Mensch-Roboter-Interaktion, Bild: Audi

Im Audi-Werk Ingolstadt arbeitet der Roboter PART4you (Produktions-Assistent reicht Teil) Hand in Hand mit dem Menschen - ohne Sicherheitsabsperrung. Bild: Audi

Einer amerikanischen Studie zufolge könnte fast die Hälfte der Beschäftigten in den USA in den nächsten zehn bis 20 Jahren durch computergesteuerte Maschinen ersetzt werden. Auch in Deutschland sind heute Computer oder computergesteuerte Maschinen in vielen Bereichen der Industrie nicht mehr wegzudenken. Roboter und Maschinen haben in vielen Bereichen die Arbeit der Menschen erleichtert; so zum Beispiel beim maschinellen Abbau von Rohstoffen oder in der Montage von Automobilen.

Inzwischen ist die Technik so weit vorangeschritten, dass Computer auch in Bereiche vordringen, von denen wir vor kurzem noch glaubten, sie könnten niemals von Robotern ausgeführt werden. Ein Beispiel dafür sind Roboter, die vermehrt in Japan und den USA in der Pflege von Senioren eingesetzt werden. Ist das auch bald in Deutschland möglich? Diese Frage hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nun aktuell untersucht.

Vorteil Roboter

Es stimmt schon. Roboter können viele Prozesse schneller und präziser ausführen als der Mensch, vor allem wenn es um gleichbleibende Qualität bei monotonen Arbeiten geht. Aber sie sind auch in der Lage, in Sekunden Handelsgeschäfte an der Börse abzuwickeln, schneller und gezielter als Ärzte die statistisch wirkungsvollste Therapie vorzuschlagen sowie selbstständig juristische Gutachten oder Vertragstexte zu erstellen. Was heißt es also für den Beschäftigten, wenn immer mehr Anlagen und Geräte durch IP-Adressen digital ansprechbar und steuerbar werden? Könnten Geringqualifizierte mit Hilfe von Datenbrillen und Zusatzinformationen neue Arbeitsschritte trotzdem erledigen?

Bisher hat der technologische Fortschritt in der Geschichte immer mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als durch ihn verloren gegangen sind. Obwohl seit 1999 in Deutschland zwei von drei Beschäftigten gelegentlich oder überwiegend mit dem Computer arbeiten, ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten gestiegen. Das zeigen aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Doch was passiert, wenn der Siegeszug der Computer stark ansteigt und Menschen aus ihren Berufen vertreibt?

Die vielfach umstrittene Studie von Frey/Osborne von 2013 prognostiziert, dass etwa 47 Prozent der Beschäftigten in den USA in den nächsten zehn bis 20 Jahren durch computergesteuerte Maschinen ersetzt werden könnten. Man spricht auch von einer Automatisierungswahrscheinlichkeit von 47 Prozent. Diese Studie wird häufig für Automatisierungswahrscheinlichkeitsberechnungen für Deutschland verwendet. Dann würden in den nächsten zehn bis 20 Jahren in Deutschland zwischen 42 und 59 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten durch Computer ersetzt werden. Doch kann man die Berechnungen für die USA einfach auf Deutschland übertragen?

USA – Deutschland

Die IAB-Analyse streitet das ab. Betrachte man die Arbeitswelt in beiden Ländern, dann sei diese sehr unterschiedlich, vor allem im Bildungssystem und Arbeitsmarkt: „So lässt sich zum Beispiel zeigen, dass in den USA mehr Akademiker und Führungskräfte, in Deutschland hingegen mehr Bürokräfte und Handwerker beschäftigt sind. Dazu kommt, dass das duale Ausbildungssystem und die darauf aufbauenden Weiterqualifizierungsmöglichkeiten in Deutschland zu einer stärkeren Differenzierung des Arbeitsmarktes im mittleren Qualifikationsbereich führen“.

Dagegen ist es meist in den USA so, dass der Highschool-Abgänger an Arbeitsplätzen beschäftigt ist, die keinerlei berufliche Vorbildung erfordern. Daher ist es nicht möglich, die Automatisierungswahrscheinlichkeit für die USA einfach auf Deutschland zu übertragen.