Nachdem bis zur nächsten Stufe der Abgas-Grenzen noch etwas Luft ist, setzen die Entwicklungsabteilungen der Baumaschinenhersteller aktuell mehr individuelle Schwerpunkte. (Bild: Fotolia - pict rider)

Nachdem bis zur nächsten Stufe der Abgas-Grenzen noch etwas Luft ist, setzen die Entwicklungsabteilungen der Baumaschinenhersteller aktuell mehr individuelle Schwerpunkte. (Bild: Fotolia - pict rider)

Die Entwicklung in der Baubranche fordert Kostensenkung, Steigerung der Produktivität und Reduzierung im Verbrauch der Maschinen. Das spiegelt sich wider in den Entwicklungstrends: mobile Baumaschinen – kraftvoll, leise und produktiv bei geringem Kraftstoffverbrauch. Das erwarten die Anwender von den Herstellern.

Darüber hinaus gibt es weitere Kriterien, die das Arbeiten je nach Anwendungsbereich erleichtern sollen. Ein Beispiel dafür wäre der neu entwickelter Kurzheckbagger von Volvo Construction Equipment für den Baubetrieb im innerstädtischen Verkehr, der wenig Platz beansprucht, leicht zu manövrieren ist und dem Baggerführer einen Rundumblick gewährt. Oder der Umschlagbagger von Sennebogen für den Hafenbetrieb, der mit dem Rückgewinnungssystem Green Hybrid 30 Prozent Energie einspart. Auch in der Frästechnik hat sich etwas getan: So zeigt Bomag Fräsmodelle mit geringerer Standzeit aber maximaler Fräsbreite und -tiefe.

Insgesamt treiben die Hersteller die Entwicklung mobiler Baumaschinen mit Blick auf den Anwender immer weiter voran, wie die nachfolgende Zusammenstellung zeigt.

Wechselhaft und verlängert

Bei den neuen Fräsenmodellen hat der Hersteller besonders auf die Standzeit geachtet. (Bild: Bomag)
Bei den neuen Fräsenmodellen hat der Hersteller besonders auf die Standzeit geachtet. (Bild: Bomag)

Bei den neuen Fräsmodellen hat Bomag (Bauma-Freigelände FS 1009) auf Standzeiten der Fräswalzen und der Halter geachtet. Gegenüber anderen Systemen hat der Anbieter die Lebensdauer der Halter um bis zu 30 Prozent verlängert. Kommen Fräsen mit Wechselhaltersystem zum Einsatz, dann sind die Wechselhalter wartungsfrei, haben eine besonders schlanke Bauform und bieten dadurch geringeren Schnittwiderstand während des Asphaltfräsens.

Bei Kaltfräsen in der Kompaktklasse mit Heckladeband stehen Modelle mit drei und vier Rädern sowie 500 und 600 Millimetern Maximalarbeitsbreite zu Verfügung. In der 1000-Millimeter-Klasse gehen beim Straßenbau zukünftig Kaltfräsenmodelle mit Heckrotor sowie mit Mittelrotor für Spezialanwendungen an den Start. Aufgebaut wie eine Großfräse mit zentral montiertem Fräsaggregat erlaubt diese Bauart einen Bedienerarbeitsplatz mit guter Baustellenübersicht. Der zentral montierte Rotor sorgt für hohe Leistungsfähigkeit bei angenehmer Laufruhe.

Jonathan Stringham, Geschäftsleiter Fräsen bei BOMAG

Im Bereich Fräsen haben wir uns in den letzten Jahren eine starke Position im Markt erkämpft. Diese Position haben wir der enormen Zuverlässigkeit unserer Maschinen und der Expertise unserer Mitarbeiter zu verdanken. Mit der Erweiterung unseres Portfolios wollen wir unsere Marktposition festigen und unseren Kundenstamm weiter vergrößern.“

In der 600-PS-Klasse wird die Angebotsreihe durch zwei weitere Modelle in der 750-PS-Klasse erweitert, die über eine Motorleistung von 771 PS (567 Kilowatt) bei einer Arbeitsbreite von 2000 beziehungsweise 2200 Millimetern verfügen und eine Frästiefe von 350 Millimetern erreichen. Neben der Leistungsfähigkeit punkten die Maschinen vor allem mit einfachem Service und Bedienkomfort. So wird beispielsweise ein kleiner Einzylinder-Diesel zum Hilfsmotor für Nebentätigkeiten beim Wassertanken, beim Meißelwechsel und bei der Maschinenreinigung. Eine integrierte Serviceplattform sorgt beim täglichen Maschinen-Check für einfachen und sicheren Zugang. Ein vibrationsisolierter Sitz-Arbeitsplatz soll für mehr Komfort sorgen.

Grün und ausladend

Ein neuer 875-Umschlagbagger entlädt Kohle in Pennsylvania. (Bild: Sennebogen)
Ein neuer 875-Umschlagbagger entlädt Kohle in Pennsylvania. (Bild: Sennebogen)

Sennebogen (Freigelände FM.712) Stand setzt bei Umschlagbaggern auf ein Baukastensystem aus diversen Unterwagenvarianten, verschiedenen Ausrüstungslängen, Kabinen und Kabinenerhöhungen mit mehreren tausend Kombinationsmöglichkeiten. Der neu entwickelte Bagger 870 für den Materialumschlag im Hafen, auf dem Schrottplatz oder im industriellen Einsatz bewältigt Traglasten bis zu acht Tonnen bei einer maximalen Reichweite bis zu 25 Meter. Der Umschlagbagger kann sowohl mit einem Dieselmotor der Abgasnorm-Stufe IV (261 Kilowatt), automatischer Leerlaufstoppautomatik und ECO-Mode als auch mit einem Elektromotor (250 Kilowatt) bestückt werden.

Das Energierückgewinnungssystem Green Hybrid ist serienmäßig vorgesehen und verringert die Energiekosten um bis zu 30 Prozent. Das funktioniert nach dem Federprinzip: Ein zusätzlicher Hydraulikzylinder speichert beim Herablassen des Auslegers die Energie in Druckgaszylindern und kompensiert in seiner Funktion das Auslegergewicht. Diese gespeicherte Energie steht dann für den nächsten Hub wieder zur Verfügung.

Florian Attenhauser, Verantwortlicher Internationales Marketing Sennebogen Maschinenfabrik

„Seit 2013 ist unser Green Hybrid Energierückgewinnungssystem erfolgreich am Markt etabliert. Die Rückmeldungen unserer Kunden über Einsparungen von 30 Prozent bestätigen uns, dass wir mit diesem System auf dem richtigen Weg sind. Auch für kleinere Maschinen bieten unsere effizienten Motoren und die Möglichkeit des sparsamen Elektroantriebs wertvolles Potenzial für Energieeinsparungen.“

Alle Maschinen können optional mit elektrohydraulischen Antriebslösungen ausgerüstet werden. Für den Fahrer bietet der Bagger die standardmäßig hochfahrbare Maxcab-Kabine. Optional besteht die Möglichkeit, die größere Maxcab-Industriekabine mit Bodenglas oder die geräumige Mastercab mit Trainersitz zu montieren, die besonders geeignet ist für den Hafeneinsatz. Möglich ist auch die Skylift-Kabinenerhöhung mit Einstieg vom Boden aus. Die Sichthöhe bis 15 Meter erlaubt es gerade beim Hafenumschlag, die Verladung bis in den Schiffsrumpf hinein zu überwachen. Alle Kabinen bieten einen Arbeitsplatz mit Klimaautomatik.

Maßgeschneidert mit Rundumblick

Die Radlader von Caterpillar mit stufenlosem, leistungsverzweigtem Direktschaltgetriebe werden von Zeppelin angeboten. Das Unternehmen ist seit mehr als 60 Jahren Caterpillars Vertriebs- und Servicepartner in Deutschland. (Bild: Caterpillar)
Die Radlader von Caterpillar mit stufenlosem, leistungsverzweigtem Direktschaltgetriebe werden von Zeppelin angeboten. Das Unternehmen ist seit mehr als 60 Jahren Caterpillars Vertriebs- und Servicepartner in Deutschland. (Bild: Caterpillar)

Bei der Entwicklung der Baumaschinentechnik legt Caterpillar (Halle B6, Stand 106) die Schwerpunkte auf Antriebstechnik, die für den jeweiligen Einsatz maßgeschneidert ist. Das Unternehmen strebt dabei einen Kompromiss aus guten Verbrauchswerten und bezahlbarer Technik und geringen Betriebskosten an. Das Ergebnis dieser Strategie sind der diesel-elektrisch angetriebene Kettendozer D7E, der Radladern 966M XE und 972M XE mit stufenlosem, leistungsverzweigtem Direktschaltgetriebe sowie die Kettenbagger 336 F XE und 352F XE.

Zur Standardausrüstung vieler Maschinen zählt die Rückfahrkamera mit Monitor im Fahrerhaus, die dem Fahrer die sichere Beurteilung des nicht einsehbaren Bereichs hinter der Maschine erlaubt. Dieses System kann durch Seitenkameras oder weitere Kameras ergänzt werden, die auf dem Bildschirm einen „Drohnenblick“ von oben erzeugen. Die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben für Lärm und Abgase, die weitere Senkung des Kraftstoffverbrauchs und der sichere Einsatz sind für den Baumaschinenhersteller grundlegende Dinge. Alle Maschinen sind mit emissionsarmen Stufe-IV-Motoren ausgestattet.
Ein Flottenmanagement erlaubt es dem Betreiber stets auf alle Informationen und Servicedaten zuzugreifen. Die Ausrüstung von Baggern, Ladern und Muldenkippern mit Wiegesystemen ab Werk soll die Ausnutzung der zulässigen Zuladung und einen besseren innerbetrieblichen Datenfluss gewährleisten.

Diesel und LPG

Die LPG-Motoren G 2.9 bieten mehrere Vorteile und eignen sich besonders gut für den Geräteeinsatz in geschlossenen Gebäuden. (Bild: Deutz)
Die LPG-Motoren G 2.9 bieten mehrere Vorteile und eignen sich besonders gut für den Geräteeinsatz in geschlossenen Gebäuden. (Bild: Deutz)

Der Kölner Motorenhersteller Deutz (Halle A4, Stand 337) hat die Gasmotoren für sich wiederentdeckt: Erstmals bietet der Hersteller den neu entwickelten TCD-2.2-Motor sowohl in einer Dieselversion als auch in einer Flüssiggasversion (LPG) an. Der Motor ist mit bis zu 55 Kilowatt Leistung besonders für Anwendungen im Bereich des Materialhandlings und der kompakten Baumaschinen geplant. Die Gasvariante wird bis 42 Kilowatt leisten. Der Motor soll 2019 rechtzeitig die Abgasnorm der Stufe V erfüllen. Des Weiteren gibt es den TCD 2.9 ab 2016 ebenfalls als LPG-Version. Die Motorleistung reicht bis 55 Kilowatt und gleicht in Größe und Ausführung seinem selbstzündenden Pendant.

Michael Wellenzohn, Mitglied des Vorstandes bei Deutz AG

„Wir erweitern unserer Produktpallette um den TCD 2.2 und setzen mit unseren neuen Gasmotoren zudem auf das wachsende Potenzial alternativer Kraftstoffe“

Die neuen Gasvarianten, G 2.2 und G 2.9 genannt, eignen sich besonders gut für den Einsatz in geschlossenen Gebäuden, da Flüssiggas deutlich weniger Emissionen als Dieselkraftstoff verursacht. Zudem erreichen die Motoren die Stufe V mithilfe eines Dreiwege-Katalysators, also ohne Abgasnachbehandlungssystem. Bei allen TCD 2.2- und 2.9-Varianten handelt es sich um dieselbe Motorenplattform, wodurch sich für Anwender Synergieeffekte bei der Integration ergeben, beispielsweise hinsichtlich der Anschlüsse oder der Ersatzteilversorgung.