Hafen in Hamburg, Bild: © imageteam - Fotolia.com

Die Schiffbau- und Offshore-Zulieferer sind zu über 50 Prozent auf die weltweiten Märkte außerhalb Europas angewiesen. Doch die Aufträge vor allem aus Asien bleiben aus. Bild: © imageteam - Fotolia.com

Der Markt konsolidiert sich durch internationale Zukäufe und Kooperationen auf allen Ebenen, neue Geschäftsmodelle entwickeln sich und treiben Innovationen und Entwicklungen in bisher unbekanntes Fahrwasser. "Das aus unserer Sicht positive und langfristig angelegte Engagement der - eigentlich auf den Betrieb von Schiffen spezialisierten - Genting-Gruppe als Schiffbauer in Deutschland zeigt auf, dass uns in den kommenden Jahren ganz neue Ideen und Formen des Zusammenspiels zwischen Betreibern, Werften und Zulieferern erwarten", erläutert Dr. Alexander Nürnberg, Vorstandsvorsitzender des VDMA – Marine Equipment and Systems. Auch andere global agierende Unternehmen sind in den vergangenen Jahren auf „Einkaufstour“ bei deutschen Zulieferern gegangen, um ihr Portfolio mit innovativer Technologie und Systemkompetenz zu ergänzen.

„Wir gehen zwar kurzfristig nicht von einer Verbesserung der Marktlage aus, stellen uns aber mittel- und langfristig wieder auf Wachstum ein. Internationale Investoren wie MacGregor (Finnland) oder SKF (Schweden) schätzen "Made in Germany" und entwickeln sich so zu maritimen Systemanbietern für etablierte wie neue Märkte in der zunehmend digitalen Schifffahrt“, ergänzte VDMA-Vorstand Martin Johannsmann. „Wir erwarten dadurch, unsere weltweit führende Rolle weiter zu stärken und auszubauen. Als Systemanbieter können wir pro-aktiv neue Ideen verfolgen, digital getriebene Geschäftsmodelle testen und sie früh gemeinsam mit den Kunden implementieren.“

Digitalisierung und Vernetzung

Alle Unternehmen der deutschen Schiffbau- und Offshore- Zulieferindustrie müssen die Digitalisierung und Vernetzung voranbringen. Denn die Orderzyklen werden kürzer und zugleich die Erwartungen an individuelle und schnelle Lösungen größer. „Industrie 4.0 ist in seiner Gesamtheit für die maritime Industrie ein Muss, um sich weiter im globalen Wettbewerb zu behaupten und mit neuen Ideen Marktanteile zu gewinnen“, ist sich Johannsmann sicher.

Neue Produkte mit immer mehr Digitaltechnik entstehen und vernetzen die Schifffahrt mit der gesamten Logistikkette. Prozesse mit bisher ungeahnten ökologischen und ökonomischen Vorteilen werden entstehen. Das gilt ebenso für die zunehmend digitale Produktion am Standort Deutschland, die bestehende Arbeitsplätze sichert und neue schafft.

Ausbau neuer Dienstleistungsangebote

Dreh- und Angelpunkt der modernen Seeschifffahrt wird mehr und mehr die Verfügbarkeit des Transportmittels Schiff. Die deutschen Anbieter punkten hier mit langfristigen Service-Angeboten und verlässlichen Zusagen über den gesamten Lebenszyklus. Die Branche nutzt hierbei den engen Kontakt zu den Reedern, um deren Schiffe über die gesamte Lebenszeit ökologisch und ökonomisch auf den neuesten Stand der Technik zu bringen und so die Rentabilität zu gewährleisten. Auch hier eröffnen sich vollkommen neue digitale Geschäftsmodelle.

Kooperation und Systemkompetenz sind dabei Schlüssel zum dauerhaften Erfolg. „Passgenaue Systeme mit dem Kern-Know-how der Produktion, des Betriebs und der Instandhaltung zu liefern, ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil, der gerade durch größere, intelligent zusammengestellte Firmengruppen oder Kooperationen ermöglicht wird“, erläuterte Nürnberg.

In den Unternehmen der Branche nimmt der Anteil der Software-Ingenieure kontinuierlich zu. Herausforderungen und Chancen in der maritimen Industrie entstehen bei der Integration von Mechanik, Elektrotechnik und Software in internen oder externen Entwicklungsteams. Erfolgreiche Teams „sprechen eine Sprache“.

Die Art und Weise der gemeinsamen Aus- und Weiterbildung und das kontinuierliche Lernen im Berufsleben wird sich durch die neuen Methoden des Umgangs mit Wissen in der digitalen Industrieumgebung weiter verändern. Faktenwissen wird unwichtiger, Kombinationsgabe, Datenrecherche und deren Umsetzung immer wichtiger. Dazu benötigt die Branche natürlich die „richtigen Köpfe“. In den sich schnell wandelnden produzierenden Unternehmen der Schiffbau- und Offshore- Zulieferindustrie ist Nachwuchsgewinnung daher eine existenzielle Aufgabe für die Unternehmensleitungen. hei

Kennzahlen zur Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie in Deutschland

Beschäftigte: 67.000 Mitarbeiter
Umsatz (2015): 11,7 Milliarden Euro ;
Exportquote: 79 Prozent

Auftragseingänge weltweit gesunken: Betrug das Wachstum der Auftragseingänge 2014 noch Plus 4,3 Prozent, wird für 2015 ein Minus von 7,5 Prozent verzeichnet.

Exportmärkte verschieben sich: Asien bleibt mit 37 Prozent Anteil weiterhin der wichtigste Absatzmarkt für die deutschen Zulieferer (Vorjahr 46 Prozent). Allein in China wurden 2015 knapp zwei Milliarden Euro umgesetzt, das sind knapp 22 Prozent des Auslandsumsatzes (Vorjahr 27 Prozent). Das EU- Ausland mit gut 30 Prozent verzeichnet ein leichtes Wachstum. Deutliches Wachstum gibt es in Nordamerika und im Nahen und Mittleren Osten. Große Erwartungen richten sich auch auf den Iran. Das Volumen in diesen Neuen Märkten wird aber auf keinen Fall die Verluste in etablierten Märkten kompensieren.

Schiffsneubauaufträge auf niedrigem Niveau: Im ersten Quartal 2016 wurden weltweit 172 Seeschiffe mit 6.759,1 Mio. BRZ bestellt (I. Quartal 2015: 425 mit 15.105,6 Mio. BRZ), davon 35 (149) in China, 8 (50) in Südkorea, 53 (103) in Japan, 5 in Brasilien (0) und 23 (49) in der EU-28, davon 1 (0) in Deutschland. Der weltweite Auftragsbestand an Schiffen liegt zum I. Quartal 2016 bei 5.807 (6.217) Einheiten.