Mehr Leistung bei Motorentests 1

Insbesondere eignen sich die Prüfplätze für Spezialmaschinen der Multimegawattklasse, die zu den größten und leistungsstärksten elektrischen Antriebssystemen weltweit gehören. Das Siemens-Werk in Berlin investierte Millionen für diese Neuerungen. Rund 200 Maschinen und Systeme testet die Siemens-Division Drive Technologies pro Jahr im Dynamowerk in Berlin.

Bis 100 Megawatt

Eine direkte Strom-Einspeisung aus dem Kraftwerk ermöglicht seit letztem Jahr sehr große Systemtests im Prüffeld des Berliner Siemens-Werks. Zukünftig können bis zu fünf Hochspannungsmotoren H-Modyn von Siemens parallel getestet werden. Außerdem können ab sofort Spezialmaschinen mit einer Leistung von bis zu 100 MW großen Systemtests unterzogen werden. Auf diese Weise finden Tests statt, die die Bedingungen beim Kunden simulieren. Mario Kahlert, Leiter des Prüffelds Berlin erklärte: “Ein weiterer Vorteil für unsere Kunden besteht darin, dass die Tests dieser extrem leistungsstarken Motoren direkt in unserem Prüffeld stattfinden und nicht vor Ort in der eigentlichen Anlage. Nötige Anpassungen können also vorgenommen werden, ohne den Betrieb der Anlage zu unterbrechen. So profitiert der Kunde neben der erhöhten Zuverlässigkeit der Antriebssysteme auch von einer größeren Planungssicherheit bei der Inbetriebnahme.” Siemens produziert unter anderem Kompressormotoren für Gasverflüssigungsanlagen, Highspeed-Kompressoren für Gas- und Öl-Pipelines, Ringmotoren für Erzmühlen, Hauptantriebe für Walzwerke und Schiffe sowie weitere Spezialmaschinen von bis zu 100 Megawatt.

Umfassende Testmöglichkeiten

Auf über 3000 Quadratmeter überdachter Fläche und 2500 Quadratmeter betonierter Außenfläche stehen im Dynamowerk Berlin 15 Prüfplätze zur Verfügung. Modernste Prüffeldtechnologien, wie beispielsweise eine der größten Kühlanlagen in Europa mit einer Kühlleistung von fünf Megawatt, erhöhen die Anlagenverfügbarkeit und verbessern den Betriebsablauf.

Weitere Innovationen führen zu einer hohen Kapazität und Leistungsfähigkeit des Prüffelds: So ist es seit kurzem möglich, Mittelspannungsumrichter von Siemens wie Robicon Perfect Harmony direkt im Prüffeld in Berlin zu testen. Im Anschluss an Montage und interne Prüfung wird der Umrichter direkt auf die Antriebsmaschine geschaltet und das gesamte Antriebssystem geprüft. Dieses Verfahren verkürzt beim Kunden die Inbetriebnahmezeit von Motor und Umrichter. Eine weitere Neuerung betrifft das Spektrum der Drehzahlen mit Belastungsmaschinen, die bislang von 40 min-1 bis 12.000 min-1 reichten. Neuerdings bietet das Prüffeld Berlin zudem einen Prüfplatz für direkt getriebene Windkraftgeneratoren von bis zu 6 Megawatt mit einer Drehzahl von 10 min-1.

Im Dynamowerk können alle elektrischen Maschinen geprüft werden: Asynchron-, Synchron-, Gleichstrom- und Sondermaschinen. Mögliche Standardprüfungen sind unter anderem Leerlaufprüfungen, Kurzschlussprüfungen, Lastprüfungen, dynamische Prüfungen, Schwingungsmessungen, Geräuschmessungen, Belüftungs- und Explosionsschutzmessungen, Isolationsprüfungen sowie alle Sonderprüfungen zur Ermittlung der Maschinenparameter. Alle Messgeräte und -systeme sind nach den Richtlinien des Deutschen Kalibrierdienstes kalibriert. Das Prüffeld Berlin verfügt über eine eigene Kalibrierstelle, deren Kalibriernormale an die übergeordneten Prüfstellen, zum Beispiel an die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, angeschlossen sind. Die Prüfungen werden nach den einschlägigen Normen weltweit durchgeführt, beispielsweise nach der VDE-Norm (Verband der Elektrotechnik), der IEC-Norm (International Electronical Commission) oder der ANSI-Norm (American National Standards Institute). bf