Schweiß-Cobot, Bild: Lorch

Ob Stahl oder Edelstahl – die Serienfertigung kleinerer und mittlerer Losgrößen erledigt der Schweiß-Cobot von Lorch schnell und präzise. Bild: Lorch

"Die Automatisierung von Schweißprozessen war auf einmal ganz leicht“, beurteilt Peter Hodapp, Geschäftsführer des Unternehmens Hodapp, die erste Installation eines kollaborativen Schweißroboters. Seit Februar 2018 setzt die Firma das neue Lorch Cobot Welding Package ein. Dieses besteht aus dem Universal Robot UR 10, der Lorch-Spezial-Schweißsoftware und der Stromquelle S-RoboMIG XT mit den produktivitätssteigernden Lorch Speed-Schweißprozessen. Zuvor schweißte das Unternehmen, zu dessen Portfolio neben Dreh-, Falt-, Schiebe- und Hubtoren vor allem Sonderkonstruktionen gehören, alles per Hand.

In Aktion tritt der Schweiß-Cobot jetzt vor allem bei Anwendungen, die von Hand schwer zu schweißen sind, bei Nähten, die eine hohe Präzision und optische Qualität verlangen, und bei personal- und zeitaufwendigen Serien. Auslöser für die Anschaffung der Anlage war eine Messepräsentation in Stuttgart.

„Es wird sicher nicht der letzte Cobot – auch nicht der letzte Schweiß-Cobot von Lorch – gewesen sein, der in unser Unternehmen Einzug hält.“

Peter Hodapp, Geschäftsführer von Hodapp

Markus Lang, seit 2008 Fertigungsleiter bei Hodapp und zuständig für die Produktion, hat bei der Produktvorführung der automatisierten Anlage die einfache Programmierung beeindruckt: „Schon nach kurzer Einweisung war es möglich, die Anlage einwandfrei zu bedienen.“ Im Hause Hodapp war man schon länger auf der Suche nach einer schweißtechnischen Automatisierungslösung. Schweißarbeiten machen hier über ein Drittel der Gesamtproduktion aus und im täglichen Geschäft fallen vor allem immer wieder Kleinserien von 30 bis gar 120 gleichen Werkstücken wie beispielsweise Torbändern an, die alle einzeln geschweißt und entsprechenden Sicherheitsstandards gerecht werden müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Fachkräftemangel in der Region extrem hoch ist.

Wie der neue Cobot die Rüstzeiten reduziert...

Nach einem Testlauf im Lorch-Anwendungszentrum gab es dann keine Zweifel mehr: „Wir hatten eigene, teils schwierig zu schweißende Werkstücke vorbereitet und wollten prüfen, wie lange die Programmierung dauert und wie gut der Roboter diese Aufgaben löst. Wir waren einen Tag im Kompetenzzentrum vor Ort, doch schon nach zwei Stunden konnte sich der Anwendungstechniker zurückziehen und wir machten alleine weiter. Da war die Entscheidung für den Cobot von Lorch schnell gefallen“, erzählt Lang. Ein weiteres Entscheidungskriterium war außerdem die Möglichkeit, die S-RoboMIG-XT-Stromquelle mit einem Doppelkoffer zu kombinieren. Ein Clou, der die internen Abläufe optimal unterstützt. Lang berichtet: „Da wir je nach Auftrag sowohl Stahl als auch Edelstahl schweißen und wir dafür jeweils andere Zusatzwerkstoffe und andere Gase benötigen, ist die Doppelkofferanlage für uns ideal. Sie hält beide Möglichkeiten vor und es muss nur noch der Schweißbrenner am Cobot ausgetauscht werden. Das reduziert die Rüstzeiten enorm.“

Schweißroboter ohne Schutzzaun: Möglich, sagt Lorch...

Der Aufbau der Anlage vor Ort gestaltete sich als unkompliziert. „Bereits nach drei Stunden war das Cobot Welding Package komplett am Schweißarbeitsplatz installiert und stand für erste Schweißarbeiten bereit“, erzählt Johnny Ruyssinck, Ausbildungsleiter und hauptverantwortlich für das interne Cobot-Projekt. Für ihn sind die Mobilität des knapp 30 Kilogramm schweren kollaborierenden Schweißroboters und die unkomplizierte Integration in die Arbeitsabläufe die großen Pluspunkte. „Im Gegensatz zu einer fest installierten Industrieroboteranlage können wir den Cobot flexibel dort einsetzen, wo er gerade benötigt wird. Und aufgrund der eingebauten Sensorik, die den Roboter bei Berührung sofort stoppen lässt, ist kein zusätzlicher Schutzraum nötig. Das vereinfacht den Einsatz und das gemeinsame Arbeiten ungemein.“

Lorch Cobot Welding Package, Bild: Lorch
Mobil und schnell in Arbeitsabläufe integrierbar: das Lorch Cobot Welding Package. Bild: Lorch

Für Markus Lang zeigen sich die Vorteile des Cobots vor allem in der einfachen Programmierung und Reproduzierbarkeit der Schweißnähte wie auch in deren konstant hochwertigen Qualität. Der Schweißer teacht, also lernt den Roboter ein, indem er ihn an den Anfangs- und Endpunkt der Schweißnaht setzt, die wichtigsten Schweißparameter eingibt und schon kann losgeschweißt werden. „Wir erhalten eine gleichbleibend hohe Qualität der Schweißnähte, die wenig bis gar keine Nacharbeit erfordert und die ein Handschweißer so konstant über einen längeren Zeitraum nicht leisten könnte.“ Ein weiterer Vorteil für Lang ist die Entlastung der Schweißer bei der Produktion von Kleinserien: „Durch die Reproduzierbarkeit von Schweißnähten können auch weniger qualifizierte Mitarbeiter an der Cobot-Anlage eingesetzt werden. Ist der Cobot einmal programmiert, besteht die Hauptarbeit aus dem korrekten Einlegen der Werkstücke und dem Knopfdruck, den Schweißvorgang einzuleiten. So sind hochqualifizierte Schweißer frei für Aufgaben, bei denen schweißtechnisches Know-how unumgänglich ist.“ Zur Effizienzsteigerung ist zudem der Cobot UR 10 mit einer Arm-Reichweite von 1,30 Meter im Einsatz, der problemlos zwei Vorrichtungen auf einem Schweißtisch bedient. So kann der Einleger schon das nächste Werkstück in die Schablone platzieren, während der Roboter hinter einer Sichtschutzscheibe schweißt.

Schweißen mit Cobot - Quelle: next Robotics

Automatisierungstechnik war für die gesamte Belegschaft Neuland. Aber bereits bei den Einführungstagen war die Begeisterung über die leichte Bedienung der Anlage und deren Einsatzmöglichkeiten vor allem bei den jüngeren Schweißern groß. Auch die dreitägige Inhouse-Schulung von Lorch fand großen Anklang. „Der Vorteil war, dass wir an unseren Maschinen, mit unserem Material sämtliche Schweißaufgaben durchspielen konnten und kompetente Experten an unserer Seite hatten, die uns wirklich jede Frage beantwortet haben“, schwärmt Ruyssinck. Sein Fazit: „Der Cobot ist in unserem Unternehmen unverzichtbar geworden.“ aru

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