RoRo-Schiff, Bild: Flensburger Schiffbau-Gesellschaft

In der Werft in Flensburg wurden die größten RoRo-Schiffe im Mittelmeerraum, die bis zu 310 Sattelschlepper transportieren können, vom Stapel gelassen. Bild: Flensburger Schiffbau-Gesellschaft

Nach jahrelangem Wettbewerbsdruck hat sich die deutsche Schifffahrtbranche aus dem Bau von Containerschiffen zurückgezogen und auf Spezialschiffe wie Fähren, Luxusyachten und Kreuzfahrtschiffe für den Weltmarkt spezialisiert. Die Auftragsbücher der deutschen Werften sind mit aktuell 17,7 Milliarden Euro für insgesamt 53 Schiffe, von denen zwölf im Wert von 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2017 bestellt wurden, für die nächsten Jahre gut gefüllt. Der Wert der 22 in 2017 ausgelieferten Schiffe lag bei 3,1 Milliarden Euro und zeigt im Vergleich zu den Vorjahren, dass der Wert der Schiffe wächst, bedingt durch deren höhere Komplexität. Denn die steigende Digitalisierung macht auch vor dem Schiffbau nicht halt.

Aktueller Schiffsbau in deutschen Werften

Neubau NB771, Bild: Flensburger Schiffbau-Gesellschaft
Neubau NB771 „W.B. Yeats“ – an der Pier der Flensburger Schiffbau Gesellschaft wird die erste von zwei großen Passagier-fähren fertiggestellt. Bild: Flensburger Schiffbau-Gesellschaft

Nach vier Flusskreuzfahrtschiffen mit einer Schiffslänge von je 135 Meter entsteht in den MV Werften in Wismar und Rostock aktuell das mit 342 Meter Länge und 46 Meter Breite größte Passagierschiff, das bisher in Deutschland gebaut wurde. Am Bau des eine Milliarde Euro teuren Global Class-Kreuzfahrtschiffs werden 600 Firmen beteiligt sein. In Rostock wird dafür eine Produktions-linie aufgebaut, in der die Paneele im Laser-Hybrid-Verfahren automatisch gefertigt werden. „Wir verfügen dann über eine der modernsten Schweißanlagen der Welt, mit der wir unsere Produktivität und auch die Kapazität unserer Stahlvorfertigung weiter steigern“, berichtet Jarmo Laakso, CEO von MV Werften.

Schwimmkräne, Bild: Flensburger Schiffbau-Gesellschaft
Schwimmkräne hieven Teile des Deckhauses auf die Fähre. Die Digitalisierung des Produktionsprozesses unterstützt die optimale Planung und Koordination. Bild: Flensburger Schiffbau-Gesellschaft

Die Wünsche und Anforderungen von 5.000 Passagieren, in Stoßzeiten der Hochsaison sogar bis zu 9.500, sorgen für neue Maßstäbe der Technik an Bord. Dank automatischer Gesichtserkennung gibt es keine Wartezeiten beim Check-In, Bezahlen oder Check-Out. Die vielfältigen Serviceangebote an Bord, die von Restaurants und Wellnessbereich über Einkaufen und Sport bis zu Unterhaltung in Kino, Theater und Musical reichen, können dank Spracherkennung und künstliche Intelligenz personalisiert auf den Kunden zugeschnitten werden. Das vereinfacht interne Prozesse und optimiert die Auslastung. Roboter sollen die Crew bei Routineaufgaben entlasten, 28 Fahrstühle und acht Rolltreppenanlagen die Füße der Passagiere. Die Meyer-Werft in Papenburg hat im April das Kreuzfahrtschiff Norwegian Bliss ausgeliefert, Auf einer Länge von über 330 Metern und 20 Decks bietet es Platz für knapp 4.000 Passagiere und 1.700 Personen der Besatzung. Seit Mai wird bereits am Bau des nächsten Luxusliners, der komplett mit dem emissionsarmen Treibstoff LNG betrieben wird, gearbeitet. Neben Kartbahn mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen, mehrstöckigen Wasserrutschen und Musical oder Live-Konzerten zur Unterhaltung der Passagiere werden auch neue technische Konzepte umgesetzt, wie etwa ein elektrischer Pod-Antrieb, Wärmerückgewinnung oder Abgasreinigungssysteme über spezielle Scrubber.

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) baut im Schnitt etwa drei Schiffe im Jahr und ist spezialisiert auf zwei ausschließlich seegehende Produktlinien. Zum einen sind dies Frachtschiffe – sogenannte Ro-Ro-Fähren (Roll on / Roll off), die auf 200 Meter Länge und 36 Meter Breite und verteilt auf fünf Etagen Stellplätze für Container auf etwa 4.100 Lkw-Spurmetern bieten. Zum anderen sind es Passagierfähren mit bis zu elf Decks, die nicht nur kombinierte Stellplätze für Lkw und Pkw, sondern auch ein komplettes Hotel für etwa 2.000 Passagiere an Bord haben. Aktuell werden für drei Reedereien Schiffe in vier unterschiedlichen Ausführungen, davon zwei LNG-betriebene Passagierfähren, gebaut.