Schunk-Anwender- und Technologiedialog – Bild: Schunk

Schunk-Anwender- und Technologiedialog: Beim Praxisrundgang konnten die Besucher anhand unterschiedlicher Live-Demos an fünf Stationen erfahren, wie MRK-Projekte von den beteiligten Ausstellern erfolgreich realisiert wurden und wo die Herausforderungen lagen. Anhand der unterschiedlichen Applikationen ergaben sich angeregte Diskussionen zu den Strategien, konkreten Herangehensweisen und der praktischen Umsetzung. Auch das spielerische Testen der Möglichkeiten und Sicherheitsfunktionen nahm einen breiten Raum ein. – Bild: Schunk

So vielfältig wie der Teilnehmerkreis, so vielfältig waren auch die Themen des Anwender- und Technologietags. Die führenden Robotikunternehmen waren ebenso vertreten wie Systemintegratoren, Vertreter der Automobilindustrie, des Maschinen- und Anlagenbaus, der Forschung und der Zulieferindustrie. Die bevorstehende Robotik-Revolution bewegt gleichermaßen Technologen, Prozessverantwortliche und Betriebsräte. Vor allem der konkrete Praxisbezug erwies sich als wertvoller Schwerpunkt der Veranstaltung.

Aus Sicht von Prof. Dr. Markus Glück, Chief Innovation Officer (CINO) sowie Geschäftsführer Forschung und Entwicklung bei Schunk, dominieren in der aktuellen Diskussion vier Ziele, wenn es um die Einführung von MRK geht: Die Verbesserung der Ergonomie, die Flexibilisierung der Arbeitsprozesse, die Steigerung der Effizienz sowie die Optimierung von Logistik-, Handhabungs- und Beladungsprozessen. Vor allem bei mittlerer Varianz, mittleren Stückzahlen und einem mittleren Durchsatz entfalten MRK-Szenarien ihre Wirkung. Statt Prozesse vollständig zu automatisieren, gewinnen Teilautomatisierungen eine immer größere Rolle. „MRK bedeutet, die Stärken des Menschen und die Stärken der Robotik synergetisch zusammenzuführen“, so Glück.

Wie eine normenkonforme und zugleich wirtschaftliche Gestaltung von MRK-Applikationen gelingt, erläuterte Sebastian Höpfl, Leiter Produktmanagement Greifsysteme bei Schunk. Auch wenn die Normenlage gut zu beherrschen sei, lägen in der praktischen Umsetzung und insbesondere in der Validierung des transienten Kontakts gemäß der ISO/TS 15066 die größten Herausforderungen. Sinnvoll sei es, so früh wie möglich mit den zertifizierenden Organisationen, wie etwa Berufsgenossenschaft, TÜV oder Dekra, Kontakt aufzunehmen und die geplanten Applikationen zu diskutieren. Grundsätzlich riet er, beim Einstieg in MRK ein Over-Engineering zu vermeiden. So ließen sich Anwendungen mit sicherem Halt, Handführung oder Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung oft wesentlich einfacher und schneller verwirklichen als komplexe Anwendungen mit Kraft- und Leistungsbegrenzung. Und man lerne dabei wesentlich schneller.

„Produkte müssen einfach und flexibel sein“

Zu einem pragmatischen Umgang mit Normen und Sicherheit riet auch Helmut Schmid, Geschäftsführer & General Manager Western Europe bei Universal Robots Deutschland: „Produkte müssen einfach und flexibel sein.“. Dass Schunk ganz aktuell einen Greifsystembaukasten speziell für die Roboter von UR auf den Markt gebracht hat, entspricht genau dieser Forderung: Per Plug & Work lassen sich die unterschiedlichen End-of-Arm-Tools, wie Greifer, Schnellwechselschnittstellen und Kraft-Momenten-Sensoren mit den mit den Roboterarmen verbinden und in Betrieb nehmen.

Dr. Albrecht Höne, Director Human Robot Collaboration bei Kuka  Deutschland, sieht in der Mensch-Roboter-Kollaboration einen Schlüssel für die Flexibilisierung der Produktion. Das Ziel sei eine spontane, flexible und skalierbare Automation. Höne rät dazu, den MRK-Prozess in verschiedene Abschnitte zu unterteilen und mit unterschiedlichen Sicherheitsfunktionen zu versehen. Auf diesem Weg realisiert Kuka  beispielsweise Anwendungen in der Getriebemontage, bei der Spaltmaßprüfung, beim Reibschweißen oder beim Stopfensetzen. Nach vorne betrachtet schlummerten seiner Ansicht nach vor allem in den Entwicklungsfeldern ‚easy to use’ und ‚deep learning’ Potenziale. tbö