Entweder - Oder, Bild: © wenchiawang - Fotolia.com

Alles andere als niedlich: ein Kreativitätsvampir. Bild: © wenchiawang - Fotolia.com

„Kreativitätsvampir“ ist der Sammelbegriff für kreativitätshemmende Faktoren, die so manches schwungvolle Vorhaben zum Scheitern bringen. Dabei sind Kreativitätsvampire im Sinne von Ideenkillern allerdings nicht gleichzusetzen mit Personen, die sich negativ auf Kreativität auswirken, sondern es handelt sich um einflussnehmende Größen, die sich im eigenen Verhalten manifestieren.

Profil des Kreativitätsvampirs Entweder-Oder-Denken

Ein verlässliches Urteilsvermögen gehört im heutigen Berufsleben zur „Grundausstattung“. Hier ist es von Vorteil, wenn man den Blick für das Wesentliche schärft und in der Lage ist, komplexe Situationen einzuschätzen und Entscheidungen zu fällen.

Man benötigt also ein Erfahrungsrepertoire und oft die Fähigkeit, den jeweiligen Sachverhalt zu vereinfachen. Diese Fähigkeit kann sehr nützlich sein, gerade in einer globalen Gesellschaft, in der laut Beobachtungen und Aussagen von Zukunfts- und Gesellschaftsforschern die Vielfalt und Komplexität immer mehr zunehmen. Um aktuelle Phänomene zu verstehen, um Entscheidungen zu treffen und um eine solide Handlungsbasis zu schaffen, benötigt der Mensch Orientierung und Vereinfachung.

Permanentes Abwägen hemmt

Ingrid Ute Ehlers, Bild: Alexander Paul Englert
Ingrid Ute Ehlers unterstützt seit über 20 Jahren im Innovationsprozess. Bild: Alexander Paul Englert

Ein permanentes Abwägen und das Berücksichtigen von „sowohl als auch“-bezogenen Aspekten hemmt die Entscheidungsfreude, was häufig dazu führt, abzuwarten und immer tiefer in komplexe Strukturen einzutauchen. Das entscheidungsvorbereitende „Entweder-Oder“-Denken kann somit eine erleichternde Wirkung entfalten und die sogenannten Informationskosten, die aus investierter Zeit und Mühe bestehen, senken.

Insgesamt ist in der Gesellschaft eine deutliche Sehnsucht nach Vereinfachung erkennbar. Man wünscht sich in hochkomplexen Zeiten klare Richtlinien und vereinfachende Handlungsanweisungen. Dies schlägt sich nieder in einer allumfassenden „Simplify your life“-Ratgeberlandschaft, die sofortige Komplexitätsreduktion mit einfachen Schritten verspricht.

Einfache Heuristiken nutzen

Auch in der Ökonomie geht es immer wieder darum, einfache Heuristiken zu nutzen, um handlungs- und entscheidungsfähig zu sein und zu bleiben. Jedes Modell hat die Funktion, komplexe Sachverhalte zu veranschaulichen und herunter zu brechen durch entsprechende Annahmen und Implikationen. So weit, so gut. Die Frage ist allerdings, wie stark der Vereinfachungsgrad ist, welchen Kompass man nutzt, um sich durch die komplexe Realität hindurch zu arbeiten.

Entweder-Oder-Denken kann sich somit auch so entwickeln, dass der Grad der Vereinfachung extrem zunimmt, wobei sich überspitzte Beurteilungen herausbilden. Durch diese Wahrnehmung ergeben sich nur noch extreme Positionierungen:

  • vollkommen wahr oder vollkommen unwahr,
  • komplett nützlich oder komplett schädlich,
  • absolut „schwarz“ oder absolut „weiß“.

Mit einer solchen holzschnittartigen Betrachtung verliert man die „Zwischentöne“ und es entfaltet sich eine förmliche „Kategorisierungswut“. Damit werden viele Denkansätze im Keim erstickt. Kreative Gedankengänge und fantasievolle Visionen fallen durch das Raster, wenn sie nicht eindeutig zuzuordnen ist

Kurzum, unter diesem Einfluss bringt man sich (und andere) um Chancen zur Optimierung, Entwicklung und Innovation. Insgesamt kann sich voll erblühtes Entweder-Oder-Denken negativ auf die Arbeitsweise und den Umgang miteinander auswirken. Somit sind Schutzmaßnahmen angebracht.

Buchtipp

Noch mehr über Kreativitätsvampire können Sie nachlesen im Fachbuch „Ideen managen - eine verlässliche Navigation im kreativen Problemlösungsprozess“ von Annette Blumenschein und Ingrid Ute Ehlers, Springer Gabler Verlag Wiesbaden 2016.