Die Apas-Familie, Bild: Bosch
Neben der neuen Apas Workstation gehören auch drei mobile, kollaborierende Assistenzsysteme zur Apas Family. Die mobilen und vernetzten Produktionsassistenten dieser Roboterfamilie können ortsunabhängig, alleine oder kombiniert eingesetzt werden und unterstützen so eine wandelbare Produktion. Bild: Bosch

Unter dem Namen Apas Safekin kann die Roboterkinematik auch unabhängig von der mobilen Basis oder der Workstation eingesetzt werden – dann aber vorzugsweise fest verankert in einem Fertigungsabschnitt. Die neue Automatisierungskomponente lässt sich einfach in IEC61131-Applikationen integrieren, die der international gültigen Norm für Programmiersprachen entsprechen. Das erlaubt schnelle Projektrealisierungen, eine sichere Kollaboration zwischen Mensch und Roboter sowie ein schnelles Nachrüsten bestehender Anlagen. Für die Erstellung von einzelnen Roboterbewegungen ist keine Roboterprogrammierung erforderlich. Die Jobs werden einfach auf der grafischen Benutzeroberfläche zusammengestellt, konfiguriert und verwaltet.

Im Gespräch mit Wolfgang Pomrehn, Robert Bosch

Wolfgang Pomrehn, Produktmanager bei Roboter Bosch. Bild: Bosch

ke NEXT hakt bei Wolfgang Pomrehn, Produktmanager bei Roboter Bosch nach: Wie ist das Besondere am kollaborativen Roboter Apas?

Was sind die Sicherheitsvorkehrungen, die bei Apas getroffen worden sind, damit er zu einem kollaborativen Roboter wird?
Der Apas Assistant wurde von Anfang an für die direkte Zusammenarbeit mit Menschen entwickelt. Anders als die meisten Robotersysteme im Markt ist er in der Lage zu erkennen, wenn ein Mensch in seinen direkten Arbeitsbereich eingreift und stellt sich dann entsprechend auf ihn ein. Konkret bedeutet das: Mittels seiner patentierten Sensorhaut erkennt er, wenn ihm der Facharbeiter zu nahe kommt und stoppt seine Arbeit, wenn es zu einer Berührung kommen könnte. Der Detektionsbereich liegt bei circa fünf Zentimetern. Dank dieser Besonderheit kann der Aapas Assistant als eines der wenigen Robotersysteme im Markt buchstäblich Hand in Hand und ohne Schutzzaun mit dem Menschen arbeiten und wurde auch als erstes von der Berufsgenossenschaft für die direkte Kollaboration zertifiziert.

Dieses Sicherheitskonzept haben wir im vergangenen Jahr mit der Apas Speedswitch Funktion erweitert. Während die Sensorhaut den Nahbereich des Roboters überwacht, überwacht Speedswitch auch das erweiterte Arbeitsumfeld. Befindet sich ein Mensch in diesem Bereich, drosselt der Roboter seine Geschwindigkeit. Wenn der Mensch den Sicherheitsbereich verlässt, schaltet der Roboter automatisch wieder auf eine hohe Geschwindigkeit. Der Hintergrund ist, dass nicht alle kollaborativen Arbeitsplätze so konzipiert sind, dass eine permanente Interaktion mit dem Roboter stattfindet. Unsere Erfahrung zeigt, dass zum Beispiel beim Beladen von Werkstücken oder zur Wartung der Maschine nur sporadisch vom Menschen in den Prozess eingegriffen werden muss.

Was ist die Bosch-Kompetenz am Apas?
Die Gesamtlösung einschließlich der Sensorhaut sowie dem Greifer, dem integrierten Kamerasystem und der Software stammt von Bosch. Der Vorteil: all diese unterschiedlichen Kompetenzen sind in einem Unternehmen vereint. Eine Entwicklung wie der Apas Assistant ist nur möglich, wenn viele unterschiedliche Bereiche eng zusammenarbeiten und ihre Expertise einbringen. Der Apas Assistant ist in dieser Hinsicht also ganz klar ein Bosch-Produkt – auch wenn wir im Falle des Greifarms eine industriell verfügbare Komponente zukaufen. Das ist auch sinnvoll: Wir verstehen uns ja nicht als Roboterhersteller, sondern als Lösungsanbieter im umfassenden Sinne.

Am Markt sind mittlerweile verschiedene Versionen kollaborativer Roboter erhältlich. Was ist der Unterschied Ihres Ansatzes zu anderen Systemen?
Der Unterschied ist, dass der Aapas Assistant im Gegensatz zu anderen Systemen berührungslos arbeitet. Das heißt, er erkennt bereits bevor es überhaupt zu einem Kontakt kommt, dass der Mensch in seinen Arbeitsbereich eingreift und stoppt dann sofort. Eine Kollision zwischen Roboter und Menschen ist damit ausgeschlossen. Das ist bei der Großzahl der Roboter im Markt anders: Da sie auf einer anderen Technologie basieren, müssen sie erst kollidieren, um zu merken, dass da ein Hindernis ist. Erst dann bleiben sie stehen. Das ist problematisch, denn Berührungen durch einen Roboter werden von den Menschen als unangenehm, teilweise auch schmerzhaft empfunden. Deshalb haben wir uns von Anfang an für den Weg einer berührungslosen Sicherheit entschieden.

Es gibt noch einen anderen Grund: Bei den meisten Robotern im Markt entsteht bei der Berührung mit Menschen aus Sicherheitsgründen eine Nothaltsituation. Der Roboter stoppt und muss erst durch einen Eingriff des Menschen wieder in Gang gesetzt werden. Beim Apas Assistant ist das anders: Er wartet, bis der Mensch seinen Nahbereich wieder verlassen hat und setzt dann einfach seine Arbeit an genau der Stelle fort, wo er unterbrochen wurde.

Wie kommt Apas bei den Kunden an?
Diese Art von Systemen wird in der Regel für Arbeiten eingesetzt, die Menschen sowieso nicht gerne machen – wie zum Beispiel besonders monotone oder ergonomisch ungünstige Fertigungsschritte. In dieser Hinsicht weicht eine anfängliche Skepsis oft schnell der Begeisterung. Die Mitarbeiter sehen, dass es nicht darum geht, sie durch einen Roboter zu ersetzen, sondern zu entlasten.

Das monotone Umstecken von Teilen oder ständige Beladen der gleichen Maschine – das ist auf Dauer unangenehm. Dies übernimmt künftig der Roboter, während der Mensch interessanteren und auch wertschöpfenderen Tätigkeiten nachgehen kann. Das ist einfach eine perfekte Aufgabenteilung und wird deshalb von den Mitarbeitern auch begrüßt.

Das Interview führte Julia Lansen, Redaktion

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