Reflection der Meyer Werft - Bild: Meyer Werft

Die hier beschriebenen Maschinenelemente werden unter anderem auf der Celebrity Reflection eingesetzt, die in der Meyer Werft gebaut wurde und Mitte 2012 ihren Stapellauf hatte. Bild: Meyer Werft

Rettungsboote gibt es auf jedem Kreuzfahrt-Schiff. Zwar werden sie nur selten gebraucht, wenn es dann allerdings soweit ist, muss alles reibungslos funktionieren, damit sich Passagiere und Mannschaft selbst bei stürmischem Wetter und hohem Wellengang über die Boote retten können. Ein besonders kritischer Zeitpunkt ist das Zuwasserlassen der Boote, das sogenannte Aussetzen. Für diesen kniffeligen Vorgang gibt es spezielle Aussetzvorrichtungen, die Davits genannt werden. Sie verhindern den Kontakt zwischen Passagierschiff und Rettungsboot, denn ein solcher Zusammenprall könnte das Boot beschädigen. Der Hersteller Fassmer, dessen Lösungen beispielsweise auf der Celebrity Reflection verbaut sind, verwendet beim Bau der Davits Schutzkörper aus Gummi, die sogenannten Fender.

Früher stellte das Unternehme diese Gummiteile selbst her, allerdings wurde das Material auf Dauer den Anforderungen nicht gerecht. Das Problem war die Lebensdauer der Vorrichtung: In der rauen Umgebung wurden die Gummielemente mit der Zeit spröde und rissig, so dass sie oft ausgetauscht werden mussten. Es galt also, ein Dämpfungselement aus einem Material zu finden, das mit Salzwasser und UV-Einstrahlung besser klar kommt.

Zwei Zulieferer arbeiten zusammen

Strukturdämpfer vom Typ Tubus TR-L, Bild: ACE Stoßdämpfer und Fassmer Schiffsservice
Strukturdämpfer vom Typ Tubus TR-L aus Co-Polyester Elastomer schützen die Rettungsboote dank der höheren UV-Resistenz auch unter extremen Umgebungsbedingungen besser als die früheren Schutzkörper aus Gummi. Bild: ACE Stoßdämpfer und Fassmer Schiffsservice

Der Weg des Maritim-Zulieferers führte schließlich zum Unternehmen ACE Stoßdämpfer. Einer der Gründe war, dass das Unternehmen ein eigenes Mitarbeiterteam für die Benelux-Länder hat, in denen die Küstenregionen einen überproportional großen Anteil einnehmen. Nach der Übermittlung aller relevanten Daten gingen die zuständigen Mitarbeiter des Anbieters ans Werk. Es stellte sich heraus, dass für diese Anforderungen die genannten Tubus Strukturdämpfer gut geeignet sind.

Aus den über 140 Einzelprodukten dieser Dämpferserie fiel die Wahl die Typen TR188-108L-2 und TR188-108L-3. Hinter den drei Buchstaben in der Produktbezeichnung verbirgt sich ein radialer Rohrdämpfer in einer langen Version. Die TR-L Baureihe ist eine von insgesamt sieben Familien dieser Maschinenelemente, die in dieser Form eine lange und weiche Abbremsung mit einem progressiven Energieabbau am Hubende ermöglichen. Sie wurden für Anwendungen mit niedrigen Endkräften entwickelt.

Der Tubus TR-L eignet sich für Einsatzfälle, die entlang einer geraden Linie einen Stoß- oder Kollisionsschutz fordern. Neben dem Verhindern von Zusammenstößen in der Schifffahrt sind dies unter anderem der Schutz von Lade- und Hebevorrichtungen, Gepäck und Transportbändern und Schaufeln von Bergbaugeräten.

Rettungsboote an einem Passagierschiff, Bild: ACE Stoßdämpfer und Fassmer Schiffsservice
Fassmer verwendet nun die Tubus-Serie: Boote an einem der größten Passagierschiffe der Welt werden mit Hilfe der Strukturdämpfer von ACE in der Aussetzvorrichtung gelagert. Bild: ACE Stoßdämpfer und Fassmer Schiffsservice

Das Material aus Co-Polyester Elastomer weist eine bessere UV-Resistenz als die früheren Lösungen auf und ist außerdem beständig gegen Meerwasser. Die wartungsfreien und einbaufertigen Maschinenelemente leisten in Temperaturbereichen von -40 bis 90 Grad Celsius eine gleichbleibende Dämpfung.

Ihre Lebensdauer von bis zu eine Million Lasthüben übertrifft Gummidämpfer um etwa das Zehnfache. Damit bleiben sie allerdings noch deutlich unter den Industriestoßdämpfern. Da es im vorliegenden Fall aber nicht darauf ankommt, Massen punktgenau abzustoppen, bevorzugte Fassmer die Tubus-Modelle, da Stoßdämpfer auch hinsichtlich des Preises mit höheren Dimensionen aufwarten würden.

Die nun verwendeten Elemente haben zwar den gleichen Hub und den gleichen Außendurchmesser, weisen aber unterschiedliche Längen auf, die sich maßgeblich in der Energieaufnahme pro Hub niederschlagen. Die kürzere Variante kann im Dauerbetrieb bis zu 2200 Newtonmeter und bei Notstopp-Anwendungen 3080 Newtonmeter pro Lastwechsel aufnehmen. Bei der längeren erhöhen sich die Werte auf 3300 Newtonmeter beziehungsweise 4620 Newtonmeter. Sie ist damit vollkommend ausreichend für die Verwendung bei den Rettungsbooten.

Rettungsboote an einem Passagierschiff, Bild: ACE Stoßdämpfer und Fassmer Schiffsservice
In diesem Fall haben sich mit Fassmer und ACE zwei Zulieferfirmen zusammengetan. Bild: ACE Stoßdämpfer und Fassmer Schiffsservice