Kuka und China, Bild: ke NEXT/Kiefer
Einen großen Teil seines Umsatzwachstums hat Kuka guten Geschäften in China zu verdanken. Auf der Cebit kündigte das Unternehmen eine Kooperation mit dem chinesischen Elektronikriesen Huawei an. Bild: ke NEXT/Kiefer

Automatisierung und Entwicklung eigener Robotertechnologie spielen in Chinas wirtschaftlichem Entwicklungsplan eine zentrale Rolle. Universitäten und Forschungseinrichtungen sind eng mit Unternehmen vernetzt und entwickeln auch eigene marktfähige Produkte. In Chinas „sozialistischer Marktwirtschaft“ soll dies nach Plan laufen und alle vorhandene Ressourcen gebündelt werden. Konkurrenten arbeiten in Industrieparks in der Grundlagenforschung zusammen und treten dann mit unterschiedlichen Produkten in den Wettbewerb.

„In unserem Shanghai Industrial Park of Robots möchten wir die Kompetenzen von Hightech-Firmen bündeln und optimale Fertigungsbedingungen bieten. Bei uns können die Unternehmen auch auf viele Ressourcen zurückgreifen. Wir sind eine kleine Stadt der Roboter“, erklärt Grace Liu, Manager Investment Promotion des Park of Robots. Der Park ist auch offen für die Bevölkerung und soll die Technikbegeisterung weiter fördern. In China entstehen eine Reihe von Roboter-Clustern, nicht nur in den Metropolen Shanghai, Peking oder Guangzhou. Die 32-Millionen-Stadt Chongqing oder das westchinesische Wuhan setzten ebenfalls auf diese Zukunftsindustrie.

Hightech-Zulieferer

Roboter auf der Shanghai International Industry Fair, Bild: ke NEXT/Kiefer
Seelenruhig verrichtet ein Roboter auf der Shanghai International Industry Fair seine Arbeit. Bild: ke NEXT/Kiefer

Der neue Roboterboom in China schafft für viele Hightech-Anbieter aus Deutschland glänzende Geschäfte. Auf den Industriemessen in China sieht man bei den Mitarbeitern der deutschen Firmen, die dort etabliert sind, fast nur zufriedene Gesichter. Doch sind die Geschäfte fast nur noch zu machen, wenn das Unternehmen auch vor Ort vertreten ist. Reine Exporte sind immer schwieriger zu realisieren. „Für unser Unternehmen bietet Chinas Technologiesprung riesige Chancen. Hier werden demnächst beispielsweise Fabrikroboter in unglaublicher Stückzahl gebraucht. Dafür braucht man unsere Sensortechnik. Um den Markt zu kennen und richtig einzuschätzen, um auch zukünftig die richtigen Produkte anbieten zu können, ist es erforderlich, hier vor Ort vertreten zu sein,“ sagt Guo Shanghai, Technical Solution Manager bei Balluff Shanghai.

Neue Märkte, neue Konkurrenz

Mensch-Roboter-Interaktion, Bild: ke NEXT/Kiefer
In China herrscht allgemein eine hohe Technikbegeisterung. Berührungsängste mit Robotern gibt es kaum, wie man hier auf der internationalen Industriemesse in Shanghai sieht. Bild: ke NEXT/Kiefer

Man darf die chinesischen Maschinenbauer nicht unterschätzen, warnt Armin Weih, stellvertretender Geschäftsführer Fördertechnik und Intralogistik der Cemat Shanghai: „Die Konkurrenz chinesischer Produzenten nimmt stark zu. Normale Hubtechnik ist hier kaum noch wettbewerbsfähig zu verkaufen.“ Mit Nischenprodukten und Sonderanfertigungen seien hier jedoch weiter gute Geschäfte zu machen, so Weih.

Er begleitet die deutsche Maschenbau-Industrie seit vielen Jahren nach China und sieht sehr schnelle Modernisierungserfolge bei chinesischen Unternehmen. „Noch vor wenigen Jahren zeigten chinesische Maschinenbauer zumeist in einfachen Messebuden weniger ansprechend ihre Teile und Produkte. Jetzt haben die Chinesen überwiegend große, aufwendige Stände und zeigen Innovation und ihre Leistungsfähigkeit in einem ansprechenden Rahmen. Es ist von Weitem kaum ein Unterschied zu sehen, ob das chinesische oder deutsche Aussteller sind.“

Roboter und Automatisierungstechnik, Bild: ke NEXT/Kiefer
Roboter und weitere Automatisierungstechnik unter sich. Bild: ke NEXT/Kiefer

Vor Kopien muss sich die deutsche Industrie in China immer weniger fürchten. Bedrohlicher kann da die technologische Konkurrenz werden. Besonders in Zukunftsbranchen kaufen chinesische Konzerne massiv Manager aus dem Westen ein, bieten bessere Bezahlung und spannendere Arbeitsbedingungen als die ehemaligen Arbeitgeber. Nicht nur die Märkte, sondern auch die Unternehmen internationalisieren sich. Und angesichts länderübergreifender Kapitalbeteiligung gibt es das deutsche oder das chinesische Unternehmen immer weniger. „Noch können wir mit unserer Steuerungstechnik glänzende Geschäfte in China machen. Die Wachstumsraten und die Marktpotenziale sind unglaublich“, verriet ein deutscher Aussteller auf der vergangenen Shanghai Industry Fair.

„Doch wenn Riesenkonzerne wie Foxcon, die jetzt weltweit Technologiefirmen kaufen, selbst anfangen, Industrieroboter zu bauen, können sicherlich einige etablierte Anbieter da nicht mithalten. Was alleine Foxcon mit seinen noch 1,3 Millionen Mitarbeitern an Robotern in absehbarer Zeit nachfragen dürfte, ist unglaublich.“

Robotertechnik vom Buddha-Berg

Die acht-Millionen-Stadt Foshan, zu Deutsch "Buddha-Berg", liegt nördlich von Hongkong und nur 20 Kilometer von der Provinzhauptstadt Guangzhou entfernt. Dort hat das Unternehmen Guangdong Jaten Robot & Automation seinen Sitz. Es ist hauptsächlich auf Verpackungsmaschinen und Roboter spezialisiert, welche die Versorgung des Materialflusses von Fabrikanlagen selbstständig übernehmen. "Bei uns in Guangdong ist die Fabrik der Welt. Jetzt wird dort massiv rationalisiert und ein unvorstellbarer Bedarf an Robotertechnik entsteht," berichtet Direktor You Chen auf dem China-Investition-Symposium der Hannover Messe.

China geht rasend schnell in eine neue Technologierunde. Durch die Modernisierung ist der Schutz geistigen Eigentums Selbstinteresse. "Wenn ich Zuhause von einer neuen Erfindung aus unserer Firma berichte, so ist jedes Mal die erste Frage meines Sohns: Habt ihr dafür auch schon ein Patent angemeldet? In China ist Patentschutz für die neue Generation selbstverständlich. Dies gilt auch für Patente von anderen Unternehmen. Mit kopieren kommen wir nicht weiter. Wir brauchen eigene Entwicklungskompetenz", so You.

"Doch in vielen technischen Bereichen ist Deutschland viel weiter. Daher müssen wir unsere Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen ausbauen. Sehr gerne würden wir eine Technologiefirma aus Europa übernehmen, die zu unserer Automatisierungstechnik passt. Doch gute Firmen, die zum Kauf stehen, sind rar. Wir haben aber jetzt bereits erste Gespräche in Deutschland dazu geführt. Doch auch andere Kooperationen können für uns, aber auch für Partner aus Deutschland nutzbringend sein. Wir haben den Zukunftsmarkt für Robotertechnik in China. Das kann für Kooperationen eine klassische Win-win-Situation sein," erklärte You.

You sieht in China Schwächen bei der technischen Ausbildung und bei den praktischen Fähigkeiten von Ingenieuren. "Auch da können wir von Deutschland lernen. Unser Unternehmen ist auch offen für gute deutsche Spezialisten, welche ein spannendes Arbeitsgebiet in einer lebendigen Metropole suchen. Das wir die nicht billig bezahlen können, ist uns klar. Guten Fachkräften müssen wir etwas bieten," wirbt You.