| von Wolfgang Kräußlich

Die Zahl von berufsbedingten Verletzungen und Erkrankungen ist seit Jahren rückläufig. Ist die Industrie nicht auf einem guten Weg?

Nun, viel wurde durch klassischen Arbeitsschutz erreicht: Gehörschutz, Sicherheitsschuhe, Maschinensicherheit. Und auch die gröbsten ergonomischen Schnitzer wurden beseitigt. Aber meiner Meinung nach rückt die Ergonomie jetzt erst so richtig in den Fokus, weil unsere Arbeitnehmer immer älter werden. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen auf das Rentenalter zu. Um Engpässe zu vermeiden, sollten ältere Jahrgänge länger im Arbeitsleben gehalten werden. Teilweise müssen sie ja auch länger arbeiten, weil das Renteneintrittsalter steigt. Und damit sie das können, muss die Ergonomie der Maschinen steigen – schon für die jüngeren Menschen.

Uwe Kunitschke, Haseke, Bild: ke NEXT
Dipl.-Ing. Uwe Kunitschke ist Geschäftsführer des Tragarm- und Ergonomie-Spezialisten Haseke in Porta Westfalica. Bild: ke NEXT

Warum sollen hier Ihre Tragarmsysteme helfen?

Unser Leitgedanke war es schon immer, Technik für den Menschen zu bauen. Die Funktion bestimmt die Form, und wenn die Funktion an einer bestimmten Maschinenstelle die einer Mensch-Maschine-Schnittstelle ist, dann muss sich diese Schnittstelle an den Menschen anpassen. Und es ist doch so: Den Norm-Menschen gibt es nicht. Der ist mal 170 cm groß, mal 190 cm. Oder größer, oder kleiner. Die ideale feste Position für ein Bedienpanel kann es also gar nicht geben. Deswegen kann man unsere Systeme nicht nur seitlich schwenken, etwa um sie mitzunehmen oder aus der Sichtlinie zu schieben, sondern man kann unsere Tragarme auch in der Höhe verstellen.

Damit ältere Mitarbeiter sich hinsetzen können?

Interessanterweise ist es andersherum: Jüngere Arbeitnehmer arbeiten gerne im Sitzen, während Ältere lieber stehen. Außerdem wird heute oft im Dreischichtbetrieb gearbeitet, da hat man womöglich morgens eine kleine Frau, nachmittags einen mittelgroßen älteren Mann und nachts einen zwei Meter großen jungen Mann. Zudem muss heute häufiger als füher auf das Bedienpanel zugegriffen werden, sodass eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung vor allem qualifizierten Fachkräften zu Gute kommt. All das muss der selbe Arbeitsplatz abdecken. Unser Vertrieb stellt immer wieder fest, dass die Vorteile verstellbarer Systeme vielen noch nicht so bewusst sind.

Sie achten bei Ihren Produkten auch auf Ästhetik. Warum?

Zum einen, weil unsere Kunden stärker auf das Maschinendesign achten, zum anderen aber auch, weil wir denken, dass der Mensch an einem schönen Arbeitsplatz lieber arbeitet. Deshalb arbeiten wir mit Designbüros zusammen und haben auch schon Preise gewonnen – aktuell zum Beispiel mit unserem neuen HMA Lift 25.

Hintergrundwissen: Ergonomie

Die Ergonomie (altgriechisch ergon = Arbeit, nomos = Gesetz) ist die Wissenschaft von der Gesetzmäßigkeit menschlicher Arbeit. Zuerst verwendet und definiert wurde der Begriff 1857 von Wojciech Jastrzębowski. Ziel der Ergonomie ist es, Arbeitsabläufe räumlich und zeitlich optimiert anzuordnen und die Arbeitsgeräte für eine Aufgabe so zu optimieren, dass das Arbeitsergebnis einerseits qualitativ und wirtschaftlich bestmöglich wird und andererseits die arbeitenden Menschen möglichst wenig ermüden oder gar geschädigt werden – selbst wenn sie die Arbeit über Jahre hinweg ausüben. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Benutzerfreundlichkeit der Mensch-Maschine-Schnittstelle.

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