BRZ) große Kreuzfahrtschiff Ovation of the Seas in Bremerhaven an die amerikanische Reederei Royal Caribbean Cruises Ltd. mit Sitz in Miami ab. Bild: Meyer Werft

  • Die Schiffe der Quantum-Klasse, zu denen die Ovation of the Seas gehört, sind mit einer Abgasreinigungsanlagen, dem sogenannten Hybridscrubbern ausgestattet. Energieeffiziente technische Systeme, eine optimierte Hydrodynamik, Wärmerückgewinnung sowie ein äußerst effektiver Unterwasser-Anstrich oder ein energiesparendes Beleuchtungssystem mit LED-Beleuchtung führen zu erheblichen Energieeinsparungen. Bild: Meyer Werft

    Die Schiffe der Quantum-Klasse, zu denen die Ovation of the Seas gehört, sind mit einer Abgasreinigungsanlagen, dem sogenannten Hybridscrubbern ausgestattet. Energieeffiziente technische Systeme, eine optimierte Hydrodynamik, Wärmerückgewinnung sowie ein äußerst effektiver Unterwasser-Anstrich oder ein energiesparendes Beleuchtungssystem mit LED-Beleuchtung führen zu erheblichen Energieeinsparungen. Bild: Meyer Werft

  • Das Kreuzfahrtschiff, hat insgesamt 18 Decks und eine Vermessung von 168.660 BRZ. Mit 2090 Kabinen, die die bislang größten und vielseitigsten Kabinen auf den Schiffen der Reederei sind, bietet es bei Doppelbelegung Platz für 4180 Gäste. Bild: Meyer Werft

    Das Kreuzfahrtschiff, hat insgesamt 18 Decks und eine Vermessung von 168.660 BRZ. Mit 2090 Kabinen, die die bislang größten und vielseitigsten Kabinen auf den Schiffen der Reederei sind, bietet es bei Doppelbelegung Platz für 4180 Gäste. Bild: Meyer Werft

  • Brücken sind heutzutage riesige Schaltzentralen. Aber bereits beim Bau eines Schiffes schlägt die Komplexität zu: Im Vergleich zu anderen Industrien ist der Bau von Kreuzfahrtschiffen eine besonders komplexe Aufgabe. Weit mehr als 10 Millionen Einzelteile und Bauteilgruppen sind für ein Kreuzfahrtschiff von einer Werft zu verarbeiten. Im Vergleich dazu: Bei einem Airbus A380 sind es circa eine Millionen Teile und bei einem PKW etwa 10.000 Bauteile. Bild: Meyer Werft

    Brücken sind heutzutage riesige Schaltzentralen. Aber bereits beim Bau eines Schiffes schlägt die Komplexität zu: Im Vergleich zu anderen Industrien ist der Bau von Kreuzfahrtschiffen eine besonders komplexe Aufgabe. Weit mehr als 10 Millionen Einzelteile und Bauteilgruppen sind für ein Kreuzfahrtschiff von einer Werft zu verarbeiten. Im Vergleich dazu: Bei einem Airbus A380 sind es circa eine Millionen Teile und bei einem PKW etwa 10.000 Bauteile. Bild: Meyer Werft

  • Das Innere eines Kreuzfahrtschiffs ist nicht selten luxuriös. Bild: Meyer Werft

    Das Innere eines Kreuzfahrtschiffs ist nicht selten luxuriös. Bild: Meyer Werft

  • Der Bau des ersten Bauabschnitts des neusten Flottenmitglieds von Norwegian Cruise Line, der Norwegian Joy, hat im Frühjahr 2016 begonnen - Kiellegung war am 5. April 2016. Während der Feier wurde der Block 45 des 168.800 BRZ großen Schiffs in das überdachte Baudock II der Werft gehoben.Nach ihrer Fertigstellung tritt die Norwegian Joy im Sommer 2017 ihre erste Reise in China an. Als ein speziell für den asiatischen Markt entwickeltes Schiff wird sie ausschließlich für chinesische Reisende eingesetzt werden. Bild: Meyer Werft

    Der Bau des ersten Bauabschnitts des neusten Flottenmitglieds von Norwegian Cruise Line, der Norwegian Joy, hat im Frühjahr 2016 begonnen - Kiellegung war am 5. April 2016. Während der Feier wurde der Block 45 des 168.800 BRZ großen Schiffs in das überdachte Baudock II der Werft gehoben.Nach ihrer Fertigstellung tritt die Norwegian Joy im Sommer 2017 ihre erste Reise in China an. Als ein speziell für den asiatischen Markt entwickeltes Schiff wird sie ausschließlich für chinesische Reisende eingesetzt werden. Bild: Meyer Werft