Game of Big Data

Game of Thrones hat mehr mit Industrie 4.0 zu tun als man denkt. (Bild: HBO/ke NEXT)

Es steht zu befürchten, dass die nächste industrielle Revolution – Industrie 4.0, Sie wissen schon – von außen kommen wird. Denn während sich die Strategen in Automatisierung und Maschinenbau langsam darauf geeinigt haben, dass es sich bei dem, was da gerade vor sich geht, nur um eine Evolution handelt, zeigt uns eine handvoll Studenten der TU München, von welcher Seite der Wind of Change weht: Die Revolution kommt. Die jungen Leute haben innerhalb weniger Wochen eine Anwendung programmiert, die das Internet nach Daten über die HBO-Fernsehserie „Game of Thrones“ durchsucht und die Zahlen aufbereitet hat, um vorherzusagen, welcher Seriencharakter als nächstes sterben wird – für Fans der Serie unglaublich spannend, schließlich werden dort regelmäßig auch die beliebtesten Helden von Hinnen nach Dannen befördert. Den bisherigen Serienverlauf konnte der Algorithmus mit immerhin 74 Prozent Genauigkeit vorhersagen.

Was das mit Industrie 4.0 zu tun hat? Ganz einfach: Hier haben fachfremde Programmierer (die Studenten waren nicht aus der Filmbranche) mit frei verfügbaren Daten (über die bisherige Serienhandlung, von Bloggern und Medien) eine Vorhersage errechnet. Sie haben Data Mining betrieben und diese Daten mit verschiedenen Werkzeugen des maschinellen Lernens analysiert. Sie haben sogar mit aufgenommen, was die Fans auf Twitter über die Serienhelden sagen. Sie haben von unerwarteter Seite unerwartete Daten mit unerwarteten Methoden verknüpft und damit Erfolg gehabt. Game of Thrones als Java-Script-Kurs an der Uni! Fantastisch!

Das blüht uns auch in der Industrie: Big Data kommt in den Fokus der B2B-Strategen. Auf der Hannover Messe war Industrie 4.0 allgegenwärtig, und es gab viele nützliche Beispiele, wie aus vorhandenen Daten etwas Neues generiert werden kann. Predictive Maintenance etwa, wenn aus den Umrichterdaten des Asynchronmotors Rückschlüsse auf den Zustand des angeschlossenen Getriebes gezogen werden, ganz ohne zusätzliche Sensorik. Doch so richtig clever wird es womöglich erst dann, wenn Branchenfremde ganz unterschiedliche Daten auf ganz unterschiedliche Weisen kombinieren, so, wie wir es uns im Augenblick noch gar nicht vorstellen können. Die dann entstehenden Geschäftsmodelle könnten neue Player nach oben spülen und Platzhirsche vom Feld fegen – ganz wie in Game of Thrones.

Vielleicht sollten wir mal eine Gruppe Studenten darauf ansetzen, die Zukunftschancen von Siemens, Rockwell und Mitsubishi Electric zu analysieren – oder des deutschen Mittelstands. Oder gar von Volkswagen? Der Blockbuster Game of Thrones auf jeden Fall zeigt, dass auch Hauptdarsteller und Publikumslieblinge aus einer Serie herausgeschrieben werden können, ohne den Erfolg der Reihe zu schmälern, ganz im Gegenteil. Keine guten Aussichten für erfolgsverwöhnte Industrievordenker? Ach was: Valar morghulis!

Sind Sie anderer Meinung? Dann diskutieren Sie mit uns. Sagen Sie uns Ihre Meinung als Kommentar unter diesem Beitrag.