Teststation, Bild: Boka Automatisierung

Die möglicherweise infizierte Person fährt mit dem Auto an die Teststation heran. Bild: Boka Automatisierung

| von Birga Teske, PR & Communication Fanuc

Die Firma Boka Automatisierung hat eine neue, kontaktlose Lösung zur Corona-Testung entwickelt. Der Prototyp wurde am Montag, 4. Mai 2020, am Firmensitz in Dorfprozelten, Bayern vorgestellt. Statt medizinischem Fachpersonal werden ein Videosystem sowie ein Roboter der Firma Fanuc eingesetzt, um Testungen anzuleiten und Proben einzusammeln. Das innovative System reduziert die Infektionsgefahr an Teststationen und setzt dringend benötigtes medizinisches Personal für die Arbeit in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, beim Deutschen Roten Kreuz oder dem Technischen Hilfswerk frei.

Fanuc-Roboter, Bild: Fanuc
Fanuc-Roboter, Bild: Fanuc

Der vollautomatische Test funktioniert im „Drive-In-Verfahren“. Personen mit Verdacht auf eine Corona-Infektion fahren im Auto an die Teststation heran. Per Videoanleitung werden sie Schritt für Schritt durch den Prozess begleitet. Zu Beginn scannt jede Person ihren Personalausweis ein und desinfiziert sich die Hände, anschließend werden die persönlichen Daten einem Teströhrchen mit Barcode zugeordnet. Ein Fanuc-Roboter scannt den Barcode und überreicht das Teststäbchen an den Probanden, der die Probe selbständig mithilfe einer Videoanleitung durchführt. Zum Schluss übernimmt der Roboter das gebrauchte Teströhrchen – und lagert es bis zum Transport ins Labor ein.

„Um sicherzustellen, dass jeder Test verwertbar ist, kann die Abstrichentnahme per Kamera-Übertragung von einer medizinisch ausgebildeten Person überwacht werden“, erläutert Severin Bobon, Mit-Inhaber von Boka Automatisierung. Weil Videosystem und Roboter viele wichtige Arbeitsschritte übernehmen, könne ein Arzt mehrere Teststationen gleichzeitig kontrollieren. Andere Mediziner würden dadurch entlastet und Massentests erleichtert. Auch Schnelltests könnten mithilfe des automatisierten Systems durchgeführt werden. „Je nach Länge des Erklärvideos dauert eine Testung zwischen vier und sechs Minuten“, sagt Bobon. Da das Testsystem für zwei Personen gleichzeitig ausgelegt sei, könnten im 24-Stunden-Dauerbetrieb so pro Tag und Anlage rund 500 Proben kontaktlos eingesammelt werden.

Vollautomatischer Corona-Test in 7 Schritten - So funktioniert der Test

Die möglicherweise infizierte Person fährt mit dem Auto an die Teststation heran und wird per Videoerklärung Schritt für Schritt durch den Prozess geführt.

 

Schritt 1: Start Videoanleitung

Schritt 2: Einscannen des Personalausweises, Eingabe der Telefonnummer zur schnellen Benachrichtigung über Testergebnis

Schritt 3: Händedesinfektion durch Automatikspender

Schritt 4: Roboter entnimmt frisches Teststäbchen, Barcode des Teststäbchens wird eingescannt und mit Daten der Person verknüpft

Schritt 5: Roboter übergibt Teststäbchen, Probeentnahme laut Videoanleitung

Schritt 6: Einwurf Teststäbchen

Schritt 7: Aufnahme und Einlagerung Teststäbchen

„In vielen Bereichen, die für menschliche Arbeitskräfte gefährlich sind oder in denen sich Abläufe ständig wiederholen, werden Fanuc-Roboter mit großem Erfolg eingesetzt, insbesondere in der Industrie und deren Umfeld“, sagt Ralf Winkelmann, Geschäftsführer der Fanuc Deutschland. „Wir würden uns freuen, wenn unsere Roboter künftig helfen würden, Corona-Testungen sicherer und effizienter zu machen und damit einen zusätzlichen positiven Beitrag für viele Menschen im aktuell schweren Alltag leisten.“

Boka Automat, Bild: Boka Automatisierung
Fanuc LR Mate, Bild: Boka Automatisierung

In der Zelle arbeitet ein sechsachsiger Fanuc LR Mate 200iD/7L, also in einer Langarmversion mit 911 mm Reichweite. Die Steuerung ist platzsparend unter dem Arbeitstisch untergebracht. Um die Arbeitsfläche in der Zelle für die Trays mit Teströhrchen freizuhalten, wurde der Roboter hängend angeordnet. So kann der LR Mate nach beiden Seiten hin arbeiten. Um im Vorfeld der Entwicklung zu ermitteln, ob der Roboter alle Arbeitspunkte und die Probanten auf beiden Seiten der Zelle erreicht werden, hat man bei Boka eine Offline-Simulation erstellt. Um dem Gesundheitswesen nicht unnötig Testequipment für den Bau der Zelle vorzuenthalten, wurde mit vergleichbaren Röhrchen „geübt“. Die Trays zur Aufnahme der Teströhrchen können nach den Erfordernissen einzelner Labors einfach angepasst werden.

Sollte der von Boka Automatisierung entworfene Prototyp im Gesundheitswesen Anklang finden, könnte die kontaktlose Corona-Testung schon bald praktisch zum Einsatz kommen. Seit Wochen sind medizinische Fachkräfte deutschlandweit im Corona-Dauereinsatz. Vielerorts gab es Engpässe bei Corona-Tests. Derweil wächst die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle.

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