Geld kann durchaus auch glücklich machen - alles eine Frage der Perspektive und der Geldsumme.

Geld kann durchaus auch glücklich machen - alles eine Frage der Perspektive und der Geldsumme. Bild: ©JiSign / Fotolia.com

Vielmehr setzen sich die Autoren wissenschaftlich mit dem Easterlin-Paradoxon auseinander. Dieses besagt, dass Menschen mit höherem Einkommen zwar glücklicher sind als Menschen mit niedrigerem Einkommen, dass aber der Anstieg der Einkommen aller nicht dazu führt, dass die durchschnittliche Lebenszufriedenheit wächst. Auf der Suche nach den Glücksfaktoren nehmen die Autoren diverse Forschungsergebnisse zu persönlichen Faktoren, wie beispielsweise die Ehe, unter die Lupe. Aber auch ökonomische Determinanten, wie Arbeitslosigkeit, Inflationsrate und Bildung. Außerdem beleuchten sie die Messmethoden, neue Daten und Analysen zum Easterlin-Paradoxon. Im Anhang schließlich erläutern die Autoren den wirtschaftswissenschaftlich interessierten Lesern die Dogmengeschichte der Glücksforschung. Und nein, am Ende des Buches erhält der Leser keine einfach gestrickte Antwort. Aber er sieht klarer als vorher und kann den Zusammenhang zwischen Wohlstand und Zufriedenheit sachlich fundierter einordnen.

Schäffer Pöschel - Geld macht doch glücklich – wo die ökonomische Glücksforschung irrt
"Geld macht doch glücklich – wo die ökonomische Glücksforschung irrt“ von Joachim Weimann, Andreas Knabe und Ronnie Schöb, Schäffer Poeschel, 214 S., ISBN 978-3-7910-3194-1. - Bild: Schäffer Pöschel

Das Wohltuende an dem hoch interessanten und dabei unterhaltsam geschriebenen Buch ist, dass die Autoren das emotionale Thema Glück wissenschaftlich aufgearbeitet haben und dementsprechend datenbasiert und ausgewogen argumentieren und sich nicht scheuen, verbleibende Lücken und Probleme wissenschaftlichen Ansetzens zu benennen. Damit braucht der Leser im Gegensatz zu den im Trend stehenden, nervenden Lebensratgebern mit Du-musst-es-doch-nur-so-machen-Anleitung kein schlechtes Gewissen zu haben. Ganz im Gegenteil: Weil sich die Glücksforschung nicht als normatives Konzept verwenden lässt, das vorschreibt, wie Dinge zu sein haben, bleibt der nach Glück strebende Leser als das gefordert was er ist, ein einmaliger und autonomer Mensch. Fazit: Absolut lesenswert!

Das erlebte die Redakteurin

Meine Idee, das Buch „Geld macht doch glücklich“ auf dem Nachhauseweg in der Münchner U-Bahn zu lesen, war gut gemeint, ging aber gründlich daneben. Eine baskenbemützte ältere Dame fühlte sich angesichts des Buchtitels berufen, mir ungefragt eine Moralpredigt zu halten, warum Geld eben nicht glücklich macht – wahrscheinlich hielt sie mich für eine geldgierige Investmentbankerin, und die sind ja zurzeit nicht sehr beliebt. Zu meinem Glück nahte die Endstation. In Anlehnung an Knigges Rat, nicht über Geld zu sprechen, lautet deshalb mein Tipp: Stülpen Sie eine undurchsichtige Hülle über das Buch, wenn Sie es in jenseits heimischer Gefilde lesen wollen. Es sei denn, Sie beabsichtigen, eine Diskussion anzuzetteln. Geld ist eben ein Reizthema.