Dr. Martin Zech, Bild: Wittenstein

Dr. Martin Zech, Vorstand und CTO von Attocube. Bild: Wittenstein

Attocube, mit dem Namen verweisen Sie auf sehr, sehr kleine Würfel. Nun ist die Firma aber gar nicht so klein. Was hat es mit dem Namen Attocube auf sich?

Als die Firma 2001 gegründet wurde, war Nano in aller Munde. Die Firmengründer wollten sich von diesem Wort Nano abgrenzen und da wir präziser als im Nanobereich messen können, war mit Atto der richtige Begriff gefunden. Atto ist bekanntlich Nano im Quadrat und das Quadrat beziehungsweise der Würfel passt auch, weil wir schon damals quadratische Positionierer hatten.

Sieht man sich die Referenzen der Firma an, stellt man fest, dass viele Kunden aus der Forschung an den Universitäten kommen. Attocube hat selbst auch als LMU-nahes Start-Up begonnen. Wie kam es schließlich zu dem Schritt hin zu industriellen Anwendungen?

Wir kommen aus der Grundlagenforschung an der Universität und sind also ein Nischenplayer. Unser Ziel ist es, wissenschaftliche Innovation in Produkte umzuwandeln. Diese sind an vielen Stellen in der Forschung und in den Materialwissenschaften notwendig. Wir selbst stellen uns dabei auf vier Innovations- und Produktsäulen. Das geht los in der Messtechnik und Sensorik, reicht in die Antriebstechnik und führt über die Rastersondenmikroskopie bis hin zur Cryotechnik. Traditionell sind wir deshalb im Forschungsumfeld stark. Mittlerweile arbeiten wir aber auch zunehmend im industriellen Umfeld.

Seit Gründung der Firma wurde langfristig immer mit der Industrie geliebäugelt, weil hier große Wachstumspotenziale gesehen und erwartet wurden. Auch wenn sich der ursprünglich angedachte Start in die Industrie immer wieder verschoben hat, sind im Laufe der Zeit doch zunehmend mehr Industrieapplikationen erkannt und bearbeitet worden. Ein designiertes Industrie-Vertriebsteam wurde dann vor etwa vier Jahren gegründet, sodass heute etwa 15 bis 25 Prozent unsere Umsätze aus der Industrie stammen. Was wir hier jedoch als Industrie bezeichnen ist nicht unbedingt der Maschinenbau, sondern im Wesentlichen die Halbleiter-Industrie. Da sehen wir ganz stark, dass höchstpräzise Messtechnik und Verstelltechnik wichtig werden, um die nächsten Innovationsschritte dort erreichen zu können.

Auf der Hannover Messe zeigten Sie die Präzision Ihrer Technologie anhand eines Aluminiumzylinders, der sich durch menschliche Berührung im Pikometerbereich ausdehnt. Wieso haben Sie sich für diese Art der Präsentation entschieden?

Für Wissenschaftler ist es naheliegend, dass sich ein Objekt unter Erwärmung ausdehnt. Dieses Phänomen ist immer vorhanden. Bei sehr kleinen Temperaturerwärmungen ist dieser Effekt allerdings mit konventionellen Methoden nicht messbar. Mit dem Aluminiumzylinder auf der Hannover Messe wollten wir ganz konkret zeigen, dass sich viele Informationen im Verborgenen verstecken. Genau die können wir aber hervorragend sichtbar machen kann.

Was genau wollten Sie den Maschinenbauern damit zeigen?

Was wir gesehen haben, ist dass wir mit der Interferometrie den Bedarf in der Forschung sehr gut abdecken können. In Richtung Industrie haben wir insbesondere im Halbleiterbereich starke Nachfrage nach dem Produkt. Hinzu kamen immer mehr Anfragen aus dem Maschinenbau. Die ersten Kunden waren interessiert an höchstpräziser Sensorik für Koordinatenmeßgeräte. Hier ging es darum, wie man die Präzision der Koordinatenmessmaschinen noch weiter erhöhen kann oder wie man die Maschinen schneller oder präziser kalibrieren kann. Dafür können wir einen Interferometer anbieten, der sich einfach und schnell integrieren lässt.

Auf der anderen Seite bieten wir eine Messbandbreite und eine Präzision, die andere Messgeräte am Markt einfach nicht bieten können. Dafür haben wir das System beim Physikalisch-Technischen-Bundesamt (PTB) in Braunschweig auf seine Genauigkeit überprüfen lassen. Das interessante Ergebnis war, dass das PTB bis zu einem Messabstand von drei Metern keinerlei systematische Messabweichung vom Urmeter feststellen konnte. Das heißt wir haben ein System an den Markt gebracht, das an Genauigkeit nicht zu übertreffen ist. Das aber gleichzeitig eine extrem hohe Auflösung, bei einer sehr hohen Bandbreite und einer sehr großen Kompaktheit und damit einen sehr geringen Bauraum hat. Ich denke das ist einmalig.