Industrie 4.0, Bild: Pixabay

Was bringt Unternehmen der Fertigungsindustrie 2018 zu noch mehr Wachstum? Moderne Technologieinfrastrukturen für die Industrie 4.0 könnten der Schlüssel sein.

Technologischer Vorsprung und Produktivität — diese zwei Faktoren sind und bleiben die wichtigsten Instrumente der Fertigungsindustrie und nahezu aller anderen Industriezweige im deutschsprachigen Raum, um sich im globalen Markt durchzusetzen. Jedoch: Wettbewerber holen hier auf. Daher gilt: Nicht Einsparungen führen zu Wachstum, sondern Produktinnovationen und -individualisierung, Serviceorientierung sowie die Fähigkeit, sich schnell auf neue Marktanforderungen auszurichten.

Der Weg dorthin sind innovative Technologien und Digitalisierung, in die, so eine KPMG-Studie, 89 Prozent der CIOs weltweit unverdrossen weiter investieren. Die Studie zeigt zudem, dass der Anteil der Unternehmen mit einer übergreifenden digitalen Strategie in den letzten zwei Jahren um 52 Prozent stieg. Bereits ein Viertel der Firmen hat einen Chief Digital Officer (CDO). Mehr als die Hälfte der Investitionsmittel (52 Prozent) fließt in schnellere Technologieplattformen, um Innovations- und Transformationsprozesse begleiten zu können.

Kurz: Wer weiter wachsen will, braucht moderne Technologieinfrastrukturen. Für den Erfolg im Jahr 2018 sehen wir die folgenden Top-Trends als wesentlich:

#1 Industrie 4.0 bringt Intelligenz in Operations

Die International Federation of Robotics (IFR) prognostiziert, dass bis 2020 weltweit mehr als 1,7 Millionen neue Industrieroboter in Fabriken installiert werden, was einer jährlichen Wachstumsrate von 14 Prozent entspricht. Deutschland ist der bei weitem größte Markt in Europa, weltweit auf Platz 5 nach China, Südkorea, Japan und den USA.

Immer mehr intelligente Geräte werden in Organisationen integriert, Internet of Things (IoT) und damit Industrie 4.0 entwachsen dem Pilotstatus und bieten strukturelle Vorteile für rentable Kleinserienfertigung, höhere Gesamtanlagenproduktivität, optimiertes Qualitätsmanagement und Automatisierung bis hin zur Selbststeuerung von Material- und Informationsflüssen.

Mehr und mehr wird mit Industrie 4.0 im operativen Betrieb ein intelligenter Kreislauf aufgebaut, der zu kontinuierlicher Verbesserung anhand von Datenanalysen führt. Ein Ansatz, den Fertigungsunternehmen mit ihren Systemen für Enterprise Resource Planning (ERP) umsetzen müssen. ERP-Systeme sammeln bereits heute mehr Geschäftsdaten als je zuvor. Das entscheidende Unterscheidungsmerkmal für das kommende Jahr aber wird sein, inwiefern diese Daten Sinn machen und welche Handlungsoptionen daraus abgeleitet werden.

#2 Industrie 4.0 wird zum Geschäftsmodell

Über die gesamte Wertschöpfungskette vernetzte Daten — von Zulieferern der Rohmaterialien über die Produktion bis zum Produkteinsatz beim Kunden — werden zu einem eigenen Wert und damit zum Sprungbrett für neue Service-Modelle, erweiterte Produktfunktionen und Expansion in neue Märkte. Industrie 4.0 erhöht folglich die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens insgesamt. Dies zu fördern ist eine Management-Aufgabe, die eine enge Zusammenarbeit mit dem operativen Bereich erfordert.

Wir erwarten im kommenden Jahr einen Reifegrad von Industrie 4.0, durch den viele Unternehmen aus Einzelprojekten umsatzrelevante Geschäftsstrategien ableiten. Ein Beispiel dafür ist das Digital Twinning, also die Abbildung eines physischen Assets auf einer digitalen Plattform. Diese Technologie dient nicht nur zur Verbesserung von Effizienz, Qualität und Produktivität in der Fertigung. Digital Twinning ist auch ein wichtiger Treiber für Wachstum durch erweiterte Services.

#3 Von der Kunden- zur Partnerbeziehung

Die verstärkte Kundenanforderung nach Kleinstserien bis hin zu Losgröße 1 braucht eine konsequent bedarfsorientierte Produktion. Der Schlüssel dazu ist die Vernetzung des ERP-Systems mit Manufacturing Execution System (MES). Denn nur dadurch können in einem durchgängigen Prozess Bestellungen auf Kundenseite in Echtzeit mit Kapazitäten auf Produktions- und Zuliefererseite abgeglichen, zugesichert und auf mögliche Alternativen geprüft werden.

Diese operative Kundenorientierung führt auch zu einer Neuausrichtung der Services – Stichwort „neue Geschäftsmodelle durch Digitalisierung“. Das Kunden-Anbieter-Verhältnis entwickelt sich mehr zu einer Partnerschaft, das Kundenmanagement wird mithilfe des ERP-Systems enger in interne und operative Prozesse integriert.

#4 Künstliche Intelligenz steigert Produktivität

Künstliche Intelligenz (KI) bahnt sich den Weg in Industriebereiche, die vorhersehbare Aufgaben betreffen – dies bestätigt eine Untersuchung von McKinsey. Sie zeigt, dass dank KI im Zusammenhang mit weiterentwickelten IoT-Sensoren Produktivitätssteigerungen von 20 Prozent bei Predictive Maintenance möglich sind, gleiches gilt beim Einsatz von kollaborativen und Kontext-sensiblen Robotern. Zudem kann KI zu erheblichen Verbesserungen bei Ausschussraten oder in der automatisierten Qualitätskontrolle führen. Im ERP optimiert KI als lernendes System die Prozessqualität und -effizienz sowie Forecasts in der Wertschöpfungskette.

Gerade hochindustrialisierte Länder wie Deutschland, die gleichzeitig mit Fachkräftemangel und einer Überalterung der Gesellschaft zu kämpfen haben, werden im kommenden Jahr verstärkt die Möglichkeiten für höhere Automatisierung durch KI sowie angrenzende Technologien wie Machine Learning und Predictive Analytics testen und produktiv einsetzen. Das Ziel ist, Kundenorientierung und Produktivität auf ein neues Niveau zu heben.

Um von den Vorteilen innovativer Technologien profitieren zu können, brauchen Fertigungsunternehmen eine IT-Infrastruktur mit einem ERP-System, das in puncto Leistungsfähigkeit, Skalierbarkeit und intelligentem Datenmanagement darauf vorbereitet ist. Wer hier mit der Modernisierung zögert, beeinträchtigt die eigene Innovationsfähigkeit und Wachstum in einer Phase, in der die technologischen Weichen im Wettbewerb neu gestellt werden. jl

  • Spielender Roboter, Bild: Fotolia - Sergey

    Künstliche Intelligenz ist heute schon an vielen Stellen – auch in unserem Alltag – versteckt, etwa in Sprachassistenten wie Amazon Echo. Aber ab 2018 wird eine neue Klasse der künstlichen Intelligenz auf den Markt kommen: selbstlernende Systeme. Bild: Fotolia - Sergey

  • Smartphone: Bild: Pixabay - Funkyfocus

    Auch die mittlerweile altbekannten Apps, die uns in jeder Lebenslage auf dem Smartphone begleiten - aber an der ein oder anderen Stelle auch schon ihren Einzug in die Industrie gefeiert haben - werden sich weiterentwickeln und auf KI-Dienste zurückgreifen. Laut Gartner haben sie das Potenzial, die Art wie wir arbeiten sowie unsere Kundenbeziehungen deutlich zu verändern. Vor allem der Bereich sogenannter Augmented Analytics sei ein stark wachsender Sektor. Bild: Pixabay - Funkyfocus

  • Vernetzte Stadt, Bild: Fotolia - Montri

    Intelligente Dinge werden untereinander vernetzt sein. Damit werden sie nicht mehr als Einzelkämpfer sondern vielmehr in Schwärmen auftreten. Die Interaktion zwischen den Dingen wir teilautonom bis autonom ablaufen. Bild: Fotolia - Montri

  • Simulation, Bild: Pixabay - Emmerichchistiansen

    Wer nicht erst in der Realität feststellen möchte, dass eine Veränderung beispielsweise an einer Maschine, zu einem Stillstand eben dieser führen könnte, wird sich einen digitalen Zwilling erstellen. Stadtplanung, Marketing, Gesundheitswesen oder Industrie werden so optimiert werden können. Bild: Pixabay - Emmerichchistiansen

  • Vernetzung, Bild: Fotolia - Jijomathai

    Das Cloud-Computing wird stärker mit dem Edge-Computing, also der Rechenleistung im Feld in direkter Nähe zur Datenquelle, gepaart werden. Das Edge-Computing wird vor allem einen Aufwind erleben, da hierdurch die auf uns zurollende Datenflut zunächst am Rande der Cloud vorverarbeitet werden kann. Bild: Fotolia - Jijomathai

  • Voice-Control, Bild: Pixabay - Kaufdex

    Spracherkennungssysteme werden sich in nächster Zeit weiterentwickeln um mit immer komplexeren Aufgaben und Anfragen umgehen zu können. Hier wird es in naher Zukunft darum gehen, ob ein System den Markt mit seinem Service dominieren wird. Bild: Pixabay - Kaufdex

  • VR-Brille, Bild: Pixabay - Beejees

    Immer immersiveres Erleben: Laut Gartner werden uns Mixed und Augmented Reality vermehrt begleiten. Auch hier wird ein Kampf um die Vorherrschaft unter den Herstellern vorhergesagt. Bild: Pixabay - Beejees

  • Blockchain Farm, Bild: Pixabay - Rebcenter-moscow

    Blockchain, ein Thema, das bereits 2017 durch den extrem stark angestiegenen Bitcoin-Kurs Monat für Monat auf ein Neues hochkochte. Es ist das System, das unter anderem zur Generierung von Kryptowährungen benötigt wird. In naher Zukunft werden Blockchains jedoch auch vermehrt für andere Bereiche eingesetzt werden. Bild: Pixabay - Rebcenter-moscow

  • Smartphone, Bild: Fotolia - Marko

    Events werden Geschäftsmodelle stärker beeinflussen. Bei Events handelt es sich in diesem Fall nicht um das nächste Justin-Bieber-Konzert, sondern vielmehr um Handlungen wie Klicks, Likes oder Maschinenzustände. Bild: Fotolia - Marko

  • Entscheidung Risiko oder Sicherheit, Bild: Fotolia - Marco2811

    All diese neuen Möglichkeiten eröffnen Chancen, bergen aber auch Risiken. Deshalb erwartet Gartner, dass künftig auch eine Vertrauensbewertung in Echtzeit erfolgen muss. Klassische IT-Security-Maßnahmen seien hier nicht geeignet, der Dynamik Herr zu werden. Stattdessen müsse es ein kontinuierliches, adaptives Risk-Trust-Assesment geben. Bild: Fotolia - Marco2811

Noch mehr 2018

Blicken Sie gemeinsam mit ke NEXT auf das, was uns laut verschiedener Experten 2018 erwartet. Sie wagen Prognosen in den Bereichen Technologie-Trends, Veränderungen für die Fertigungsindustrie und das, was die Führungsetagen im neuen Jahr anpacken sollten.

Lesen Sie hierzu mehr in den folgenden Beiträgen:

Und hier können Sie überprüfen, ob sich die Vorhersagen für 2017 bewahrheitet haben: