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Für ein kreatives Workshop-Klima kann man einiges tun. Schon die Art, wie der Moderator die Frage formuliert, kann die Teilnehmer blockieren oder anregen. Bild: Rawpixel / Fotolia.com

Unternehmen, die sich im globalen Wettbewerb durchsetzen wollen, benötigen ständig neue Lösungen, um vorhandene Produkte und Prozesse zu optimieren – oder um völlig neue wertschöpfungssteigernde Wege zu entdecken. Die Ideenfindung in der Gruppe bietet sich an, um das vorhandene Potenzial der Fachkräfte zu nutzen und zu bündeln. Denn durch eine Befragung dieses kollektiven Gehirns lassen sich vielschichtige und facettenreiche Lösungen finden. Meist geschieht dies im Arbeitsalltag innerhalb von Meetings. Das Problem dabei: Häufig blockieren ehrgeizige Ziele, unklare Aufgaben und unbewusste Moderationsfehler den kreativen Ideenfindungsprozess bei den Teilnehmern. Doch wie lässt sich ein Kaltstart in die Ideenfindung verhindern und ein guter Ideenfluss sichern? Voraussetzung dafür ist, dass der Moderator kreativitätsaktivierende Basisregeln einsetzt und sich entsprechend vorbereitet. Dies beginnt bereits mit der sorgfältigen Aufgabenformulierung. Ohne klare Anweisung erhält das Gehirn zu ungenaue Impulse, wofür es Lösungsansätze produzieren soll, und so endet die Ideenfindung möglicherweise in der Diffusität.

Mögliche Folgen sind: Irritation bei der Anwendung einer Ideenfindungstechnik oder eine geringe Ideenausbeute. Manche Formulierungen bremsen kreative Ideen bereits im Vorfeld der Ideenfindung aus, zum Beispiel eine Verneinung, ein unklarer Begriff oder ein gedankenlos verwendeter Konjunktiv. Dadurch entstehen Barrieren bei der Ideenfindung. Denn wie sollen Inspirationen entstehen, wenn die Frage selbst nicht inspiriert?

Vor der Ideenfindung das Ziel fokussieren

Bild: Sergey Nivens / Fotolia.com
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Um solche Barrieren zu vermeiden, empfiehlt sich ein sorgsamer Blick auf die Formulierung. Der Moderator sollte die Aufgabe so formulieren:

  • Als offene Frage,
  • in der Gegenwartsform,
  • frei von irritierenden Konjunktiven wie „würde”, „könnte”, „müsste”,
  • ohne sprachliche Verwässerungen wie „eigentlich“, „irgendwie“, „eventuell“,
  • in der Ich- oder Wir-Form, nicht mit unpersönlichen „Man-Formulierungen“,
  • mit eindeutigen und klar verständlichen Begriffen und möglichst ohne komplizierte Fachausdrücke,
  • frei von Formulierungen, die Stress oder Druck auslösen („schneller“, „am schnellsten“, „besser“, „total“, „in kurzer Zeit“),
  • positiv ausgedrückt, das heißt so, dass der angestrebte Wunschzustand und nicht der zu vermeidende formuliert wird.

In einem beispielhaften Szenario könnte das in etwa so aussehen: Ein Hersteller von Outdoor-Ausrüstungen hat als Kernzielgruppe sportaffine Menschen, die sich als naturbegeisterte Abenteurer charakterisieren lassen. Aktuell hat das Unternehmen eine weitere Zielgruppe im Visier: Männer, die sich liebevoll um ihre Familie kümmern, die neue Generation Y mit ihrer Techniknähe, mit Spaß am Improvisieren und mit dem Wunsch, Zeit mit der Familie zu verbringen. Hier erkennt das Unternehmen ein beträchtliches Marktpotenzial und will nun Produkte für diese Zielgruppe entwickeln. Dafür soll ein Kreativmeeting mit gezielter Ideenfindung durchgeführt werden. Zunächst geht um die für das Kreativmeeting notwendige Aufgabenformulierung.

Bei der Anwendung der Richtlinien sind zur Verdeutlichung zunächst jeweils Negativbeispiele angeführt:

  • Als offene Frage – das Negativbeispiel lautete so: „Sollen wir neue Produkte für naturbegeisterte Abenteurer und ihre Familien entwickeln?“ Dies kann man nur mit ja oder nein beantworten, es ist somit eine geschlossene Frage.
  • In der Gegenwartsform – hier lautete das Negativbeispiel wie folgt: Fragen, die in Vergangenheits- oder Zukunftsform formuliert sind, zum Beispiel „Womit werden wir die Zielgruppe Familien künftig überzeugen?“
  • Frei von irritierenden Konjunktiven wie „würde”, „könnte”, „müsste”. Negativbeispiel: „Was könnten wir entwickeln, das sportaffine Abenteurer und ihre Familien begeistern würde?“
  • Ohne sprachliche Verwässerungen wie „eigentlich“, „irgendwie“, „eventuell“. Negativbeispiel: „Wie können wir die Zielgruppe sportaffine Abenteurer eventuell irgendwie erreichen?“
  • In der Ich- oder Wir-Form, nicht mit unpersönlichen „Man-Formulierungen“. Negativbeispiel: „Wie kann man denn naturbegeisterte Abenteurer und ihre Familien ansprechen?“
  • Mit eindeutigen und klar verständlichen Begriffen unter Vermeidung von komplizierten Fachausdrücken. Negativbeispiel: „Wie unterstützen wir Familien bei der Evolution ihrer kognitiven Karte und bei proaktivem Outdoor-Resilienztraining?“
  • Frei von Formulierungen, die Stress oder Druck auslösen („schneller“, „am schnellsten“, „besser“, „total“, „in kurzer Zeit“). Negativbeispiel: „Wie können wir die besten Outdoor-Produkte für Familien in kurzer Zeit entwickeln und damit Marktführer werden?“
  • Positiv ausgedrückt, das heißt so, dass der angestrebte Wunschzustand und nicht der zu vermeidende formuliert wird. Negativbeispiel: „Wie können wir verhindern, dass unser Produktportfolio für die neue Zielgruppe weiterhin unsichtbar bleibt?“
  • Ergebnisoffen, ohne bereits einen konkreten Lösungsweg vorzugeben. Negativbeispiel: „Wie gelingt die Entwicklung neuer Outdoor-Produkte für Familien, speziell unter Nutzung sozialer Netzwerke?“
  • Schriftlich fixiert und damit nachvollziehbar. Negativbeispiel: Rein mündliche Vereinbarungen, die dann nicht mehr greifbar sind.

Anhand der genannten Negativbeispiele lässt sich die verunsichernde und demotivierende Wirkung von unausgereiften Fragestellungen nachvollziehen. Hält der Moderator hingegen die Regeln zur Aufgabenformulierung ein, ergibt sich beispielsweise als Aufgabe an die Teilnehmer die Formulierung „Wie bieten wir naturbegeisterten Abenteurern die Möglichkeit, die Faszination der Natur gemeinsam mit ihren Familien zu erleben?“ Damit ist eine Aufgabenformulierung gefunden, die zur inspirierenden Ideenfindung einlädt.