Shanghai International Industry Fair, Bild: ke NEXT/Kiefer

Ein Großteil der Industrieroboter wird heute in der Automobilfertigung eingesetzt. Das sah man auch auf der Shanghai International Industry Fair. Bild: ke NEXT/Kiefer

China ist immer weniger ein Billiglohnland. In vielen Bereichen herrscht Facharbeitermangel. Dabei ist die Industrie zumeist noch wenig automatisiert. Und daher herrscht ein Boom beim Absatz von Industrierobotern. Gleichzeitig setzt das Reich der Mitte auf Forschung und Hightech. So entstand dort in kürzester Zeit der weltgrößte Markt für Industrieroboter, aber auch neue Konkurrenz.

Ein Anreiz für den Einsatz von mehr Robotern: Die Durchschnittsgehälter stiegen in China 2015 um 7,6 Prozent. Auch wenn sich das Wachstum verlangsamt, sollen sich die Durchschnittseinkünfte bis 2020 gegenüber 2010 verdoppeln. Hinzu kommt, dass die amerikanische Personalberatungsgesellschaft Mercer im Berufsbildungsbereich für 2020 eine Nachfrage von 79 Millionen Fachkräften bei lediglich 63 Millionen Kandidaten erwartet.

Blechdrache China, Bild: ke NEXT/Kiefer
Das Reich der Mitte hat eine Aufholjagd gestartet. Die Automatisierungsdichte schreitet voran und damit auch die Zahl der eingesetzten Industrieroboter. Diese kommen aus dem Ausland, jedoch auch aus der heimischen Produktion – China setzt dabei auf Forschung. Bild: ke NEXT/Kiefer

Daher ist in China weiterhin ein gewaltiger Bedarf an Industrierobotern vorhanden. Im Jahr 2014 wurden im asiatischen Land bereits 56.000 Industrieroboter verkauft, so die International Federation of Robotics (IFR). Das entspricht fast einem Viertel der Weltproduktion (zum Vergleich 2013: 36.860 Stück; rund ein Fünftel der Weltproduktion), meldet Germany Trade and Invest (gtai). Nach Daten der IFR stiegen die Verkaufszahlen in China 2015 um 16 Prozent auf 66.000 Einheiten.

Nach einer Hochrechnung der „2015 World Robotics Statistics“ soll bis 2018 mit 614.000 Einheiten, sprich ein Drittel aller Industrieroboter der Welt, in China installiert sein. Gegenwärtig sind dies 262.900, berichtete China Daily im Januar 2016.
Dies gibt auch vielen deutschen Anbietern gute Geschäftsmöglichkeiten. Auf Industriemessen in China bewegen sich in den Hallen ganze Roboterarmeen; besonders in Südchina sind riesige Fabrikkomplexe bereits weitgehend automatisiert. „Diese Woche besuchte ich eine riesige Textilfabrik, die Roboter zur Bestückung der Spindeln einsetzt. Doch bei etwa jeder zehnten Spindel funktioniert dies nicht, sodass ein Arbeiter zum Nachrüsten nachlaufen muss. Wenn wir einen Bestückungsroboter anbieten können, der fehlerfrei arbeitet, haben wir den Auftrag. Und die brauchen Hunderte, Tausende davon,“ berichtet ein Mitarbeiter eines deutschen Maschinenbauers begeistert auf einer Industriemesse in Shanghai.

Gute Geschäfte ausländischer Anbieter

Kuka erklärt in seinem Geschäftsbericht 2015, dass besonders China zu seinem steilen Anstieg der Umsatzerlöse um 41,5 Prozent auf etwa drei Milliarden Euro beitrug. Der Augsburger Roboterhersteller erwartet auch 2016 gute Geschäfte durch erhöhte Investitionen in Industrie 4.0 und die schnelle Automatisierung von Chinas Industrie. Auf der Cebit kündigte das Unternehmen Kooperationen mit dem chinesischen Elektronikriesen Huawei an.

Auch für ABB ist China, in dem sich auch einer der drei Produktionsstandorte des Schweizer Konzerns befindet, der weltweit größte Markt. „Einen von vier Robotern verkaufen wir heute dort“, sagt Per Vegard Nerseth, Vizepresident von ABB. Der chinesische Markt ist inzwischen größer als der zweitgrößte (Japan) und der drittgrößte Markt (USA) zusammen.

Automatisierte Fertigungsverfahren müssen in der Produktion zusammenwirken. Doch im Produktionsprozess kommt es nicht auf die punktuelle Rationalisierung an, sondern auf das Zusammenwirken des Gesamtprozesses, erklärt Zhou Zhao Peng, Vice President bei Shanghai Step Electric.

„Wesentlich ist die Steuerungstechnik, die hinter einem Robotereinsatz steht. Wir haben beispielsweise eine Fertigungsline in der Automobilindustrie mit 140 unserer Industrieroboter bestückt, die in einer Minute gleichzeitig an einem Fahrzeug arbeiten. Da ist nicht der einzelne Roboter wichtig, sondern die Steuerung, die nur von Menschen gemacht werden kann. Ein Roboter kann im Endeffekt den Menschen nicht voll ersetzen, sondern nur menschlich vorgegebene Arbeitsschritte übernehmen.“

Roboter vermenschlicht

In China besteht eine große Technikbegeisterung. Auf den ersten Blick erscheinen die Roboter auf Industriemessen in China oft in humanoider Gestalt – sie tanzen oder überreichen Informationen. Das wirkt zunächst mehr wie ein lustiges Spiel. In Shanghai und anderen chinesischen Metropolen kann man sich von Robotern Nudelsuppe servieren lassen. Die ersten Roboter wurden jedoch auch schon wieder wegen Unfähigkeit gefeuert.

In Seniorenheimen unterhalten sie die Bewohner und übernehmen einen Teil der Betreuung. In der ostchinesischen Provinz Anhui präsentierte die Chinesische Wissenschafts- und Technologieuniversität im April ihre „Roboter-Göttin“. Der Roboter mit dem Aussehen einer attraktiven Frau trägt den Namen Jia Jia und ähnelt Menschen laut ihren Herstellern mehr als alle anderen Androide, meldet die Nachrichtenagentur Xinhua. Im Pekinger Longquan-Tempel hält der Mönch-Roboter namens Xianer in gelber Robe Vorträge über Buddhismus und beantwortet Fragen zu Glaubensthemen. So passt es, dass im Februar das chinesische Staatsfernsehen CCTV das neue chinesische Jahr des Affen mit einem aus 540 Robotern bestehenden Ballet einleitete, die zu chinesischer Rockmusik tanzen.

Der Ansatz, Roboter zu vermenschlichen, könnte den Einsatz in der Industrie vereinfachen. Noch vor kurzer Zeit wurden Industrieroboter als gefährliche Apparate angesehen, die aus Sicherheitsvorgaben in Käfigen gehalten wurden. Nun bewegt sich die neue Robotergeneration frei in den Produktionshallen und soll direkt mit den Fachkräften kommunizieren. So wie ein Smartphone bei der neuen Technikergeneration selbstverständlich ist, wird auch der Roboter eher als unverzichtbares Hilfsmittel wahrgenommen.

Wie baut man einen humanoiden Roboter? (Quelle: Spektrum der Wissenschaft)