Ingenieure und Konstrukteure, die eine Stelle suchen, sind also gut damit beraten, genau hinzusehen, was ein potenzieller Arbeitgeber bietet und dies mit den Leistungen weiterer möglicher Brötchengeber in anderen Regionen zu vergleichen. Genauso wichtig: was andere Berufskollegen mit vergleichbarer Qualifikation verdienen. Dabei gestalten sich die konkreten Zahlen für Berufseinsteiger noch relativ transparent. Denn bei ihnen kommen mangels Berufserfahrung weniger Faktoren zum Tragen als bei ihren älteren Kollegen und das Gehalt bemisst sich mehr nach der akademischen Leistung als später, wenn die persönlichen Fähigkeiten maßgeblich mitbestimmen, ob der Chef die begehrte Gehaltserhöhung gewährt. So spielen bei Berufsanfängern vor allem die Art des Studienabschlusses, also Bachelor, Master oder Promotion, die Branche, die Region und die Unternehmensgröße eine Rolle.

Nach den Zahlen von Staufenbiel/Personalmarkt verdiente ein Berufseinsteiger mit ingenieurswissenschaftlichem Studium im Jahr 2013 im Maschinen- und Anlagenbau im Durchschnitt 46.187 Euro. Mehr Geld gab es nur in den Branchen Automotive und Chemische Industrie mit 49.712 und 50.636 Euro. Dabei gilt die Faustregel: je größer das Unternehmen, desto besser das Gehalt. So durften sich Berufseinsteiger bei großen Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern über ein um etwa 6000 Euro höheres Gehalt (50.449 Euro) als Jungingenieure bei mittelgroßen Unternehmen (44.396 Euro) freuen.

Höhere Gehaltsstufen,
Wer die Karriereleiter erklimmt, kann viel verdienen. Die höchsten Gehälter verdienen Bereichs- und Hauptabteilungsleiter. Hier sind bis zu 116.801 Euro Bruttojahresgehalt möglich. Ein Abteilungsleiter erhält durchschnittlich noch 79.565 Euro, ein Gruppen- oderTeamleiter liegt im Median bei 71.275. Quelle: Gehaltstest www.ingenieurkarriere.de (Bild: Gehaltstest www.ingenieurkarriere.de)

Letztere bekamen etwa 3000 Euro mehr als Berufsanfänger in kleinen Unternehmen (41.647 Euro). Wer in finanzieller Hinsicht beim Berufseinstieg das Bestmögliche für sich rausholen möchte, sollte also eine Tätigkeit beim Konzern anstreben – sofern ihm die dort vorzufindenden, häufig hierarchischeren Strukturen als beim Mittelständler und das oftmals enger umgrenzte Aufgabengebiet liegen. „Ausnahmen bestätigen die Regel, aber Konzerne zahlen meist deutlich besser als kleinere Unternehmen“, bestätigt auch Gerharz. „Entscheidend ist aber letztlich natürlich die Qualifikation. Ein mittelmäßiger Ingenieur wird auch im Weltkonzern kein Großverdiener.“

Generell gesehen zahlen tarifgebundene höhere Gehälter als nicht tarifgebundene Unternehmen, wie das WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Danach erhält ein Hochschulabsolvent der Ingenieurwissenschaften in der Metall- und Elektrobranche in einem tarifgebundenen Unternehmen mit durchschnittlich 47.232 Euro etwa 6250 Euro mehr pro Jahr als sein Studienkollege, der im nicht tarifgebundenen Unternehmen arbeitet. Vor der Gehaltsverhandlung mit einem möglichen Arbeitgeber hilft also auch ein Blick auf die Gehälter, die die IG Metall für die jeweiligen Bundesländer ausgehandelt hat. So erhält ein Ingenieur mit Bachelor in der niedersächsischen Metallindustrie seit dem 1. Mai 2014 ein jährliches Bruttogrundgehalt von 49.319 Euro. Im zweiten Berufsjahr kommt er danach auf 51.636 Euro, mit Leistungszulage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld insgesamt auf 55.941 Euro. Ein Ingenieur mit Master verdient im ersten Jahr 56.270 Euro (ohne Leistungszulage, Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld) und im zweiten Berufsjahr 58.574 Euro; mit Leistungszulage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld insgesamt  64.424 Euro.

Selbstverständlich hängt der konkrete Verdienst aber auch von der Position ab, auf die man sich bewirbt. Nach der von den VDI Nachrichten ermittelten Studie „Ingenieureinkommen 2002 bis 2013“, für die sie die Daten von 11.986 Ingenieuren auswerteten, fängt der Großteil der Berufseinsteiger als Projektingenieur, als Teilnehmer eines Projektteams oder als Ingenieur-Sachbearbeiter an, wobei Ingenieur-Sachbearbeiter mit einem Jahresgehalt von etwa 44.227 Euro durchschnittlich etwa 570 Euro weniger als Projektingenieure verdienen. Doch Sachbearbeiter ist nicht gleich Sachbearbeiter: Wer im Vertrieb arbeitet bekommt mehr als jemand in der Entwicklungsabteilung und deutlich mehr als jemand in der Konstruktion.

Auffälliges Nord-Süd- und West-Ost-Gefälle

Gerade den Tätigkeitsort sollten angehende und berufserfahrene Ingenieure nicht unterschätzen: So lag das Einstiegsgehalt laut Staufenbiel/Personalmarkt ohne Aufteilung nach Fach und Branche – im Postleitzahlgebiet 8 mit 47.272 Euro am höchsten, im Postleitzahlgebiet 0 gab es im Durchschnitt nur 36.352 Euro. Auch Gerharz spricht vom Nord-Süd-Gefälle, das sich häufig bemerkbar mache: „In Bayern und Baden-Württemberg ist bereits für Nachwuchsingenieure mehr Gehalt drin als in östlichen oder nördlichen Regionen. Generell liegen die Ballungszentren vorne.“

Nach der von den VDI Nachrichten ermittelten Studie „Ingenieureinkommen 2002 bis 2013“ gibt es die höchsten Einkommen mit einem durchschnittlichen Brutto-Jahresentgelt von 64.920 Euro im Ballungsraum Düsseldorf, wobei nicht zwischen Berufseinsteigern und -erfahrenen unterschieden wurde. Ingenieure und Konstrukteure sollten vor dem Zuzug in Hochpreisregionen allerdings auch die dortigen Mieten und Lebenshaltungskosten genau unter die Lupe nehmen und vom zu erwartbaren Nettoeinkommen abziehen. Denn horrende Kosten wie beispielsweise in München, wo die Wiedermietungsmiete laut Pressemitteilung der Stadt vom 29. 9. 2014 im Durchschnitt mittlerweile bei 15,03 Euro pro Quadratmeter liegt, zehren kräftig am Einkommen. „Unter dem Strich kann es sich schon einmal lohnen, auf ein paar hundert Euro Gehalt zu verzichten, wenn im Gegenzug die geringeren Kosten diesen Verzicht mehr als nur ausgleichen“, rät Gerharz. „Zum Beispiel lohnt sich Wolfsburg im Gesamtpaket von Gehalt und Kosten für Ingenieure eher als München oder Stuttgart – obwohl dort die Gehälter im Schnitt höher sind.“

Kritisch prüfen sollten Hochschulabsolventen auch den Berufseinstieg bei Entwicklungsdienstleistern. „Wir verzeichnen dort eine sehr große Bandbreite an Gehältern und verurteilen auch das teilweise vertretene Lohndumping. Auch die Arbeitsbedingungen entsprechen teilweise nicht dem Standard“, klärt Johannes Katzan vom IG Metall Vorstand auf.

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