Schiff, Bild: Pixabay

VDMA sieht für die maritime Zulieferbranche einen Silberstreif am Horizont. Bild: Pixabay

"Unsere High-Tech-Branche mit ihren über 65.000 Beschäftigten hat die Talsohle der Auftragseingänge noch nicht erreicht, ein Silberstreif am Horizont ist aber zu erkennen. Das liegt zum einen an der Flexibilität der Schiffbau- und Offshore-Zulieferer, zum anderen an den sich jetzt abzeichnenden guten Konjunkturdaten aus dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau", erklärt Dr. Alexander Nürnberg, Vorstandsvorsitzender VDMA Marine Equipment and Systems. "Insgesamt hat der Maschinenbau seine Prognose für die reale Maschinenproduktion 2017 auf plus 3 Prozent erhöht. Davon ist der maritime Bereich im Mittel allerdings weit entfernt. Zwar ist der Umsatz im vergangenen Jahr nur leicht auf 11,1 Milliarden Euro gesunken, dem steht aber ein signifikanter Rückgang im Auftragseingang von 14 Prozent gegenüber. Auch für 2017 können wir für die gesamte Branche keine deutliche Besserung erkennen", sagt Nürnberg.

Einzelne maritime Märkte und Segmente blicken jedoch durchaus positiv voraus: Im Bereich der Fährschiffe besteht kurz- und mittelfristig große Nachfrage, ebenso bei Systemen und Komponenten aus der Elektrotechnik, die im Rahmen der fortschreitenden Automatisierung enorme Bedeutung für einen reibungslosen, effizienten Betrieb von Schiffen und Anlagen haben. "Mittelfristig werden sich hoffentlich die erfreulichen Konjunkturentwicklungen des Maschinenbaus auch auf den gesamten maritimen Bereich positiv auswirken", betont Nürnberg.

Unterdessen konsolidiert sich der Schifffahrtsmarkt weiter, neue Geschäftsmodelle verändern die Angebotssituation und bisher etablierte Modelle verlieren an Bedeutung. "Die wachsenden digitalen Möglichkeiten gilt es, intelligent im Zusammenspiel zwischen Betreibern, Werften, Zulieferern und darüber hinaus zu nutzen", erläutert Martin Johannsmann, Vorstand im VDMA Marine Equipment and Systems. "Branchenübergreifend voneinander lernen" ist dabei die Devise der Komponenten- und Systemanbieter, deren Lösungen nicht nur im Schiffbau, sondern auch im angrenzenden maritimen Umfeld wie Logistik, Hafentechnik und Energie gefragt sind.

Digitale Lösungen auf hoher See

Viel wird derzeit über Industrie 4.0 gesprochen, die Umsetzung und gewinnbringende Anwendung der vernetzten Produktion und Services stellt viele Unternehmen aber vor beachtliche Hürden. In der maritimen Wirtschaft geht dieser Prozess schnell und kontinuierlich voran. "Wir liefern heute aus den Daten der verschiedensten Sensoren an Bord wichtige Informationen für die gesamte Schifffahrt", erläutert Martin Johannsmann ein neues Geschäftsmodell aus seinem betrieblichen Umfeld. "In Finnland ist bereits die autonome Entladung von Frachtschiffen aus dem Forschungsstadium heraus und die Erprobung eines Prototypen hat begonnen, dank integrierter Systeme unserer Unternehmensgruppe", ergänzt Alexander Nürnberg.

Darüber hinaus liefern Hafenkrane deutscher Hersteller weltweit Informationen nicht nur zum Betriebszustand und zur Leistungsoptimierung, sondern auch zum Zustand der Ladung und kooperieren dabei mit vor- und nachgelagerten Logistiksystemen. "Wer hier nicht dabei ist, wird zu den Verlierern der Digitalisierung gehören", warnt Johannsmann. Auch in der Produktion maritimer Technologien sind Wettbewerbsvorteile durch intelligente Automatisierungslösungen realisiert. Neue Sensorik, Datenauswertungsalgorithmen und Schnittstellendefinitionen (OPC UA) sind zu integrieren.

Maritime Energiewende muss jetzt beginnen

Die digitalen Lösungen tragen maßgeblich dazu bei, die wirtschaftlichen und ökologischen Ziele im Schiffsverkehr zu erreichen. Dabei geht es zum einen um die Nutzung elektrischer hybrider Antriebssysteme, wie sie auf Fähren bereits im Einsatz sind. Das Ergebnis sind geringere Umweltbelastungen durch Emissionen. Zum anderen lassen sich im Überseeverkehr die gesetzten Klimaziele durch die intelligente Nutzung alternativer Kraftstoffe erreichen, die die fossilen Brennstoffe auf Schiffen sukzessive ersetzen können. Den sogenannten „e-Fuels“ wird dabei eine besonders wichtige Rolle zufallen. Hersteller von Großmotoren und der VDMA fordern deshalb den Einstieg in eine maritime Energiewende. Dabei ist es wichtig, über den reinen Verbrennungsmotor hinaus zu denken und das Gesamtantriebssystem zu betrachten. jl

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