Roboter übergibt Wasserglas an Menschen, Bild: Schunk

In der Assistenz- und Servicerobotik eröffnet die DGUV-zertifizierte 5-Finger-Greifhand Schunk SVH neue Möglichkeiten beim kollaborierenden Greifen. Bild: Schunk

Die Roboter kommen, so war es schon vor Jahrzehnten zu hören. Heute fertigen Roboter in Armeestärke in den Fabrikhallen der modernen Industrienunternehmen. Dass sich dort nun etwas Neues tut, konnte sehen und hören, wer auf der Hannover Messe 2017 war. Denn die agilen Maschinen kommen jetzt als Cobots nahe an den Menschen heran. In Konzeptstudien und an ersten Prototypen war das schon vorher zu sehen, nun aber geht die Branche den nächsten Schritt: Die Cobots sind bereit, richtig anzupacken. Anders gesagt: Aus dem mechanischen Praktikanten wird ein ernstzunehmender Kollege.

Roboter auf Siegeszug

Joe Gemma, Präsident der International Ferderation of Robotics (IFR), kommentiert die Entwicklung hin zu immer mehr eingesetzter Robotik so: „Die Automation ist zentraler Wettbewerbsfaktor für die klassisch produzierenden Konzerne, zunehmend aber auch für kleinere und mittlere Firmen rund um den Globus.“ Für ein Hochlohnland wie Deutschland ist es deshalb unabdinglich, in diesen Technologiebereich zu investieren. Die Voraussetzungen könnten dabei durchaus schlechter sein, denn das Land hat einige mittelständische Unternehmen zu bieten, die global Kompetenz- und Technologieführerschaft im Bereich der Robotik für sich beanspruchen. Dabei sind die heutigen Roboter schon mit allerlei Features ausgestattet, die es ermöglichen, aus den klassischen Fertigungslinien auszubrechen, um Seite an Seite mit den Menschen zu fertigen.

Laut der letzten Studie der IFR zur Entwicklung der Roboterbranche werden die technologischen Trends in Zukunft entsprechend auch bei der vereinfachten Anwendung, der Mensch-Maschine-Kollaboration und im Bereich der Leichtbau-Roboter liegen. Darüber hinaus sollen zukünftig Innovationen für eine einfachere Integration der Roboter in vorhandene Produktionsprozesse stehen. Um die Entwicklung weiter voranzutreiben, erwarten die Experten des IFR auch massive Neuerungen in Richtung von Low-Cost-Angeboten und Robotersystemen, die modular aufgebaut sein werden und die so helfen werden, den Automatisierungsgrad der Produktion noch weiter zu führen.

Peripherie noch ausbaufähig

Dafür benötigen die mechanischen Kollegen jedoch intelligente Peripheriekomponenten. Diese standen jedoch in der Diskussion über eine schnelle und sichere Automatisierung bisher selten im Fokus. Dirk Rokossa, Professor für Handhabungstechnik und Robotik an der Hochschule Osnabrück, fasst das so zusammen: „Wir sind robotertechnisch ziemlich gut ausgestattet, aber es fehlt uns an der Peripherie. Wenn Sie sich heute die Aufgabe stellen, dass Sie im Sinne der Automatisierung eine Montageanlage einführen, dann würden Sie am Markt sicher einen kollaborativen Roboter finden.“

Doch zugleich werden die Roboter von A wie ABB bis Y wie Yaskawa ohne Komponenten in der Peripherie ausgeliefert. Nun wird kein Roboter als smart bezeichnet werden können, dem es an der notwendigen Ausstattung fehlt, um in der Fertigungslinie produktiv mitzuarbeiten, auch wenn er dabei sicher, agil und lernfähig ist. „Hier ist man sofort beim Thema Roboterperipherie und Greifer. Der muss dann genau so sensitiv ausgestattet sein, wie der Roboter, sodass man von dort ausgehend eine sichere Anlage konzipieren kann. Das sind die Themen, die wir seit zwei Jahren ganz massiv merken“, sagt Rokossa.