Cloud-Lösungen - Bild: Daniel Ingold - gettyimages

Cloud-Lösungen setzen sich auch in der Industrie immer stärker durch. Sie dienen als Bindeglied zwischen realer und digitaler Welt. Bild: Daniel Ingold - gettyimages

Herr Pfeifer, sie behaupten, Digitalisierung hätte es schon immer gegeben. Wie meinen Sie das?

Jürgen Pfeifer: In der metallverarbeitenden Industrie wurden schon vor 50 Jahren Maschinen eingesetzt, mit denen Werkzeugmaschinen automatisch durch Computer und nicht mehr durch manuelle und menschliche Arbeit gesteuert wurden. Derzeit wachsen Industrie und Internet zusammen. Jede einzelne Maschine kommuniziert zunehmend mit der Cloud. Und im Zuge der Umsetzung haben wir es heute mit dem industriellen Internet der Dinge (IIOT) zu tun. Es umfasst die digitale Transformation industrieller Fertigungsprozesse. Es geht also um industrielle Prozesse und Abläufe, um die zunehmende Vernetzung von Geräten, Maschinen, Menschen und Sensoren.

Wie können Unternehmen von IIOT profitieren?

Pfeifer: Jede einzelne Maschine verfügt heute über verschiedene Techniken, Ebenen und Systeme. Während ihres Einsatzes sammelt sie im gesamten Fertigungsprozess viele, wichtige Daten. Diese werden digital in die Cloud übertragen und können dort erfasst und ausgewertet werden. Die Daten und Erfahrungen, die wir aus jeder einzelnen Maschine erhalten, bilden konsolidiert eine wichtige Grundlage für Analysen und für eine solide Produktionsplanung. Das ist eine enorme Bereicherung und Chance für das Unternehmen.

Keine Chance ohne Risiko, oder?

Pfeifer: Einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren ist die Interaktion realer Vorgänge mit der digitalen Welt. Cloudbasierte Integrationslösungen fördern die Flexibilisierung von Herstellungsprozessen. Sie erlauben die effiziente Nutzung produktionsrelevanter Daten und vereinfachen die standortübergreifende Vernetzung globaler Kommunikationsstrukturen.

Jürgen Pfeifer, Automatisierungsexperte bei WAGO
Jürgen Pfeifer, Automatisierungsexperte bei WAGO

Auf was müssen Unternehmen besonders achten?

Pfeifer: Die digitale Transformation umfasst alle wesentlichen Kernfelder: Vertrieb, Logistik, Personal, Finanzen, Produktion und CRM. Für einige Themen gibt es bereits gute IoT-Lösungen auf dem Markt. Diese werden jedoch leider oftmals als Silolösung oder „Stand-alone“-Lösung umgesetzt. Eine Einbindung in den übergeordneten Geschäftsprozess fehlt zumeist komplett. Hinzu kommen dann auch noch Medienbrüche, so dass die Informationen immer wieder manuell von einem System in einem anderen System zur Verfügung gestellt werden müssen. Das mindert die Effektivität und Durchgängigkeit der Geschäftsprozesse erheblich und erhöht die Fehleranfälligkeit durch den Menschen.

Neben dem Sammeln wertvoller und ausreichend vieler Rohdaten ist es für Unternehmen natürlich auch wichtig, diese nutzbar zu machen und weiterzuverarbeiten. Sprich aus den generierten Maschinendaten gilt es, geschäftsrelevante Informationen zu bekommen, die ich dann für Produktionsplanungen und Geschäftsentscheidungen auch verwenden kann.

Wie lassen sich Silolösungen technisch überwinden?

Pfeifer: Im Unternehmen laufende Business Software und verschiedene IT-Systeme können mit Hilfe von Integrationsplattformen miteinander verbunden werden. Und zwar unabhängig davon, ob sich eine Business Software in der Cloud befindet oder ob es sich um ein On-Premise-System handelt, also ein Lizenz- und Nutzungsmodell für serverbasierte Computerprogramme.

Was möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Pfeifer: Fest steht, wir alle gehen den Weg in die Digitalisierung. Unternehmen können daraus einen großen Mehrwert und Nutzen ziehen. Unternehmen müssen keine Scheu davor haben, denn IoT-Projekte müssen keine Endlos-Projekte sein. Es ist nicht mit einem einzelnen Projekt getan, sondern stellt einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess dar. Die Umsetzung kann mit vielen einzelnen Schritten passieren. Wichtig ist, mit kleinen Dingen jetzt zu starten.

Herr Pfeifer, vielen Dank für das Gespräch

Jürgen Pfeifer ist seit 2001 für Automatisierungsprodukte bei der WAGO Kontakttechnik GmbH & Co. KG tätig und hat sich das Thema industrielles Internet der Dinge (IIOT) auf seine Fahne geschrieben.