Meeting am PC, Bild: Pixabay

Die Personalberatung SThree befragte mehr als 1.164 Teilnehmern zu aktuellen Arbeitssituationen und Vorstellungen der Arbeitswelt. Die Ergebnisse zeigen: Präsenzkultur entspricht nicht der Wunscharbeitswelt der Menschen in Deutschland, ist jedoch oft Realität. Bild: Pixabay

73 Prozent der Berufstätigen in Deutschland würden sich ihre Arbeitszeit gerne komplett frei einteilen. Auch wenn dies bedeutet, spätabends oder am Wochenende zu arbeiten, dafür aber zu anderen Zeiten frei zu haben. „Die Berufstätigen wünschen sich, bei den Arbeitszeiten mitzureden. Viele Unternehmen bieten bereits verschiedene Arbeitszeitmodelle an und profitieren davon. So steigern sie ihre Attraktivität als Arbeitgeber und fördern die Mitarbeiterzufriedenheit, ohne dafür ein großes Investment zu erbringen. Letztlich muss natürlich immer abgewägt werden, in welchen Branchen und Tätigkeiten eine zu hundertprozentig flexible Arbeitszeit sinnvoll und realisierbar ist“, sagt Luuk Houtepen, Director Business Development bei SThree.

Arbeiten, trotz Krankheit, selbstverständlich

Egal ob Erkältung, Rücken- oder Kopfschmerzen: 71 Prozent der Umfrage-Teilnehmer arbeiten trotz Krankheit – entweder aus dem Homeoffice oder sie kommen ins Unternehmen. Und das, obwohl es scheinbar nicht erwartet wird. Denn laut 72 Prozent ist es für die Anerkennung des Chefs nicht wichtig, im Krankheitsfall zu arbeiten. Die Hauptgründe, warum sich ein Großteil dennoch krank zur Arbeit schleppt: Die Aufgaben würden sonst liegen bleiben und wären zeitlich nicht machbar (42 Prozent) sowie die Eigenmotivation (31 Prozent). Dabei sind sich die Berufstätigen der negativen Folgen bewusst, die ihr Verhalten mit sich bringt. Hierzu zählen die Gefahr, Kollegen anzustecken (77 Prozent), verzögerte Genesung (74 Prozent) und geringere Arbeitsqualität (22 Prozent).

Richtig durchgesetzt hat sich das Homeoffice in Deutschland noch nicht: Nur zwölf Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen die Befragten zu Hause. Das reicht vielen nicht; 39 Prozent würden lieber häufiger fern des Büros arbeiten. Dabei beurteilen die Arbeitnehmer das Thema durchaus ambivalent. Zu den Top zwei der positiven Auswirkungen zählen effektiveres Arbeiten (55 Prozent) und stärkere Motivation, wenn der Wunsch nach Homeoffice erfüllt wird (54 Prozent). Die Gefahr von Einzelkämpfern im Homeoffice sehen 68 Prozent nicht. Eine negative Auswirkung ist ein schlech-ter Informationsfluss (51 Prozent). „Die Wunscharbeitswelt der Menschen in Deutschland verdeutlicht: Immer weniger haben Lust auf eine Präsenzkultur. Und mit den richtigen Strukturen für das Homeoffice profitieren Mitarbeiter und Unternehmen davon – keine langen Anfahrtszeiten, eine bessere Work-Life-Balance und motiviertere Angestellte“, sagt Houtepen.

Die fleißigen Deutschen: Klischee oder Realität?

„Verantwortungsbewusst, eigenmotiviert, ausgelastet – drei Schlagworte, mit denen sich die Arbeitsweise von Freelancern und Festangestellten in Deutschland beschreiben lassen. Die Umfrage-Ergebnisse zeigen, dass es für 53 Prozent aller Befragten selbstverständlich ist, Überstunden, respektive Extrastunden bei Freiberuflern, zu leisten, um alle Projekte zu erledi-gen“, erläutert Luuk Houtepen.

Auch wenn es bei der Arbeit mal ruhiger zugeht, suchen sich 65 Prozent weitere Aufgaben und 20 Prozent fordern von ihren Vorgesetzten zusätzliche ein. Die Konsequenz: Langeweile bei der Arbeit scheint kein Problem der befragten Freelancer und Ange-stellten in Deutschland zu sein. So sehen 67 Prozent kein Risiko für das Boreout-Syndrom, den Zustand dauerhafter Unterforderung im Arbeitsleben. hei