Kalibriereinrichtung, Bild: FMS

Kalibriereinrichtung in Ruanda: Auch Maßstäbe, die länger sind als das BMG selbst, lassen sich mit diesem kalibrieren. Bild: FMS

Temperaturen über 40 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von 98 Prozent machen das Leben am Äquator für Europäer nur schwer erträglich. Doch auch die Gepflogenheiten in Ruanda sind andere, der Umgang mit Vorgaben und Normen wird dort häufig etwas phantasievoller gehandhabt als in Deutschland. Auf Märkten angebotene Stoffe werden beispielsweise mit Holzstäben mit entsprechenden Längeneinteilungen abgemessen „Früher kam es dabei immer wieder zu Unregelmäßigkeiten“, sagt Christian Klüger. Um dem einen Riegel vorzuschieben, hat die Regierung Ruandas eine regelmäßige Kontrolle und Kalibrierung der Stäbe vorgeschrieben.

Dazu müssen die Händler eine staatliche Stelle aufsuchen, die ihre Maßstäbe kalibriert und ein entsprechendes Kontrollsiegel aufbringt. Als einziger Hersteller eines Bandmaßprüfgeräts (BMG) wurde FMS mit der Ausrüstung dieser staatlichen Stellen beauftragt. „Häufig wurden einmal kalibrierte Maßstäbe einfach immer wieder kopiert, wodurch sich wiederum Fehler einschlichen“, erinnert sich Klüger. „Durch die Vorschrift des Prüfsiegels entfällt dies nun jedoch.“

Meterware, Bild: malajscy-Fotolia
Damit sich der Kunde darauf verlassen kann, dass die Meterware auch in fernen Ländern richtig abgemessen wird, müssen Maßstäbe kalibriert werden. Bild: malajscy-Fotolia

Dipl.-Ing. Christian Klüger kennt die Verhältnisse gut. Er ist als beauftragter Mitarbeiter verantwortlich für die Inbetriebnahme der Geräte der Firma Feinmess Suhl (FMS), den Service und die Kundenbetreuung vor Ort. Das Unternehmen baut seit 1878 Präzisionsmessgeräte vor allem zur Längenmessung, darunter seit 1992 das Bandmaßprüfgerät BMG in verschiedenen Ausbaustufen. Es dient der Kalibrierung von Maßbändern, Maßstäben und Linealen. Dabei kontrolliert das Gerät die Abweichung der Maße von der Norm.

Die Prüfung selbst erfolgt durch Vergleich der Bandmaßteilung mit einer Normalteilung. Dies geschieht mittels einer Kamera, die an einen Bildschirm mit Indexstrich angeschlossen ist. Der Vergleich der Teilung erfolgt gegenüber einem ins BMG integrierten Inkrementalmaßstab. Zur Prüfung wird der Messschlitten mit Kamera zur gewünschten Position gefahren und der Indexstrich des Bildschirms mit der zu prüfenden Teilung zur Deckung gebracht. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig empfiehlt das Gerät internationalen Normenstellern. Auch aufgrund dieser Empfehlung vertreibt FMS das BMG weltweit.

Kalibrierte Maße trotz exotischem Klima

Kalibriermarken, Bild: Myst-Fotolia.com
Auf dem Monitor lassen sich die durch die Kamera aufgenommenen Kalibriermarken ablesen. Bild: Myst-Fotolia.com

FMS bietet das BMG in Längen von zwei, drei und fünf Metern an (BMG 1000 bis 5000). In Ruanda kommt vor allem das BMG 3000 zum Einsatz. Mit jedem Gerät lassen sich auch längere Maßstäbe kalibrieren, unter anderem lange Holzstäbe, die von ruandischen Tankstellenpächtern für die Füllstandkontrolle ihrer unterirdischen Tanks genutzt werden. Auch diese Maßstäbe unterliegen der staatlichen Kalibrierpflicht. Hier dient die offizielle, regelmäßige Kalibrierung dazu, Streitigkeiten durch manipulierte Messmittel vorzubeugen und gleichzeitig Standards zu schaffen. Das Klima bringt weitere Besonderheiten und Schwierigkeiten mit sich. Zwar herrschen im Bureau of Standards in Ruanda die gleichen Prüfbedingungen wie auch in Deutschland, jedoch hat Holz als Maßmaterial seine Tücken. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit den extremen Temperaturen kann sich das Material verziehen und sich damit auch die Länge des Maßstabs ändern. Darauf müssen die Prüfer Rücksicht nehmen.

Nicht nur in Afrika bewähren sich die Bandmaßprüfgeräte von Feinmess Suhl. Auch tief im indischen Ozean, auf den Malediven, kommen sie zum Einsatz. In dem annähernd 1200 Inseln umfassenden Staat, der in erster Linie von Fischfang und Tourismus lebt, werden meist importierte Stoffbahnen gehandelt. Deren Länge bestimmen die Einheimischen, ähnlich wie in Ruanda, mit Hilfe von Holzstäben. Staatliche Stellen nutzen auch hier das BMG zur Kalibrierung dieser Messstäbe. Auch hier ist die Luftfeuchtigkeit sehr hoch, wodurch es ebenso wie in Ruanda notwendig ist, insbesondere Holzmaße immer wieder zu kalibrieren.

Tausende Kilometer nördlich davon und mehrere tausend Meter höher, im Himalaya, dem Dach der Welt, sind die vorherrschenden Bedingungen völlig andere, jedoch nicht weniger exotisch. Hier liegt mehr als 2.500 Meter über dem Meeresspiegel das Königreich Bhuthan mit der Hauptstadt Thimphu. Unzählige weitere Städte und Klöster oder Tempel liegen in extremen Höhen, verbunden mit entsprechend besonderen klimatischen Verhältnissen. Während des Monsuns wiederum ist es an den Südhängen des Gebirges sehr feucht – eine Herausforderung für Mensch und Material. Daher kommt der regelmäßigen Kalibrierung der im Bauwesen verwendeten Messgeräte eine besondere Bedeutung zu. Feinmess Suhl liefert auch in diese Region seine BMG-Geräte. Sie tragen dort ebenfalls dazu bei, präzise Messungen auch unter besonderen klimatischen Bedingungen zu garantieren.

Christian Klüger weiß, wie wichtig es ist, dass sich Geschäfts- und Handelspartner aufeinander verlassen können. Dabei spielen Maße eine bedeutende Rolle. „Wir verlassen uns immer darauf, dass wir einen Meter Stoff bekommen, wenn wir ihn kaufen. Das ist nicht notwendigerweise überall so. Hier tragen die BMGs wesentlich dazu bei, Streitigkeiten von vorn herein auszuschließen.“ „Die einfache Handhabung der Geräte von FMS erlaubt deren Einsatz auch unter schwierigen Bedingungen und nach nur kurzer Einarbeitungsphase“, fährt Klüger fort. „Das ermöglicht ihre Nutzung auch dort, wo man sonst praktisch nie auf High-End-Technologie trifft. Um Aufbau, Schulung und Service im laufenden Betrieb kümmern wir uns jeweils vor Ort. Dadurch ist sichergestellt, dass die Handhabung der Geräte von Feinmess Suhl überall auf der Welt genauso zuverlässig funktioniert wie in Deutschland. Das wissen die Kunden zu schätzen.“ fa