Gut und Schlecht_Smiley, Bild: Pixabay.com

Deutschland geht es gut – aber zwischen Wirtschaftsdaten und subjektiver Wahrnehmung scheint eine Lücke zu klaffen. Mehr als ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer schaut pessimistisch in die Zukunft. Bild: Pixabay.com

„Dass Deutsche seit jeher nicht zu den größten Optimisten zählen, ist bekannt“, sagt Mandy Rehmann, Director der Employee Survey Research Division im deutschsprachigen Raum bei der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry Hay Group. „Es stimmt mich jedoch sehr bedenklich, dass mehr als ein Drittel der Manager und Arbeitskräfte trotz der wirtschaftlichen Dominanz Deutschlands und starker Wirtschaftsjahre nicht mehr an Wachstum und Wohlstand glauben wollen.“

Bis auf Polen werden die letzten zehn Plätze ausschließlich von den klassischen Industrieländern Westeuropas belegt – in allen dieser Länder prognostizieren mindestens 31 Prozent eine düstere wirtschaftliche Zukunft für ihre Unternehmen. Das es auch anders geht zeigen zwei Länder, deren Ergebnis in der Auswertung überrascht hat. So ist trotz vieler Krisenjahre und hoher Arbeitslosenquote die Zuversicht in Spanien bei 73 Prozent der Fach- und Führungskräfte groß, dass es mit ihren Unternehmen aufwärts geht. Die gleiche Anzahl schätzt dies im Vereinigten Königreich so ein.

Talente zu finden ist schwer

„Bei der Untersuchung ist zu berücksichtigen, dass sie sich über einen Zeitraum der letzten drei Jahre erstreckt. Dementsprechend ist der Brexit hier bisher nur marginal eingeflossen“, sagt Mandy Rehmann. „Die Spanier zeigen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen – trotz einer nach wie vor kränkelnden Wirtschaft und Jahren der Restrukturierung und Veränderung. Das ist eine ganz wichtige Haltung von Führungskräften und Mitarbeitern.“

Auch abseits des Gesamterfolgs ist die Einschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschlands Unternehmen eher von wenig Zuversicht geprägt. So ist nur ein Drittel der Meinung, dass ihr Unternehmen ausreichend in der Lage sei, Talente zu finden und zu binden. 44 Prozent halten ihr Unternehmen für gut organisiert, nur 48 Prozent glauben, dass die Ursachen für schlechte Performance richtig angegangen und beseitigt werden.

Immerhin: Mehr als die Hälfte (55 Prozent) sagt, dass Mitarbeiter ermutigt werden, auch innovative Wege einzuschlagen, 58 Prozent verlassen sich auf die Unternehmensführung und 60 Prozent fühlen sich gut über die aktuelle Lage des Unternehmens informiert.

Es stehen große Veränderungen bevor

Mandy Rehmann sagt: „Aber es ist zu konstatieren: Auch bei diesen Werten liegen die Deutschen zumeist unter dem Durchschnitt. Und das, obwohl auch deutschen Unternehmen weitere – durch Digitalisierung, verkürzte Produktlebenszyklen und disruptive Geschäftsmodelle – große Veränderungen bevorstehen. Dazu bedarf es Mitarbeiter, die in diesen Transformationen die Chancen erkennen und gezielt für ihre Unternehmen nutzen. Viele Mitarbeiter scheinen aber eher Angst davor zu haben. Anstatt Veränderung als eine Spielwiese zu begreifen, auf der sie sich – bildlich gesprochen – austoben dürfen, agieren sie eher gehemmt bei allem was neu ist. Das ist eine große Herausforderung für Unternehmen, in denen ‚Change’ mittlerweile zum Tagesgeschäft gehört. Wenn er gelingen soll, braucht es vor allem die richtige Einstellung der Mitarbeiter. Ansonsten drohen handfeste Nachteile gegenüber dem europäischen Wettbewerb.“

Fach- und Führungskräfte im Osten optimistisch

Insbesondere die Fach- und Führungskräfte der osteuropäischen Staaten geben sich optimistisch. So belegen diese mit Slowenien (88 Prozent schätzen die Entwicklung ihres Unternehmens positiv ein), Rumänien (80 Prozent), Slowakei und Tschechien (je 73 Prozent), Ungarn (72 Prozent) sowie Kroatien (71 Prozent) gleich sechs Plätze in der Top 10 der optimistischsten Länder.

Hubertus Graf Douglas, Geschäftsführer von Korn Ferry in Deutschland, sagt: „Große Teile der Belegschaft deutscher Unternehmen schauen eher mit Angst in die Zukunft, als sich auf Chancen zu konzentrieren. Insbesondere die oberen Führungsgremien, inklusive des Aufsichtsrats bei notierten Gesellschaften, müssen sich fragen: Warum ist das so? Und vor allem: Was können wir dagegen tun? Eine notwendige Bedingung wird es sein, künftig die Führungskräfte zu rekrutieren, die wirklich inspirieren und motivieren können. Eine gute Kommunikationsstrategie ist dazu nicht ausreichend. Veränderung lässt sich nur erreichen, wenn das Top-Management durch authentisches Vorleben einer positiven Grundeinstellung wirklich die Köpfe und Herzen der Mitarbeiter erreicht. Diese Art von Führungskräften zu finden, ist schwer – denn ein Kompetenzprofil reicht als Entscheidungsgrundlage nicht aus. Vielmehr gilt es vor Einstellung den Menschen hinter der Fassade zu erkennen und ein vollständiges Bild der Persönlichkeit zu erfassen.“ hei