Compamed, Bild: Messe Düsseldorf

Die Compamed feiert Jubliäum: Seit 25 Jahren treffen sich in Düsseldorf die Aussteller der Medizintechnik. 2016 hält die Digitalisierung endgültig Einzug. Bild: Messe Düsseldorf

Welche Fortschritte bringt die Zukunft für die Medizin? Wer einen Blick in die Krankenhäuser und die medizinischen Einrichtungen der Zukunft werfen möchte, der sollte im Herbst nach Düsseldorf fahren. Dort findet jedes Jahr die Medizin-Messe Medica statt. Zeitgleich sorgen die Aussteller auf der Zulieferermesse Compamed in den Hallen 8a und 8b für Einblicke in die technologischen Neuerungen. Und 2016 sieht man, dass die Digitalisierung vor der Medizintechnik nicht Halt macht. Außerdem setzt sich der Trend zur Miniaturisierung weiter fort. Immer kleinere und kostengünstigere Medizintechnik ist gefragt und in immer mehr Fällen sollen diese dann auch intelligent und vernetzbar sein. Von den Zulieferern werden entsprechend immer feinere, leichtere und doch zugleich leistungsfähigere Komponenten, Bauteile, Chips und Funkmodule gefordert. Zugleich wächst entsprechend die Nachfrage nach Energie- sowie Datenspeicher. Und die Compamed hat einen wesentlichen Vorteil für die Branche. Denn dort sind sie in unmittelbarer Nähe zu potenziellen Kunden, den Ausstellern der Medica. Aber auch die Zahlen des letzten Jahres lassen hoffen. Fast 19.000 Fachbesucher zählte die Messe 2015. Da im letzten Jahr auch die Laufzeit der Compamed an die Medica angepasst wurde, herrscht genug Grund für Optimismus bei den Medizintechnikern.

Miniaturisierung und Automatisierung

medizintechnische Neuerungen
Durch komplexe medizintechnische Neuerungen können minimalinvasive und zugleich hochpräzise Eingriffe realisiert werden. Bild: Messe Düsseldorf

Die Miniaturisierung ist eine der wesentlichen Herausforderungen an die Medizintechnik. So müssen komplexe Geräte mit möglichst kleinen Abmessungen entwickelt werden. Viele Anwendungen in der Medizintechnik sind ohne diese Helfer heute fast undenkbar. Das erfordert besondere Kompetenzen zur Auslegung einer Systemlösung in der Luft- und Antriebstechnik. Bei Ebm-Papst hat man sich deshalb gezielt mit Antrieben beschäftigt, die möglichst wenig Abwärme erzeugen und dennoch ein Höchstmaß an Steuer- und Regelbarkeit garantieren. Außerdem kommen leistungsfähige und geräuscharme Lüfter zum Einsatz, um so High-Tech-Lösungen für Anwendungen in der Medizintechnik anbieten zu können.

Auch Sensirion wirbt 2016 nicht nur mit dem geringen Platzbedarf des selbstentwickelten Differenzdrucksensor – nach eigenen Angaben ist der SDP3x der kleinste Sensor seiner Art – sondern auch mit der Kompatibilität mit mobilen Anwendungen. Mit einer Größe von fünf mal acht mal fünf Millimeter können nun auch Geräte mit einem Sensor ausgestattet werden, die bis dahin aus Platzgründen nicht vernetzt werden konnten. Zusätzlich können bestehende Geräte dank des kleinen Sensors um ein Vielfaches kleiner gestaltet werden. Auch messtechnisch soll der Sensor mit Genauigkeit und Langzeitstabilität überzeugen und ist zudem frei von Nullpunktdrift. Der SDP3x basiert auf der neuesten Generation der CMOSens Sensorchips und ist das Herzstück von Sensirions neuer Sensorplattform zur Messung von Differenzdruck und Massenfluss. Zum Einsatz wird der Sensor in Medizingeräten und der Heimpflege kommen, aber auch in portablen Medizingeräten und bei intelligenten Inhalatoren. Darüber hinaus bietet sich der Sensorzwerg auch als neue Alternative für die Messung von Massenfluss in einer Bypass-Konfiguration an.

Neue Technik für den OP

Doch nicht nur in der Miniaturisierung zeigen die Aussteller der Compamed, was in Zukunft möglich ist. Auch im Operationssaal wird weiter an Technologien gefeilt, die bessere, weil minimalinvasive Eingriffe, ermöglichen. Vom Fraunhofer ENAS wurde ein MRT-taugliches Mikroendoskop mit Ultraschallfunktion entwickelt, dass ebenso für die Diagnose wie auch für die Therapie genutzt werden soll. Der integrierte Endoskopkopf ist mit zwei Lichtleitern und einem Ultraschallwandler ausgestattet und ist nur wenige Millimeter groß. Er besteht sowohl aus Keramik als auch aus Kunststoff, um Störungen bei der Bildgebung des MRTs zu verhindern. Die Ultraschallfunktion wird angewendet, indem mithilfe akustischer Wellen Tumorzellen zerstört werden. Zum Einsatz kommen soll das Gerät mit seinen Hightech-Komponenten für Untersuchungen im Gehirn bei Alzheimer, Parkinson oder Krebserkrankungen.

Licht als Werkzeug bleibt auch auf der fünfundzwanzigsten Compamed Thema und wichtiges Geschäftsfeld für Auftragsfertiger und Technologieberater. Micreon beispielsweise hat sich auf die Mikrobearbeitung mit Ultrakurzpulslasern im Piko- und Femtosekundenbereich spezialisiert. Mit derartigen Lasern soll eine deutlich höhere Bearbeitungsqualität als bei herkömmlicher Lasertechnik erreicht werden. Die Energie im Festkörpermaterial wird durch den Ultrakurzpulslaser lokal so stark konzentriert, dass eine direkte Ionisierung des Materials ohne Schädigung der Umgebung möglich ist. „Der Vorteil unserer Lasertechnik liegt in der extrem schädigungsarmen Bearbeitung aller festen Materialien mit Genauigkeiten von einem Mikrometer“, erklärt Dr. Frank Korte, Geschäftsführer und Leiter Forschung und Entwicklung bei Micreon. Das Unternehmen bietet in der Lasermikrobearbeitung insbesondere die Verfahren Feinschneiden, Mikrobohren und Strukturierung an. Beim Bearbeiten von Stents aus Biopolymeren sind vor allem die Qualität der Schnittkanten und die geringe Schädigung des Bauteilmaterials von großem Vorteil.