Aber die Entwicklung ist noch weiter vorangeschritten. Im Karosseriebau werden Schraubsysteme für fließlochformende Schrauben in der Regel auf Roboter montiert. Um die Roboter auszulasten, werden die Werkzeuge bei jedem Takt gewechselt. Dabei kommen Dockingsysteme zum Einsatz. Die elektrischen Verbindungen zwischen Prozessgerät und Schaltschrank sind an der Roboterhand steckbar ausgeführt. Das Prozessgerät ist vollständig vom Schaltschrank getrennt.

Mit der steigenden Anzahl an Prozessgeräten mit verschiedenen Fügeverfahren wird über die Energiekette am Roboter auch eine immer größere Anzahl an Leitungen geführt. Dies führt am Dockingsystem zu einer großen Anzahl an Steckern und einer erweiterten Störkante, die Anzahl der in der Karosserie erreichbaren Fügepunkte wird dadurch eingeschränkt.

Abhilfe schaffen die standardisierten chainflex-Roboter-Leitungssätze, die von mehreren Fügegeräten für die jeweiligen Prozesse genutzt werden können. Die von den Automobilunternehmen geforderte maximale Universalität wird damit garantiert. Das Spektrum reicht von Geräten für mechanische Fügetechniken wie Clinchen oder Hohlstanznieten bis hin zu thermischen Verfahren wie Schweißen. Bei dieser Lösung muss am Roboter nur noch ein Leitungssatz verlegt werden. Um die Prozessgeräte am Roboter über den gemeinsamen Leitungssatz mit der jeweiligen Steuerung zu verbinden, wird eine Umschaltbox im Bereich des Robotersockels eingebaut. „Somit kommt heute ein Leitungssatz für unzählige Roboteranwendungen im Bereich Fügen beim Karosseriebau zum Tragen“, sagt Pfaffenrath. igus hat auf die damit einhergehenden geänderten Anforderungsprofile schnell reagiert und in die Roboterleitungen mittlerweile auch Bussysteme integriert, um Vielfältigkeit zu ermöglichen.

Kompetent beraten und konfektionieren

Speziell beim anspruchsvollen Auslegen der Roboterleitungen gestaltete sich die Zusammenarbeit beider Unternehmen sehr eng, um gemeinsam eine tragfähige Lösung zu finden. Der igus-Außenmitarbeiter vor Ort, Sebastian Burkhart, als auch die Vertriebsmitarbeiter im Stammwerk in Köln standen und stehen für technische Fragen jederzeit zur Verfügung. Heute sind die technischen Spezifikationen bekannt. Ein Anruf genügt, und es stehen innerhalb weniger Tage Konstruktionszeichnungen mit passendem Angebot zur Verfügung, sodass eine Bestellung schnell realisiert werden kann. Wolfgang Wagenstaller von der Entwicklung wünscht sich, dass die so konfigurierte Leitung oder auch Energiekette aus dem Internet schnell herunter geladen werden kann. „Das würde unsere Arbeit noch mehr erleichtern.“

Ausschlaggebend für die Funktionsfähigkeit der Leitung ist ihre perfekte Konfektionierung. Sie wird als „readycable“ Leitung anschlussfertig geliefert und eingesetzt. Speziell an die Servoleitung werden dabei hohe Anforderungen gestellt. Ihre Schirmung ist das A und O. Die Steckstellen sind potenzielle Schwachstellen, die bei der Konfektion schnell zum Schädigen der Leitung führen können. In jeder Leitung befinden sich 16 Schirme, die in einer Box kleiner als eine Zigarettenschachtel organisiert werden müssen. Jeder Schirm wird bis ganz dicht an den Kontaktstift geführt und geht mit minimalen Brücken auf den neben liegenden Stift, um das Schirmkonzept zu bewirken. „Und das funktioniert. Die Qualität der Leitungen stimmt und wir sind jederzeit auf der sicheren Seite“, verdeutlicht abschließend Pfaffenrath. „Und gibt es einmal Probleme, wird jederzeit nachgebessert.“

Schraubsysteme aus Bayern

Das mittelständische Familienunternehmen Weber Schraubautomaten produziert mit rund 250 Mitarbeitern am Standort Wolfratshausen jährlich über 1000 Maschinen zur Montageautomation, hauptsächlich im Bereich Schraubtechnik. Vom handlichen Schrauber für einfache Schraubaufgaben bis hin zu äußerst anspruchsvollen Systemlösungen für kundenspezifische Aufgaben reicht die Produktpalette. Besonderer Wert wird auf die Beratung und den Service gelegt. Von der Elektronikentwicklung, einer eigenen High-End-Steuerung bis hin zur Mechanik steht eigenes Know-how vor Ort zur Verfügung. Töchterunternehmen in den USA und in Frankreich sowie weltweite Vertretungen sorgen für den Vertrieb und den reibungslosen Service. Die Firma setzt seit vielen Jahren auf die Produktpalette der igus GmbH: Von Energiezuführungen der mehrdimensional beweglichen triflex R-Baureihe, Federstäben, dem Universalmodul für komplexe Bewegungen triflex R-Set, Leitungen bis hin zu komplett konfektionierten Systemlösungen, die unter dem Namen readychain angeboten werden, kommen nahezu alle Produkte in den Schraubautomaten zum Einsatz.