Bild: Fotolia; Marco2811

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Die SMM präsentiert sich als Diskussionsplattform der Branche. Von der Finanzierung bis zum Umweltschutz hat jedes Schwerpunktthema seinen Tag. Die Veranstalter erwarten Rekordzahlen.

Vom 9. bis 12. September treffen sich in Hamburg die Vertreter der maritimen Wirtschaft auf der Messe „Shipbuilding, Machinery & Marine Technology“, besser bekannt als SMM. Mehr als 2000 Aussteller werden vertreten sein, die Veranstalter erwarten rund 50.000 Besucher. „Wir sind bereits seit Wochen komplett ausgebucht“, erklärte Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung Hamburg Messe und Congress, schon im Mai dieses Jahres auf einer Pressekonferenz.

Messe und Kongresse

Eckdaten in Kürze
Die SMM findet am 9. bis 12. September statt. Mehr als 2000 Firmen stellen aus, davon kommt ein Drittel aus Deutschland. Erstmals ist jedem Messetag ein Thema gewidmet. Das Kongressprogramm startet bereits am Montag, 8. September, und läuft bis Donnerstag. Am Freitag können Unternehmen und Interessenten auf der Jobbörse Kontakte knüpfen.
Montagabend: Finanzierung, Ship Finance Forum
Dienstag: Umweltschutz, Global Maritime Environmental Congress
Mittwoch: Sicherheit und Verteidigung, International Conference on Maritime Security and Defence
Donnerstag: Offshore, Offshore Dialogue
Freitag: Recruiting, Maritime Career Market

 

Schwerpunkte setzen die Veranstalter auf Umweltschutz, Finanzierung, maritime Sicherheit und Verteidigung, Offshore sowie Recruiting. Jedem dieser Bereiche ist ein Thementag gewidmet. Zusätzlich stehen den Besuchern mehr als 150 Workshops, Symposien und andere Veranstaltungen offen, beispielsweise zur Ballastwasser-Behandlung.

Das Spektrum der Aussteller ist breit gefächert: Es reicht von industrieller Schiffs- und Werfttechnik, über Schiffseinrichtung und -ausrüstung, bis hin zu Ladungsumschlagsystemen, Meerestechnik und maritimen Dienstleistungen.

Knapp bei Kasse

Das Vorspiel zur Messe bildet das „Finance Forum“, einen Tag vor der eigentlichen Eröffnung. Zwar zog der Markt zuletzt wieder an, dennoch bleibt die Finanzierung in Fahrt befindlicher Schiffe und neuer Tonnagen schwierig. Das Forum am Montag widmet sich drei Themenblöcken: Der erste Teil gilt den aktuellen Entwicklungen im deutschen Markt. Der zweite konzentriert sich auf die Bemühungen der Werften, die Exportfinanzierung zu stemmen. Block drei zeigt Alternativen zur traditionellen Finanzierung. Die Reederei Rickmers beispielsweise ging mit der US-Investment-Firma Oaktree eine strategische Partnerschaft ein, um ein Darlehen in Höhe von 225 Millionen aufzunehmen. Andere Reeder gehen an die Börse, wie Navios; das Unternehmen wird in New York gehandelt.

Geld zum Schornstein hinaus

Der Dienstag ist dem Umweltschutz gewidmet. Im Fokus stehen Effizienz und Abgase. Daher betonen viele Aussteller die Wirkung ihrer Produkte auf den Kraftstoffverbrauch.

Becker Marine Systems (Halle A1, Stand 221 und A1.FG/015) etwa zeigt Ruderlösungen und Energiesparprodukte. Unter anderem will das Unternehmen die Besucher über das „Cross Over Rudder“ informieren, mit dem sich Energieverluste über eine Ruderbirne zwischen Propellerendkappe und Ruder verringern lassen. Es soll Wirbel, die beim Anströmen entstehen, in Antriebsenergie umwandeln. Teil der Vorstellung sind außerdem „Mewis Duct“ und „Twisted Fin“. Die Produkte werden vor dem Propeller montiert, um den Zufluss des Wassers zu verbessern. Außerdem will die Firma ihr LNG-Standbein zeigen: Zusammen mit Aida Cruises betreibt sie eine LNG-Hybrid-Barge zur Stromversorgung von Kreuzfahrschiffen.

Auch SKF mit Blohm+Voss Industries stellt in Halle A1 aus (Stand 212). Geschäftsführer Martin Johannsmann verspricht, eine ganze Reihe neuer Produkte zu zeigen. Er hebt hervor: „Wir stellen technische Ansätze vor, wie man den neuen Anforderungen der Vessel General Permit 2013 der amerikanischen Umweltbehörde EPA gerecht werden kann.“

In den Bereichen Antrieb, Motoren und Schmierung stellen in den Hallen A3 und A4 unter anderem Caterpillar (A4/204, 206), Rolls Royce (A4/302) und MAN (A4/200) aus. Auch hier spielt Ressourceneffizienz die erste Geige. Der Motoren-Hersteller MAN etwa will Mitglieder der High-Speed-Engine-Familie vorstellen sowie LNG- und Dual-Fuel-Motoren. Themen sind am Stand der Augsburger auch die Abgasnachbehandlung und -rückführung sowie Retrofit-Lösungen, die bei der Einhaltung von Emissions-Richtlinien helfen.

Chancen in den Nischen

Schwieriger Markt
Die Lage der Branche könnte deutlich besser sein: Den Reedern steht das Wasser bis zum Hals und auch bei den Werften sieht es alles andere als rosig aus. Nur unter den Zulieferern ist die Stimmung optimistisch. „Der Markt wird immer herausfordernder und immer feingliederiger“, beobachtet Herbert Aly, CEO und Managing Partner bei Blohm+Voss. Chancen sieht er im Offshore-Energiesektor, bei Kreuzfahrt- und Marine-Schiffen sowie bei  Super-Yachten.

Risiko für Reeder

Am Mittwoch geht es thematisch vor allem um Piraten. Deren Angriffe auf Handelsschiffe scheiterten zuletzt häufiger. Das liegt einerseits am militärischen Schutz im Rahmen der Operation Atalanta im Golf von Aden. Andererseits haben die Reeder selbst Maßnahmen ergriffen und private Sicherheitsteams engagiert. „Bislang ist es den Piraten nicht gelungen, ein Schiff mit einem bewaffneten Sicherheitsteam an Bord zu boarden beziehungsweise zu entführen“, sagt Michael Behrendt, Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VSM, B8/214). Doch gebannt ist das Problem noch nicht, auch deshalb, weil sich vor Westafrika ein weiterer Krisenherd aufgetan hat. Der Bedarf an Maßnahmen und Techniken ist daher nach wie vor groß, sodass Sicherheit und Verteidigung wieder Teil des Messe-Programms ist. In Halle B8 präsentieren sich Werften, Zulieferer und Dienstleister aus dem Sicherheitssektor. Zusätzlich sind im Hamburger Hafen moderne Marineschiffe zu sehen, unter ihnen auch Fregatten der niederländischen und deutschen Streitkräfte.

Energie aus dem Meer

Ob Öl, Gas oder Wind, der Ausbau der Offshore-Technik geht weltweit voran. „Dieser Bereich birgt enorm viel Entwicklungspotenzial für die gesamte Branche“, sagt Govert Hamers, CEO des Unternehmens Vanderlande Industries. Das zeigt die Auftragslage in den Werften: Für die norwegische Reederei Siem Offshore sollen zwei identische Schiffe für Arbeiten an Ölförderinstallationen gebaut werden, um nur ein Beispiel zu nennen.

Nachwuchs gesucht

Eine Umfrage des VSM ergab einen jährlichen Bedarf der maritimen Industrie von rund 140 Ingenieuren in der Fachrichtung Schiffbau und Meerestechnik. Dem stehen in Deutschland aber nur 90 Absolventen gegenüber. Um dem Mangel entgegenzusteuern, veranstaltet die Messe am Recruiting-Tag die Jobbörse „Maritime Career Market“. Zu den Suchenden gehören beispielsweise die Lürssen Werft (B4.EG/100) und MAN Diesel & Turbo.

Ziel der Börse ist es nicht nur, Stellen zu vermitteln, sondern auch Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten vorzustellen. Damit das Ganze nicht zu einseitig ausfällt, ist der Eintritt für Schüler und Studenten am letzten Tag der Messe frei.