20. Deutsch Norwegisches Energieforum in Berlin, Bild: Innovation Norway

20. Deutsch Norwegisches Energieforum in Berlin. Bild: Innovation Norway

Unter anderem ging es bei dem Treffen auch um die notwendigen politischen Rahmenbedingungen und die Macht der Konsumenten bei der Energiewende. Entscheidungsträger aus deutschen und norwegischen Unternehmen trafen sich auf Einladung der Königlich Norwegischen Botschaft und Innovation Norway, um angesichts des sich rasant wandelnden Marktes Aspekte einer europäischen Energiepolitik nach den Vorgaben des Klimaschutzabkommens von Paris zu erörtern.

Die unternehmerische Verantwortung für ein Gelingen der Klimawende nach der Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens nehmen deutsche und norwegische Unternehmen gleichermaßen ernst. Konsens bestand auf der Konferenz darin, dass erneuerbare Energien dann fließen, wenn die Märkte funktionieren. Voraussetzung dafür seien ein ausgewogener Energiehandel über nationale Grenzen hinweg, einheitliche Regeln für Investitionen in Energieeffizienz, die schnelle Umsetzung neuer digitaler Möglichkeiten und die Einbindung von Verbraucherwünschen.

Kontrovers blieb die Diskussion hinsichtlich der Notwendigkeit staatlicher Anreize, um Unternehmen verstärkt zu Investitionen in erneuerbare Energien zu motivieren und die hohen Kosten für die Energiewende zu tragen. Dagegen spräche die klare Verantwortung der Industrie für den Klimaschutz. Elmar Reni Holmen, Political Advisor im norwegischen Ministerium für Petroleum und Energie, betonte in seiner Eröffnungsrede vor 160 Teilnehmern die enge Kooperation zwischen Norwegen und Deutschland im Energiesektor. Für das Erreichen der in Paris festgelegten Ziele spiele Erdgas eine wichtige Rolle. Das Land Norwegen deckt nahezu 50 Prozent des Gasbedarfes in Deutschland und 25 Prozent der europaweit benötigten Gasmenge ab.

Dr. Barbara Praetorius, Stellvertretende Direktorin von Agora Energiewende, entwarf in ihrer Keynote die Koordinaten einer sinnvollen Klimapolitik, in deren Zentrum die Photovoltaik eine zentrale Rolle spielen werde. Sonnenenergie sei bereits heute ebenso günstig wie Atomkraft oder Kohle. „Yes, we can!“, konstatierte die Wissenschaftlerin anhand der Ergebnisse eigener Studien im europäischen Raum: „Wir haben weltweit ausreichende Ressourcen an Erneuerbaren Energien, um die Klimaziele zu erreichen.“

Bei der anschließenden Diskussionsrunde stellten die Unternehmensvertreter ihre Aktivitäten und Strategien zum Erreichen der Klimaziele vor. Damit verbunden wurde diskutiert, wie weit staatliche Subventionen maßgeblich für die Umwandlung des Energiemarktes seien. Auke Lont, Vorstandsvorsitzender des norwegischen Netzbetreibers Statnett, setzt für sein Unternehmen auf drei strategische Bereiche, um die Versorgung mit erneuerbaren Energien für die Zukunft abzusichern: Funktionierende Märkte, den Zusammenschluss intelligenter Netze und den Ausbau digitaler Technologien. Dr. Karsten Wildberger, Mitglied des Vorstands und Chief Markets Officer bei E.ON SE, betonte ebenfalls die Rolle intelligenter Verteilernetze und ergänzte eine verstärkte Orientierung am Kunden, für den erneuerbare Energien auch emotional immer wichtiger würden.

Volker Backs, Senior Vice President Sourcing, Rolled Products Norsk Hydro, hielt fest, dass ein freier globaler Energiemarkt das Ende der fossilen Energien mit sich bringen werde, weil die erneuerbaren Energien immer günstiger würden. In diesem Sinne plädierte er für eine offene europäische Marktpolitik. Auguste Willms, Mitglied des Vorstands der Wacker Chemie AG, sprach sich für eine stärkere globale Steuerung der Wettbewerbsbedingungen im Energiesektor aus. Da Strom für Wacker Chemie, einen der größten Stromabnehmer Deutschlands, ein hoher Kostenfaktor sei, werde verstärkt in die Erforschung energieeffizienter Produktionsweisen investiert. Vorteile werden aber aufs Spiel gesetzt, da im Energiehandel keine einheitlichen Preise für den Ausstoß von CO2 gelten. Insofern plädierte er für eine weltweite Gleichbehandlung von Unternehmen durch einheitliche Emissionspreise.

Nur durch Innovation und die Entwicklung neuer Technologien sei eine effizientere Nutzung von Energie gewährleistet, betonte Jan Karl Karlsen, Vice President von Statoil. „Am Scheitelpunkt einer sich verändernden Industrie“, sieht Dr. Andreas Schröter, Executive Vice President von DNV GL Energy, die Energiewirtschaft. Unternehmen seien, schon um die sich verändernden Wünsche der Verbraucher zu erfüllen, aufgerufen, verstärkt in Innovationen zur Nutzung erneuerbarer Energien zu investieren. ­ Wie wichtig ein schnelles Umdenken in Unternehmen sei, betonten auch Jørgen Kildahl und Eimund Nygaard, Vorstandsvorsitzende des norwegischen Energieversorgers Lyse AS. Für traditionell arbeitende Unternehmen bedeute die Energiewende einen Bruch. Erfolgreich sei, wem es gelänge, dynamisch neue Geschäftsfelder zu erschließen: „Die Zeit für eine langfristige Planung ist seit zehn Jahren vorbei“, so Nygaard. Bei einer Umsetzung der Energiewende sei eine starke unternehmerische Führung gefragt, die rasch Entscheidungen träfe.

In ihrem Schlusswort lobte Elisabeth Walaas, Botschafterin Norwegens in Deutschland, das Energieforum als „einzigartige Gelegenheit zum Austausch“ in Fachkreisen und wertvolle Gelegenheit, Protagonisten des Energiemarktes zu versammeln. jl