Den IDS3010-Messsensor haben Sie auch mit einem eigenen Webserver ausgestattet, um das Gerät industrie-4.0-tauglich anbinden zu können. Welche Rolle spielen die Themen Big Data und Datenanalyse bei Ihnen?

Das Thema Big Data als Teil des Internet of Things wird bei uns sehr schnell sehr konkret. Es wird in dem Sinne relevant, weil die großen Mengen an Daten, die unsere Messtechnik aufnimmt, ausgewertet werden müssen. De facto können wir bei zehn Megahertz Bandbreite eine 48 bit Positionswert aufnehmen. Dementsprechend kommen wir da auf eine Datenbandbreite von etwa einem halben Gigabit pro Sekunde und Kanal. Wenn ich das nun für drei Achsen mache, muss ich also 1,5 Gigabit in der Sekunde übertragen. Die Schwierigkeit hier ist, diese Daten über die Schnittstelle zu transportieren. Dafür benötigen Anwender also entsprechend auch ein Gerät am anderen Ende der Leitung, das mit dieser Menge umgehen kann. Um nun aus dieser Datenflut relevante Daten herauszuziehen – gerade auch wenn diese über einen längeren Zeitraum aufgenommen und erst später analysiert werden – sind schon gewisse Schritte auf Seiten der Analysesoftware notwendig. Dafür bieten wir eine passende Lösung an, allerdings bedarf es hier natürlich dem Anwendungswissen, damit genau die Daten analysiert werden können, die im konkreten Anwendungsfall auch wirklich relevant sind.

Nun gibt es den Trend nicht die Hardware, sondern die Analysedaten selbst als Geschäftsmodell zu nutzen. „Sensor as a service“ lautet hier das Stichwort. Macht das im Bereich Präzisionsmesstechnik aus Ihrer Sicht Sinn?

Das ist definitiv ein Trend welchen wir beobachten und auch intensiv diskutieren. Bisher verkaufen wir unsere Geräte aber noch auf klassische Art und Weise. Ich sehe allerdings schon, dass sich gerade bei Anwendungen wie der Maschinenkalibration ein Geschäftsmodell extrem anbietet, bei dem der Anwender für die Nutzung zahlt, statt in die Hardware zu investieren.

Sie engagieren sich ja auch in Clustern zum Thema Nanotechnologie. So beispielsweise bei Nano in Germany. Wo steht der Nano-Standort Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern?

Das ist eine spannende Frage. Deutschland ist klassisch nicht nur ein starker Wirtschaftsstandort, sondern auch ein sehr starker Wissenschaftsstandort. Wir erkennen das auch daran, dass wir mit unseren Technologien im Wissenschaftsbereich schätzungsweise 20 Prozent des weltweiten Umsatzes erwirtschaften. Die Wissenschaftsspitze hat sich historisch natürlich deutlich verlagert. Von den Ursprüngen in Italien, über die Entwicklungen in England nach Deutschland, und dann nach dem zweiten Weltkrieg in die USA. Die Vereinigten Staaten übertreffen Deutschland da deutlich, sowohl in den investierten Forschungsmitteln als auch in der Zahl der wissenschaftlichen Publikationen. Zugleich müssen wir China als neuen Player am wissenschaftlichen Horizont im Blick behalten. Vor wenigen Jahren haben die Chinesen die Messlatte der Amerikaner bei der Menge an Publikationen geknackt.

Wo erwarten Sie in den nächsten Jahren die größten Veränderungen für Attocube und die Nanotechnologie?

Das kann man aus vielerlei Perspektiven beantworten. Aus Marktsicht sind es stets sich ändernde Forschungstrends. Derzeit ganz vorne dran ist das Thema Quantum-Computing. Dafür plant die EU ein Förderungsproramm mit einer Milliarde Euro Volumen, vorangegangen war hier das Flagschiff Graphene. Das sind die Themen, an denen auch wir uns ausrichten. Mein Eindruck ist, dass wir diese Themen zukünftig nicht nur in der Forschung sehen, sondern dass sich diese Trends auch in andere Bereiche hinein entwickeln. Letztlich ist Forschung ja dann relevant, wenn sie zu Anwendungen führt. Daher ist der Schritt in industrielle Märkte für uns eine logische Konsequenz. Hier wollen wir die passenden Lösungen für die Industrie bieten, die genau zu diesen Herausforderungen passen. hei

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