Auf dem Weg zu neuen Innovationen fehlt einem manchmal das richtige Puzzlestück.

Auf dem Weg zu neuen Innovationen fehlt einem manchmal das richtige Puzzlestück. Ideenfindungstechniken können hier weiterhelfen. Bild: Trueffelpix / Fotolia.com

Originelle Ideen mit Innovationspotenzial sind für Unternehmen im globalen Wettbewerb viel zu wichtig, als dass man sie dem Zufall überlassen darf. Es braucht also Ideen€findungstechniken und ein strukturiertes Herangehen. Wer radikal neue Ideen sucht, und dies wirklich ernst meint, der sollte aber mit anderen Denkweisen als den üblichen auf die Suche gehen. Denn Neues € findet sich nicht auf alten ausgetretenen Pfaden. Gerade im Routinemodus kann das Gehirn zwar effzient funktionieren, doch bewährte Muster verlässt man so keinesfalls. Erfahrungswissen ist wichtig – es erleichtert und beschleunigt viele Abläufe, wenn man darauf zurückgreifen kann. Doch immer, wenn neue Ansätze dringend gefragt wären, kann die Dringlichkeit dazu führen, dass beim Entwickeln der neuen Lösungen eine gedankliche Hektik ausbricht, die blockieren kann: Weil man glaubt, keine Zeit zu haben für aufwendigen Technikeinsatz, weil man sich lieber auf die Wir-machen-es-wie-immer-Methode verlässt, weil sich die Überzeugung lieber linear vorgehen statt Umwege riskieren oder lieber logisch in Kausalketten als ein kreatives Experiment wagen einschleicht oder weil man zwar kreative Techniken kennt, aber zwischen Kennen und Können eine Lücke besteht.

Weit weg vom Tunnelblick

Annette Blumenschein trainiert seit 1995 kreative Kompetenzen. Bild: Dr. Helmut Rüb, HR-Fotografie
Annette Blumenschein trainiert seit 1995 kreative Kompetenzen. Bild: Dr. Helmut Rüb, HR-Fotografie

Gerade in hektischen Situationen wird es Zeit für einen Umweg, auch wenn dies zunächst widersinnig erscheint. Doch gerade jetzt geht es darum, den Blick zu weiten, wenn Druck und Zeitmangel die Gedanken verengen und zum sprichwörtlichen Tunnelblick führen. Gerade bei der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren ist es von Bedeutung, dass spielerisches Ausprobieren, gedankliches Probehandeln sowie eine lösungsneutrale Grundhaltung Raum bekommen darf. Wer zu früh an Absicht, Nutzen, Machbarkeit, Zielerreichung denkt, blockiert die Potenziale wirklich origineller, teilweise auch verrückter Ideen, Gedankengänge und Lösungen. Gerade im Umweg kann die Chance liegen, das Gehirn so zu provozieren, dass völlig Neues hervorgebracht werden kann.

Das Gehirn zu Neuem reizen

Ingrid Ute Ehlers unterstützt seit über 20 Jahren im Innovationsprozess. Bild: Alexander Paul
Ingrid Ute Ehlers unterstützt seit über 20 Jahren im Innovationsprozess. Bild: Alexander Paul Englert

Der Umweg beginnt damit, dass man das Gehirn mit entsprechenden Anregungen versorgt. Ideenfindungstechniken bringen das Gehirn auf neue Ideen – durch Querdenker-Prinzipien wie Inspiration, Provokation, Perspektivwechsel, Richtungswechsel. Neben den weitverbreiteten Ideen! ndungstechniken Brainstorming und Brainwriting existiert beispielsweise die Reizwortanalyse, die auf Produktentwicklung, Entwicklung und Optimierung von Serviceangeboten, und die Konzeption von Erlebniswelten wie Tagungen, Messen und Events anwendbar ist. Entwickelt haben die Technik, die sich für Gruppenarbeit und Anwendung im Alleingang eignet, die Unternehmensberater Horst Geschka und Helmut Schlicksupp sowie der Diplom-Ingenieur Götz Schaude. Sie verwendet Wortassoziationen, die durch zufällig ausgewählte Reizworte entstehen und die mit dem Ausgangsproblem nichts zu tun haben. Dabei geht man in vier Schritten vor. Erster Schritt: Finden von Reizwörtern. Dies geschieht beispielsweise, indem man in einem Wörterbuch oder anderem Printmedium eine beliebige Seite aufschlägt und mit dem Finger auf ein Wort tippt. Zweiter Schritt: Freie Assoziationen zum Reizwort. Das bedeutet, dass man sammelt, was einem spontan zu dem zufällig gefundenen Begriffen einfällt. Dritter Schritt: Differenzierte tiefer gehende Wortanalyse zu den Assoziationen. Man schmückt also die gesammelten Assoziationen weiter aus. Vierter Schritt: Rücktransfer der Assoziationen auf die Ausgangsfrage. Hierzu überlegt man, wie man die gefundenen Assoziationen als Lösung für die gestellte Aufgabe benutzen kann. In einem Anwendungsbeispiel könnte das so aussehen: Ein Sportartikelhersteller möchte zusätzliche Geschäftsfelder identifizieren. Neben sportbegeisterten Menschen, der bisherigen Kernzielgruppe des Unternehmens, sollen Menschen angesprochen werden, die beruflich sehr eingebunden sind, die sich daher nicht in Sportvereinen engagieren können, aber trotzdem etwas für ihre Gesundheit und Beweglichkeit tun möchten. Die Aufgabe lautet: Wie können beruflich stark eingebundene Menschen am Arbeitsplatz ihre Beweglichkeit und Gesundheit fördern?