Eintrittsticket, Bild: Pixabay

Den Opernbesucher interessiert vor allem das, was auf der Bühne passiert. Wir geben Ihnen aber auch einen Einblick in das, was technisch hinter der Bühne los ist. Bild: Pixabay

Inszenierungen von Bühnenwerken waren immer schon gerne spektakulär, auf die ein oder andere Weise. Schon im antiken Rom hat Kaiser Titus im Jahr 80 n. Chr. zur Einweihung des Kolosseums im Rahmen eines 100-tägigen Festes den 54 mal 96 Meter großen hölzernen Arenaboden entfernen, die darunterliegende, zunächst noch unbebaute Fläche mit Wasser fluten und eine Seeschlacht aufführen lassen. Später entstanden dort im Unterboden komplizierte bühnentechnische Einrichtungen wie Falltüren, Rampen und Aufzüge, die mit Winden und Flaschenzügen funktionierten und das Bühnenbild binnen Minuten umgestalten konnten.

Auch heute wird am Theater im Prinzip mit den gleichen Grundmechanismen gearbeitet – allerdings mit den technischen Mitteln unserer Zeit. Die Untermaschinerie reicht im Münchener Nationaltheater unter der Bühne neun Meter in die Tiefe und besteht im Wesentlichen aus: drei Hubpodien, die einzeln vertikal bewegt werden können, darin integrierte Personenversenkungen, welche Requisiten oder Künstler aus der Tiefe auftauchen lassen, und den sechs Bühnenwägen, die ein ganzes, fertig montiertes Bühnenbild nach hinten oder zur Seite weg- und herbeifahren.

Die Obermaschinerie ermöglicht mit dem in 30 Meter Höhe hinaufreichenden sogenannten Schnürboden das Wegziehen ganzer Kulissenteile und Vorhänge nach oben, oder umgekehrt das Hinabsegeln von Kulissenteilen, Beleuchtungsapparaturen sowie Künstlern aus der „Oberwelt“ bis in das sichtbare Bühnenbild hinein. Dazu sind im Schnürboden insgesamt 107 Züge montiert, bei denen die Bühnenteile entweder an bühnenbreiten Zugstangen aufgehängt werden oder die als einzelne Punktzüge ausgelegt sind.

Jeder einzelne Zug kann bei einer zwölffachen Sicherheit ein Gewicht von 500 kg tragen. Die Seile werden über Rollen in der Deckenkonstruktion des Bühnenhauses auf die Seite geführt und computergesteuert durch Elektromotoren angetrieben. Die Lastzüge für die Oberlichter sind mit sechs Tonnen belastbar und werden von Asynchronmotoren mit bis zu 0,6 m/s bewegt. Die übrigen Züge laufen aufgrund der hohen Last aus statischen Gründen über vertikal in die Wand eingesenkte Winden und fahren über ein von Synchronmotoren angetriebenes Planetengetriebe mit 1,2 m/s.

„Wir leben von der Illusion“, sagt Adalbert Schmid, Chef der Betriebstechnik des Münchener Opernhauses, und damit ist sehr vieles gemeint. Zunächst sind zwar die Solisten, das Orchester und der Opernchor die Helden im Vordergrund. Im Hintergrund arbeiten aber rund 250 Mitarbeiter der technischen Abteilungen daran, die Illusionen auf der Bühne Wirklichkeit werden zu lassen.

Was die Zuschauer zum Beispiel in der Regel nicht ahnen – es ist schon mal ein vielfaches der sichtbaren Bühnenfläche nötig, um die Sensationen überhaupt bereitstellen zu können. In München macht die sichtbare Bühne nur knapp ein Viertel der gesamten verfügbaren Bühne aus, was auf viel Platz für Technik zu weisen scheint. Aber gemessen an den Erfordernissen des Betriebes könnten es schon auch ein paar tausend Quadratmeter mehr sein.

Platz ist das begrenzende Moment

Hydraulikanlage
Die Druckstation der Hydraulikanlage versorgt von einem Nebengebäude aus die hydraulischen Anwendungen der Oper.

Im Gegensatz zu einem reinen Musical-Haus, das über Jahre hinweg nur ein einziges Stück vergleichsweise unverändert zur Aufführung bringt, hat nämlich ein Repertoirebetrieb wie die Bayerische Staatsoper, der pro Woche drei bis fünf verschiedene Stücke und pro Jahr insgesamt zwischen 250 und 300 anbietet, ganz andere logistische Aufgaben zu lösen. Gerade in historischen Häusern ist der Platz das begrenzende Moment.

Platz wird benötigt für die Lagerung der aktuell benötigten Kulissen und Bühnenwägen, ausreichende Fahrwege für die raumgreifenden Anlagen sowie Stellflächen für die Umbaumaßnahmen. Die meisten Bühnenbilder und Requisiten aus den Münchener Beständen sind deshalb in rund 600 Containern im 20 Kilometer entfernten Poing ausgelagert und werden bei Bedarf per Sattelzug über einen knapp sieben Meter hohen Aufzug direkt in das Kulissenlager hinein angeliefert.

Aber die Anforderungen an die Kulissen und die technische Ausstattung steigen weiter: Die Aufbauten werden immer monumentaler und haben immer mehr Gewicht. Bühnenbilder aus Stahlgerüst, die 30 Tonnen und mehr auf die Waage bringen, sind keine Seltenheit mehr. Vieles soll daran auch beweglich sein, dafür braucht es auch auf der Bühne weiteres technisches Gerät, das leistungsstark, aber für den Zuschauer möglichst unsichtbar sein soll.

Und nicht nur unsichtbar, sondern möglichst auch unhörbar. Denn eine weitere Anforderung für die technischen Anlagen der Bühne ist, dass sie nur sehr wenig Geräusch verursachen dürfen. In der Bühnentechnik ist das von entscheidender Bedeutung, denn die Regieanweisungen und Inszenierungen können und sollen nicht immer Rücksicht auf das technisch Machbare nehmen. Wenn also ein solch monströses Bühnenbild genau in dem Moment bewegt werden soll, in dem die Musik nur noch aus einem Hauch von Pianissimo besteht, kann ein Bühnentechniker schon mal ins Schwitzen geraten.

In der ersten Reihe des Zuschauerraumes dürfen nur 35 bis höchstens 40 db(A) ankommen. Interessant ist, dass beispielsweise im Bereich der Staatsoper München ein Grundschallpegel von 27 db(A) vorliegt. Dieses Grundrauschen aus Versorgungsanlagen, Straßenverkehr und allgemeiner Lebensgeräusche durch Besiedlung ist zwar messbar, wird von den Menschen aber nicht bewusst wahrgenommen, sondern ausgeblendet. Ein Münchner empfindet 27 db(A) also als vollkommene Stille. Ein Pegel von 35 db(A) entspricht demnach einem leisen Flüstern und mehr dürfen die Bühnenmaschinen eben auch nicht produzieren – eine echte Herausforderung. Platzbedarf, Ausfallsicherheit und geringe Geräuschemissionen sind also oft bestimmend für die Wahl des Antriebes in der Maschinerie.

Im Falle der Hubpodien setzt man an der bayerischen Staatsoper auf Hydraulik. Hier sind drei Podien zu bewegen, von denen jedes leer 80 Tonnen wiegt und bis zu 50 weitere Tonnen Nutzlast tragen können muss. Sie werden von je zwei Plungerzylindern gehoben – das Sinken besorgt ihr eigenes Gewicht.

Teaser zu Fidelio an der Bayerischen Staatsoper (Quelle: Bayerische Staatsoper)