Getriebe für die Robotik, Bild: Nabtesco

Weltweit in vielen Robotern verbaut: Getriebe von Nabtesco. Bild: Nabtesco

Welche Trends bei Getrieben für die Robotikbranche beobachten Sie gerade?

Der große Trend, den man zurzeit sieht, ist, dass Getriebe kleiner werden müssen: sowohl was die Drehmomente angeht, als auch von der Bauform her. Denn gerade im Robotikbereich mit Traglasten kleiner als zehn Kilogramm, der außerhalb der klassischen Anwendungen in der Automobilindustrie liegt, passiert gerade
einiges.

Bei den klassischen Anwendungsgebieten der Robotik wird es in Zukunft mit Sicherheit dahin gehen, dass schnellere Abtriebsdrehzahlen vom Kunden gefordert werden. Die Genauigkeiten der Getriebe, über ihre gesamte Lebensdauer hinweg, ist ein weiterer ganz wesentlicher Punkt.

Und die Kunden suchen, wie man so schön sagt, nach der eierlegenden Wollmilchsau: Sie möchten weiter die Modularität steigern, das heißt, sie möchten mit nur einem Getriebetyp möglichst alle Anwendungen abdecken. Wie weit man das treiben kann, wird die Zukunft zeigen. Dazu sehen wir, dass es einen gewissen Trend hinsichtlich H1-Schmierung der Getriebe gibt – sprich für Anwendungen im Lebensmittelbereich. Da passiert anscheinend gerade einiges, was die Wachstumsmärkte der Robotik angeht.

Es tun sich also gerade neben der Automobilindustrie weitere Branchen in Sachen Robotik hervor?

Ja, aus unserer Sicht ist es so. Automotive ist und bleibt ein wichtiger Zweig der Robotik und die Automobilindustrie ist hier ein großer Vorreiter. Aber man sieht auch verstärkt, dass die Automation in andere Industriebranchen Einzug hält. Und da ist die Lebensmittel- und Getränkeindustrie mit Sicherheit ein Bereich, in dem zurzeit einiges an Automation stattfindet – und das nicht nur auf die Robotik bezogen.

Marcus Löw, Vertriebsleiter Nabtesco Precision Europe, Bild: Nabtesco
„China ist natürlich weiterhin einer der Wachstumsmärkte und das wird auch so bleiben, selbst wenn sich die Wachstumsraten gerade auf einem niedrigeren Niveau bewegen. Aber je mehr wir automatisieren, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich, in andere Märkte zurückzukehren“, so Marcus Löw, Vertriebsleiter Nabtesco Precision Europe. Bild: Nabtesco

Welche Besonderheiten – auch neben den Schmiermitteln – müssen Sie in der Lebensmittelindustrie beachten?

Für uns, auf die Getriebe bezogen, ist ein Thema natürlich die Lebensmittelverträglichkeit. Das heißt, Schmiermittel und andere Medien, die wir während der Montage einsetzen, sind ein wesentlicher Punkt. Ansonsten operieren wir mit den gleichen Produkten – vielleicht mit der ein oder anderen Besonderheit, denn in der Lebensmittelindustrie kommen Robotertypen zum Einsatz, bei denen beispielsweise höhere Geschwindigkeiten eine Rolle spielen. Dabei denke ich an Delta-, Parallel-Link- oder auch Scara-Roboter.

Welches sind international die wichtigen Robotikmärkte? Gibt es Gewinner oder Verlierer?

China ist natürlich weiterhin einer der Wachstumsmärkte und das wird auch so bleiben, selbst wenn sich die Wachstumsraten gerade auf einem niedrigeren Niveau bewegen. Aber auch die traditionellen Märkte, wie Europa oder die USA, werden immer wichtige Märkte bleiben. Denn je mehr wir automatisieren, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich, in andere Märkte zurückzukehren. Insofern muss man abwarten, ob neue Kapazitäten in den nächsten Jahren wirklich nur noch in BRIC-Ländern entstehen, oder ob nicht vielleicht auch traditionelle Märkte wieder interessant werden.

Die USA werden sich wieder etablieren?

Ich denke ja.

Ihre Getriebe sind in einem großen Anteil der weltweit produzierten Industrieroboter verbaut. Spüren Sie das Wachstum der Branche? Und denken Sie, dass Sie hier als Unternehmen mit japanischen Wurzeln einen Vorteil haben?

Ja, wir spüren zum Glück das Wachstum. Daher haben wir auch Investitionen getätigt: in unsere Kapazitäten in Japan und aktuell in ein gerade hochgefahrenes Werk in China. Wir hätten nicht investiert, wenn wir das Wachstum nicht spüren würden.

Und natürlich gibt es lange Kundenbeziehungen, gerade auch mit japanischen Herstellern, ein Großteil der Roboterhersteller kommt weiterhin aus Japan, aber nichtsdestotrotz gibt es auch die wichtigen europäischen Player. Und ich erwarte, dass in der näheren Zukunft auch andere Player auftauchen werden, die sich vielleicht spezielleren Themen widmen werden. Daher denke ich, dass es weitaus wichtiger ist, eine globale Präsenz zu haben und möglichst dort vertreten zu sein, wo der Kunde produzieren möchte, dass man ihm zuhört und ihn unterstützt. Das ist ein wesentlich größerer Aspekt als die Frage, ob man ein japanisches, deutsches oder europäisches Unternehmen ist.

Kommen wir auf Ihre Getriebetechnik zu sprechen. Was sind die Vorteile von Zykloidgetrieben für die Robotik?

Bei den Zykloidgetrieben haben wir den Vorteil, dass wir die hohen Genauigkeiten über die Lebensdauer halten können. Dazu kommen hohe Steifigkeiten – ein weiterer Trend, den wir in der Zukunft sehen werden. Dazu können wir – was von Haus aus einer der großen Vorteile ist – über die Zykloidgetriebetechnologie hohe Drehmomente übertragen. Das ist auch für neue Märkte außerhalb der Robotik von Interesse. Da geht es um das Thema Sicherheit, sprich um den Fall, dass einmal eine Überlast auf das Getriebe gegeben wird. Zum Beispiel in der Medizintechnik ist das mit Sicherheit ein großer Aspekt.

Natürlich spielt auch die Kompaktheit weiterhin eine große Rolle, sprich die Themen Design und Platz-Ersparnis bei hoher Drehmomentdichte – auch bei Anbauteilen. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist, dass wir mit der Zykloidbauweise Kosteneinsparungen realisieren können.

Was werden wir in diesem Jahr von Nabtesco auf der Automatica gezeigt bekommen?

Wir werden auf der diesjährigen Automatica einen Fokus auf Getriebe mit schnelleren Abtriebsdrehzahlen setzen. Ansonsten zeigen wir die Modularität, die wir mit unseren Getrieben erzielen können. Das heißt, wir werden einen Schwerpunkt auf kundenbezogene Anpassungen legen, um dem Kunden die verschiedensten Optionen aufzuzeigen, wie er mit unserem Getriebeprinzip eine für ihn adäquate Lösung erzielen kann.

Nabtesco auf der Automatica: B6 / 111